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Frankfurt: Frauen gezielt für Berufe und die Politik ansprechen

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Von: Timur Tinç

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Der Flyer zur Frauen-Guide-App der Stadt Frankfurt.
Der Flyer zur Frauen-Guide-App der Stadt Frankfurt. © Tinc

Stadträtin Rosemarie Heilig (Grüne) sensibilisiert in der Kommunalen Ausländerinnen- und Ausländervertretung (KAV) für weibliche Themen und bekommt neben Vorschlägen und Anregungen auch seltsames zu hören.

Das Erste, was Rosemarie Helig(Grüne) auffiel, als sie sich am Montagabend im Plenarsaal des Römers umschaute: „Die KAV ist sehr männlich dominiert.“ Lediglich sechs Frauen sind Teil der 37-Mitglieder großen Kommunalen Ausländerinnen- und Ausländervertretung. Die Frankfurter Frauendezernentin war im Gremium zu Gast, um die Arbeit ihres Dezernats und des Frauenreferats vorzustellen. „Frauenpolitik ist immer eine gesellschaftliche Verantwortung“, betonte Heilig eingangs.

Dass die Sensibilität dafür nicht überall vorhanden ist, musste sie nach dem Vortrag von Frauenreferatsleiterin Gabriele Wenner feststellen. Seyed Iranbomy entgegnete Heilig, „dass nicht wir, sondern das Volk bestimmt“, wer in der KAV sitzt. In seinem mehrminütigen Monolog warf er unter anderem die Frage auf: „Warum gibt es in ihrem System Kolonialismus?“ Der Blick der Stadträtin wechselte zwischen überrascht, irritiert und entgeistert hin und her. Die Wahlbeteiligung für die KAV im vergangenen Jahr lag bei 13,5 Prozent. Auf den allermeisten Listen gab es nur wenige Frauen als Kandidatinnen. Und selbst auf Listen, die paritätisch aufgestellt waren, wie etwa der SPD, wurden die Frauen von den oberen Plätzen nach unten kumuliert. „Ich respektiere jede Wahl“, betonte Heilig später in Abwesenheit von Iranbomy, der nach draußen gegangen war, um zu telefonieren. Auch in der Stadtverordnetenversammlung sei das Verhältnis von Männern und Frauen noch nicht gleich, ergänzte die Stadträtin. Dem KAV-Mitglied Bilal Can, der gefragt hatte, warum es denn kein Männerreferat gebe, sagte Heilig: „Gründen Sie es. Sie sind gestandene Jungs. Da brauchen sie unsere Hilfe nicht.“

Auch die Andeutungen einiger KAV-Mitglieder, dass zu wenig für Migrantinnen getan werde, wollte Heilig so nicht stehen lassen: „Im allergrößten Teil ist es Hilfe für Migrantinnen. Das ist eines unserer Hauptaugenmerke“, betonte die Stadträtin. Gabriele Wenner hatte zuvor erklärt, dass das Frauenreferat mit seinen 15 Mitarbeiter:innen nicht überall auftreten kann, aber ein großes Migrantinnennetzwerk habe. Wenn es konkrete Fragestellungen gäbe, wisse man, wer wie am besten helfen könne.

Die Kritik wiederum, dass zu wenige Migrantinnen und Migranten im Verwaltungsapparat der Stadt arbeiten, geschweige denn in Führungspositionen sitzen, widersprach Heilig nicht. „Wir suchen in den verschiedensten Ämtern und Sparten Auszubildende“. Es fehle nicht an der Bereitschaft zur Förderung, sondern an Ermutigungen. Und daran, dass Frauen gezielt angesprochen würden. Das gelte auch für die Aufstellung der Wahllisten.

Aus den Reihen der KAV-Mitglieder kamen Vorschläge wie: Frauen aus technischen Berufen oder aus der städtischen Verwaltung in die migrantischen Communities zu bringen, damit sie als Vorbilder wirken können. Haci Hacioglu fand es gut, dass ein Flugblatt mit Informationen für ukrainische Frauen erstellt wurde, damit sie bei der Ankunft am Hauptbahnhof nicht in die Hände falscher Männer geraten. „Es gab aber noch nie einen Flyer oder ein Flugblatt auf Kurdisch“, sagte Hacioglu. Er würde sich die Schnelligkeit, die es für Ukrainerinnen gibt, auch für andere Communities wünschen.

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