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Frankfurt: Freibier auf dem Campus

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„Sommer-Campus-Feiern“ war das Motto.
„Sommer-Campus-Feiern“ war das Motto. © ROLF OESER

Die Goethe-Uni feiert nach langer Pause wieder ihr Sommerfest. Von Lukas Stock.

Nach fast drei Jahren Corona-Pause haben Studierende und Mitarbeitende am Montag erstmals wieder das Sommerfest der Goethe-Universität gefeiert. Motto: „Sommer-Campus-Feiern“. Auf dem Theodor-W.-Adorno Platz in der Mitte des Universitätscampus versammelten sich Menschen aller Altersgruppen neben einer Bühne und einigen Essens- und Getränkeständen, aber vor allem Studierende.

Es ist eine bunte Menge, im Hintergrund läuft Musik und es ist sehr, sehr heiß. Linderung verschafft nur eine Art Freiluft-Dusche, ein Pavillon mit vielen kleinen Duschköpfen, die Wasser in der Luft zerstäuben.

Auch David Käppisch, Dekan der Evangelischen Theologischen Fakultät, tritt in Hemd und Anzughose kurz darunter. Er freut sich, vor Ort zu sein: „Genau das macht die Universität ja aus, dass man auch informell in den Austausch kommt.“ Der Dekan glaubt, dass eine Universität mehr tun sollte, als nur Kompetenzen zu vermitteln.

Ähnlich sieht das Enrico Schleiff, der Präsident der Goethe-Universität. Eine Band spielt zu Ende, der Präsident betritt die Bühne. „Wir hätten uns keinen schöneren Tag aussuchen können,“ sagt er zu der kleinen Menge, die sich unter dem nächsten Schattenplatz versammelt hat. „Lassen sie uns heute einfach feiern.“ Unter Applaus lobt er die Resilienz seiner Mitarbeitenden. Zuletzt mahnt der Präsident, dass die Mitarbeitenden ihren Optimismus aufrecht erhalten sollen: „Nach der Krise ist vor der Krise.“ Im persönlichen Gespräch mit der Frankfurter Rundschau klingt Enrico Schleiff aber locker, weit weg von allen Krisen und Sorgen: Er freue sich, „einfach Zeit zu haben, um mit allen zu reden“ und dass „man wieder ineinander läuft“. Die Gäste sehen das ähnlich, wenn nicht noch lockerer. Eine Gruppe gut gekleideter Jura-Studenten steht beisammen, jeder hat einen großen Maßkrug mit einem orangefarbenen Getränk in der Hand, alle grinsen. Wie angekündigt gab es kurz nach der Rede Freigetränke für alle – Auf Kosten der Universität. „Ja, das ist ein Liter Aperol Spritz“, sagt einer von ihnen. „Ja sauber“, „Sehr gute Aktion“, sagen zwei andere. Trotzdem müssen Sie sich in den Schatten zurückziehen – es ist schlicht zu heiß. Nicht nur deswegen ist auch eine Gruppe Sanitäter:innen vor Ort. Es gab zwar bis zum späten Nachmittag keine medizinischen Probleme, doch sei es „gefährlich in der Hitze“. Man muss viel trinken und sich abkühlen.

So toben auch die Kinder von Anna-Lisa Aydn durch die Freiluftdusche. Das Sommerfest findet die Mutter „super“, obwohl sie gar nicht mehr an der Universität arbeite. Sie vermisse aber den mobilen Kinderspielplatz der letzten Jahre. Student Tim Hanthe hat auch noch eine andere Kritik: „Wieso müssen die das Fest denn mitten in die Klausurenphase setzen?“, fragt er. Der Student muss auch gleich wieder in die Bibliothek, weiterlernen. Angeblich schreibe ein Freund von ihm zur gleichen Zeit in Hörreichweite der Musik sogar eine Jura-Klausur. Trotzdem freut Tim Hanthe sich über das Fest.

Etwas abseits der Menge steht Kati Stiebing, Projektleiterin beim Veranstalter Campuservice, mit einem großen Funkgerät. Es kommt ein Funkspruch durch, sie läuft im schnellen Schritt von Stand zu Stand, gibt Informationen durch. Trotzdem hat Stiebing Spaß: „Wenn die Veranstaltung einmal läuft, dann ist es entspannt“, sagt sie. „Es ist toll, wie das alles angenommen wird“.

Neben dem zentralen Platz ist eine große Wiese, es gibt einen Mitsing-Stand auf dem eine Band Pop-Hits wie „I could have had it all“ singt. Kinder toben umher, eine Gruppe junger Männer spielt Volleyball. Es wirkt idyllisch. Im Schatten eines Baumes sitzt auch Elisabeth Tzschentke im Schneidersitz mit einem Tablett. Die Studentin muss sich auf ein Referat vorbereiten. Sie sagt: „Natürlich könnte ich mich besser konzentrieren, wenn ich in einem Raum alleine wäre. Aber hier ist es schöner.“ So symbolisiert das Sommerfest auch einen weiteren Schritt weg von der kargen Corona-Realität. Ja, man kann das Leben auch ernster nehmen. Muss man aber heute nicht.

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