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Frankfurt: Freie Szene warnt vor Kürzungen

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Von: Florian Leclerc

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Der Theatermacher Willy Praml in der Naxoshalle. Foto: Renate Hoyer
Der Theatermacher Willy Praml in der Naxoshalle. © Renate Hoyer

In Frankfurt soll in der Kultur massiv gespart werden - Theaterverbände wenden sich dagegen und sagen, was das für die freie Szene bedeuten würde.

In Frankfurt wenden sich die drei Theaterverbände Theater-allianz, laProf und ID_Frankfurt gemeinsam gegen geplante Kürzungen im Kulturetat, wie sie aus dem neuen Haushaltsentwurf hervorgehen.

Demnach sollen schon in diesem Jahr sieben Millionen Euro bei freien Kultureinrichtungen wie Theatern, Kunstvereinen, Musikgruppen, aber auch bei der Alten Oper, dem Mousonturm und der Schirn-Kunsthalle gespart werden. 2023 will die Stadt 21 Millionen Euro weniger Zuschüsse bewilligen. 2024 und 2025 betragen die Kürzungen jeweils etwa 22 Millionen Euro.

„Die geplanten Streichungen bedrohen die Vielfalt der Frankfurter Kulturlandschaft existenziell. Am stärksten trifft es die ohnehin schon prekäre freie Szene, in der sich Soloselbstständige, Theater und künstlerische Ensembles noch nicht von den Folgen einer andauernden Pandemie erholt haben und die im Vergleich zu den meist institutionell geförderten größeren Kulturinstitutionen unterfinanziert sind“, teilten die drei Theaterverbände gemeinsam mit.

Naxos irritiert über Sparpläne

Der Theaterallianz gehören zwei Dutzend Theater in Frankfurt an. laProf vertritt 120 freie Theatermacher:innen in Hessen. Bei ID_Frankfurt sind freie Künstler:innen, Theoretiker:innen und Vermittler:innen in Choreographie und Performance organisiert.

Eine weitere Limitierung des Budgets wäre für die freie Szene existenzgefährdend, heißt es weiter. Darüber hinaus geplante Kürzungen bei den großen Kultureinrichtungen wie den Städtischen Bühnen beträfen ebenfalls Soloselbstständige, die Spielpläne und Programme mitgestalteten.

Kunst und Kultur dürfe nicht als „Luxusgut“ verhandelt werden, kritisieren die Theaterverbände. Kürzungen in der Kultur, etwa kompensiert durch höhere Eintrittspreise, hätten spürbare Auswirkungen auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die kulturelle Bildung

Statt einer „pauschalen Konsolidierung“ sei ein enger Austausch mit den Kulturpolitiker:innen nötig, um die festen Häuser und die überregional erfolgreiche freie Szene in der Stadt weiter zu stärken. Der gerade begonnene Kulturentwicklungsplan sei in dieser Hinsicht eine große Chance.

Die Geschäftsführung von Naxos mit dem Theater Willy Praml und dem Studio Naxos reagierte ebenfalls irritiert auf die Sparpläne der Stadt. Solle der begonnene Kulturentwicklungsplan eine Maßnahme sein, um die Einsparpläne zu rechtfertigen, fragten die Geschäftsführer Willy Praml und Simon Möllendorf. „Die Nachricht von den Einsparforderungen im Kulturbereich vonseiten der Stadt hat uns freie Kulturschaffende gänzlich unvorbereitet getroffen.“ In Zeiten von anhaltenden Krisen gelte es, die Kultur zu stärken und nicht noch weiter zu schwächen.

Die großen Krisen unserer Zeit hätten gezeigt, dass Geld – sogar in umfangreichem Maße – zur Verfügung gestellt werden könne, wenn eine Sache als notwendig und wertvoll für eine Gesellschaft und ihren Zusammenhalt erachtet werde, hieß es weiter.

Beim Kulturentwicklungsplan sollte ihrer Ansicht nach darauf geachtet werden, den gewachsenen Bestand der freien Theaterszene zu bewahren, statt immer neue Kulturinitiativen in die Förderung aufzunehmen, ohne gleichzeitig das Budget entsprechend zu erhöhen.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) wies auf Anfrage darauf hin, dass mit den verkürzten Öffnungszeiten der städtischen Museen und des Instituts für Stadtgeschichte bereits konkret und schmerzhaft gespart werde. Inwieweit weitere Sparmaßnahmen nötig und möglich seien, werde im Laufe der Haushaltsberatungen geklärt.

Der aktuelle Haushaltsentwurf sei eine Bestandsaufnahme für das Jahr 2022. „Ob die ab 2023 aufgeführten Sparvorgaben tatsächlich zu realisieren sind, hängt auch von der zukünftigen Einnahmesituation der Stadt ab“, sagte Hartwig.

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