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Bei Mia machen sich Migrantinnen fit für den deutschen Arbeitsmarkt. Monika Müller
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Bei Mia machen sich Migrantinnen fit für den deutschen Arbeitsmarkt. Monika Müller

Frankfurt

Frankfurt: Frauen neue Berufsperspektiven eröffnen

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Das Projekt Mia hilft Migrantinnen dabei, auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Am Ende gewinnen die Frauen vor allem eins: mehr Selbstvertrauen.

Auf dem Flipchart im vorderen Teil des Raums stehen Konjunktivsätze. Die Dozentin erklärt den fünf Frauen, die vor ihr sitzen, wozu dieser Modus des Verbs gut ist und wie man ihn bildet. Dann bearbeitet jede für sich das ausgehändigte Aufgabenblatt. Die Kursteilnehmerinnen wollen ihr deutsches Sprachniveau verbessern, um ihrem Ziel näherzukommen: eine neue Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten.

Der Kurs ist Teil des kostenlosen Qualifizierungsprojekts „Mia – Migrantinnen fit für den Arbeitsmarkt“. Das Programm gibt es bereits seit 2006. Es ist eine Kooperation zwischen dem Verein Beramí, der sich für berufliche Integration einsetzt, und dem Verein Jumpp, der Frauen bei der Existenzgründung hilft.

Mia ist modular aufgebaut, es gibt vier Bausteine: das eingangs beschriebene Modul Förderung der beruflichen Deutschkenntnisse, dazu Kompetenzprofil, Förderung der beruflichen PC-Kenntnisse sowie Stellenakquise und Vermarktung des Kompetenzprofils. Jedes Modul laufe über vier Wochen, sagt Zorica Erceg von Beramí, eine der beiden Projektleiterinnen. „Ein Einstieg ist jederzeit möglich.“

Den Anfang macht in der Regel ein Gespräch, in dem die Frauen ihre Ziele besprechen und definieren. In den Modulen lernen sie anschließend nicht nur den Unterrichtsstoff, sondern „sie entdecken sich hier neu“, sagt Erceg. „Sie lernen auch interkulturell sehr viel voneinander.“ Zum Beispiel über die Bedeutung des muslimischen Fastenmonats Ramadan oder warum einige der Frauen ein Kopftuch tragen. Menschen außerhalb der eigenen Community kennenzulernen, sei ein wichtiger Effekt des Projekts.

Besonders auffällig sei, wie sehr das Selbstbewusstsein der Teilnehmerinnen im Laufe der Wochen zunehme. „Wir begegnen vielen unterschiedlichen Schicksalen und müssen die Frauen auch sozial abholen“, sagt die zweite Projektleiterin, Aicha Bah-Diallo. Einigen müsse man auch vermitteln: „Du bist etwas wert.“ So seien die Projektverantwortlichen oftmals auch Kummerkasten und Anlaufstelle in anderen Fragen. „Viele bleiben uns im Anschluss verbunden und berichten uns dann voller Stolz, wenn sie wieder etwas erreicht haben“, sagt Erceg.

Marjana Kelava ist eine der Teilnehmerinnen des aktuellen Moduls zur Förderung der beruflichen Deutschkenntnisse. Die 37-Jährige kam 2015 nach Deutschland und lebt in Frankfurt. Mit Hilfe von Mia möchte sie sich auf eine Umschulung vorbereiten, in ihrem Geburtsland Kroatien hat sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert. „Zu Beramí bin ich gekommen, weil ich meine Ausbildung in Deutschland anerkannt haben wollte.“ So kam sie in das Programm Mia.

Sie sei dankbar für die großartige Unterstützung und Motivation. In der Beratung habe man herausgefunden, was das Beste für sie sei. „Die anderen Teilnehmerinnen sind sehr freundlich, und wir tauschen uns aus.“ Eine schöne Erfahrung für die 37-Jährige, die nebenher noch jobbt.

Die Corona-Pandemie hat auch Mia verändert. So gibt es beispielsweise kleinere Gruppen und Hygienevorschriften. Trotz allem gelinge es, einen Teil des Unterrichts in Präsenz durchzuführen. Vierzig Prozent der Stunden werden digital gehalten.

Im Laufe der Jahre haben 1737 Frauen mit Zuwanderungsgeschichte von Mia profitiert. Der Großteil von ihnen habe eine Festanstellung aufgenommen, sich selbstständig gemacht, eine Ausbildung begonnen oder einen Schulabschluss nachgeholt, eine adäquate Fort- und Weiterbildung aufgenommen oder einen Praktikumsplatz gefunden. Die Teilnehmerinnen können aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet kommen.

Gefördert wurde das Projekt bereits vom hessischen Ministerium für Soziales und Integration, dem Europäischen Sozialfonds, dem Jobcenter Frankfurt und der Frap-Agentur. Seit 2019 fördert die Skala-Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten das Projekt für weitere drei Jahre.

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