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Seit vier Jahren warten sie auf die von der Römer-Koalition versprochene Erhöhung der Zuschüsse.

Protest

Frankfurt: Freie Träger der Offenen Kinder- und Jugendarbeit demonstrieren

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Rund 130 Pädagogen, Sozialarbeiterinnen und Jugendliche demonstrieren für höhere Zuschüsse. Die freien Träger fordern seit vier Jahren 1,96 Millionen Euro für ihre Personalkosten.

Nein, ich denke nicht, dass wir es noch in dieser Legislaturperiode erleben, dass die Zuschüsse erhöht werden“, sagt ein Teilnehmer beim Protestmarsch „Walk of Youth“. Das Wetter passt zu der Stimmung. Es ist kalt und regnerisch. Trotzdem sind am Donnerstag 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Willy-Brandt-Platz gekommen, um gegen die Unterfinanzierung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in freier Trägerschaft zu demonstrieren. In ihren Händen halten sie Pappschilder und Transparente mit Sprüchen wie „Bildung ist mehr als Schule“, „Neoliberale Kackscheisse“ oder „FFM, du bist doch so reich“.

Für diesen Tag haben die Einrichtungen als Zeichen des Protests mal wieder ihre Türen geschlossen – so wie jeden Monat am sogenannten Tag der geschlossenen Tür, den die freien Träger seit einiger Zeit praktizieren. Insgesamt sind 117 Einrichtungen von 68 freien Trägern betroffen. 1,96 Millionen Euro pro Jahr fehlen den Einrichtungen, um die in den vergangenen Jahren gestiegenen Tariflöhne auszugleichen. Um Punkt 14 Uhr startet die Demonstration. Vorne aus dem Lautsprecherwagen dröhnt Hip-Hop-Musik. Unter den Demonstrierenden sind Sozialarbeiterinnen, Vertreter des Jugendrings, Kinder und Jugendliche. Einer von ihnen ist der 20-jährige Hendrik Beck.

Er geht seit vier Jahren in das Jugendzentrum Cafe Müller im Ostend von der freien Trägerschaft Junularo. „Die offene Jugendarbeit muss besser finanziert werden. Wenn das nicht passiert, könnte das Cafe Müller irgendwann schließen und das wäre eine Katastrophe“, sagt er. Für viele Jugendliche sei das Jugendzentrum wie ein zweites Wohnzimmer. „Es ist ein Ort zum Wohlfühlen“, sagt er.

Einrichtungen sind alternativlos

Sein Kumpel Max Sattler, ebenfalls 20 Jahre alt, ergänzt: „Wenn solche Jugendzentren wegen Geldmangel irgendwann schließen müssen, dann wird den Jugendlichen etwas genommen“, sagt er. Die Einrichtungen seien alternativlos, denn in der Schule gebe es keine Angebote und für viele Jugendliche seien Jugendzentren auch ein Rückzugsort. Die Demo ist mittlerweile an der Hauptwache angekommen. „Die OKJA blutet aus“, ruft Barbara Weichler, Leiterin von Junularo, ins Mikrofon. Sie versucht die Demonstrierenden zu Protestrufen zu animieren, doch es bleibt bei einem zaghaften Versuch, bis schließlich ein Jugendlicher ihre Rolle übernimmt und den halben Demozug mitzieht. Er ruft in das Mikrofon: „Frankfurt eine Metropole – für die Jugend keine Kohle.“

So wird es wohl auch bleiben – das denken unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einige. So auch Max Sattler. Er hatte noch Hoffnung, als die SPD Teil der Römer-Koalition wurde. „Doch diese Hoffnung ist mittlerweile weg“, sagt er.

Der Demozug überquert im strömenden Regen den Paulsplatz und läuft zum Ziel auf den Römerberg. Dort protestieren sie weiter lautstark mit ihren Trillerpfeifen, so laut, dass die Stadtverordneten sie hören.

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