Schiedsrichter bedroht

Frauen-Team abgemeldet

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Der Verein Kickers 16 reagiert drastisch auf einen Spielabbruch. Eine Spielerin hatte einem Schiedsrichter Schläge angedroht.

Mit einer drastischen Maßnahme hat die Sportvereinigung Kickers 16 auf interne Querelen reagiert. Der Verein, der an der Bertramswiese zu Hause ist, hat sein Frauen-Team während der laufenden Saison vom Spielbetrieb aus der Kreisoberliga abgemeldet. In einer Pressemitteilung dazu spricht der Vorstand von „unüberbrückbaren Differenzen“ mit den Teamverantwortlichen. Das Fass zum Überlaufen brachte ein Vorfall bei einem Freundschaftsspiel gegen den FC Neu-Isenburg im Februar. Der Schiedsrichter hatte die Partie abgebrochen, weil eine Spielerin der Kickers ihn massiv bedroht hatte. Der Vorstand hatte von dem Spielabbruch aber erst sechs Wochen später erfahren, als er vom Regionalsportgericht zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde. „Wir waren ziemlich erschüttert“, berichtet Vorstand Dietrich Becker der FR.

Da es nach der Abmeldung der Mannschaft und der Absetzung der Mannschaftsverantwortlichen nun sogar zu Rechtsstreitigkeiten kommt, will Becker nicht viel über den Vorfall sagen. Wohl aber der Schiedsrichter, der die Partie am 13. Februar auf dem Sportplatz in Gravenbruch gepfiffen hat. „In der Halbzeit ging die Katastrophe los“, sagt der 27-Jährige, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Die Halbzeitpause war genauer gesagt eine Drittelpause, da sich die Teams in dem Freundschaftsspiel auf dreimal 30 Minuten geeinigt hatten.

Spielerin von Kickers 16 warf Gegenstände gegen die Tür des Schiedsrichters

Im zweiten Drittel hatte der Schiedsrichter eine Spielerin von Kickers 16 gebeten, sich ihren Nasenring abzukleben. „Der Aufforderung kam die Spielerin auch nach“, so der Schiedsrichter. Eine Mitspielerin ereiferte sich aber und redete sich in Rage. Der 27-Jährige hielt später in seinem Sonderbericht Ausdrücke wie „Männerego“ und „ich haue den Wichser um“ fest und, dass er die Spielerin mit der Rückennummer 13 daraufhin vom Platz stellte. Die Spielerin sah nun aber erst recht rot. Das ging so weit, dass sich der Unparteiische in der Pause in seiner Kabine einschloss, woraufhin mehrere Gegenstände gegen die Tür flogen. Die Aufforderung, die Spielerin zur Räson zu rufen, konnten die Verantwortlichen von Kickers 16 nicht erfüllen. Der Schiedsrichter brach die Partie daher nach 60 Minuten ab.

An den Vorfall kann sich der 27-Jährige, der bereits seit zehn Jahren pfeift, zunächst nur dunkel erinnern: „Ich bin die Sachen gewöhnt.“ Das zeigt, wie weit es mit der Respektlosigkeit gegenüber Schiedsrichtern im Amateurfußball gekommen ist. Matthias Lippert, Schiedsrichterobmann für den Kreis Frankfurt, winkt ab. „Das macht alles gar keinen Spaß mehr.“

Vor einem Jahr hatten die Frankfurter Schiedsrichter aus Protest gegen Respektlosigkeit einen Spieltag bestreikt. „Seitdem ist es eher schlimmer geworden“, so Lippert, der aus der jüngeren Vergangenheit mühelos weitere Skandale aufzählen kann. Von Eltern, die bei einem Jugendspiel auf den 16-jährigen Schiedsrichter losgehen, oder von einem Schiri, der bei einem Spiel in der B-Klasse gezielt abgeschossen wurde. „Das Signal, dass wir entsendet haben, ist erloschen“, sagt Lippert leicht desillusioniert.

Stattdessen gibt es nun auch bei einem Frauenspiel einen Vorfall. Das Sportgericht urteilte: 14 Spiele Sperre für die Spielerin, sechs Punkte Abzug für die Mannschaft, 135 Euro Geldstrafe für Kickers 16. Der Verein selbst reagierte noch drastischer.

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