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Demo gegen Gewalt gegen Frauen in Frankfurt.
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Demo gegen Gewalt gegen Frauen in Frankfurt.

Gewalt gegen Frauen

Frankfurt: Frauennotruf legt Jahresbericht vor

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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Die Pandemie bringt keine erhöhten Fallzahlen beim Frauennotruf mit sich. Dennoch war das Jahr 2020 eine große Herausforderung für die Beratungsstelle.

Für das Jahr 2020 hatte sich das Team der Beratungsstelle Frauennotruf Frankfurt ehrgeizige Ziele gesetzt: Es wollte Frauen und Mädchen persönlich beraten, drei große Präsenzveranstaltungen planen und neue, extra für den Frauennotruf entworfene Plakate in der Frankfurter Clubszene verteilen. Doch dann folgte die Corona-Pandemie, der erste Lockdown und der Frauennotruf musste, wie so viele andere Beratungsstellen auch, schnell reagieren, umplanen und die Beratungen telefonisch sowie digital anbieten.

In seinem Jahresbericht legt der Frauennotruf nun vor, wie das Team den Herausforderungen der Pandemie begegnete. Die Sorge, es könne einen pandemiebedingten Anstieg der Fallzahlen geben, war groß, doch diese blieben etwa auf dem Vorjahresniveau. Mit 678 Fällen war die Zahl der Beratungen etwas niedriger als im Vorjahr (743 Fälle), aber höher als 2018 (667 Fälle). Nur in wenigen Einzelfällen erfuhren die Mitarbeiterinnen von Frauen, dass der Täter „Corona als Rechtfertigung“ für seine Gewaltausübung nutzte.

Die meisten Beratungen fanden zu den Themen Vergewaltigung und Nötigung (203 Fälle) sowie Körperverletzungsdelikten (270 Fälle) statt. 337 Frauen nutzten die Möglichkeit der anonymen Beratung und 427 der 678 beratenen Frauen planten, juristisch gegen die mutmaßlichen Täter vorzugehen.

In den Beratungsgesprächen seien die Auswirkungen der Pandemie häufig spürbar gewesen, heißt es im Jahresbericht. So mussten die Beraterinnen kreativ im Umgang mit den zusätzlichen Beeinträchtigungen umgehen. Erschwerend war zudem, dass nur eingeschränkt auf zahlreiche andere Angebote, Einrichtungen Therapien und Kliniken verwiesen werden konnte.

Das Jahr 2020 sei herausfordernd gewesen, sagt Mitarbeiterin Andrea Bocian. „Wir freuen uns dennoch, dass es gelungen ist, in relativ kurzer Zeit unser Beratungsangebot umzustellen – auch wenn wir persönliche Kontakte und Projekte, die uns am Herzen liegen, zunächst einmal reduzieren oder zurückstellen müssen.“

Trotz der pandemiebedingt schwierigen Zugangslage in den Krankenhäusern konnten im Versorgungsverbund „Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung“ 41 Frauen medizinisch versorgt werden. 2019 waren es noch 57 Frauen. Der deutliche Rückgang sei auf die Pandemie zurückzuführen, heißt es. Bereits während der ersten öffentlichen Einschränkungen von März bis Juni 2020 und während des zweiten Lockdowns mieden viele Betroffene die Krankenhäuser.

Trotz allem sei das bundesweite Interesse am Versorgungsverbund, der vom Frauennotruf Frankfurt initiiert wurde, hoch. Inzwischen hätten sich 31 Krankenhäuser aus drei Bundesländern den Verbund angeschlossen. Diese berichteten, dass sie sich aufgrund der Pandemie in „Hochsicherheitszonen“ verwandeln mussten. Solche Bedingungen machten einen unkomplizierten und anonymen Zugang nahezu unmöglich. Es sei daher anzunehmen, dass sich Betroffene sexualisierter Gewalt bewusst dazu entschieden hätten, sich nicht medizinisch versorgen zu lassen. Aus diesem Grund geht der Frauennotruf in seinem Jahresbericht nicht davon aus, dass die Fallzahlen sexualisierter Gewalt rückläufig sind.

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