Auf dem Domplatz stehen katholische Frauenrechtlerinnen für Geschlechtergleicheit ein. 
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Auf dem Domplatz stehen katholische Frauenrechtlerinnen für Geschlechtergleicheit ein. 

Kirche

Frankfurt: Frauen demonstrieren bei Synodalem Weg für Reformen

  • Jakob Maurer
    vonJakob Maurer
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Rund 100 Frauen fordern vor der Katholikentagung in Frankfurt Gleichberechtigung der Geschlechter und eine Auflockerung der Sexualmoral.

Lila, Purpur, Rosa, Magenta – in vielen Nuancen erstrahlen rote Farben auf dem januargrauen Frankfurter Domplatz. Mehr als 100 Frauen und auch ein paar Männer haben sich am Donnerstagnachmittag versammelt. In bunter Kleidung und mit farbigen Schildern fordern sie zum Auftakt des Synodalen Wegs, der zweijährigen Katholikentagung, Gleichberechtigung der Geschlechter und Offenheit für sexuelle Vielfalt in der Kirche.

Auf Zehenspitzen streckt sich Brigitte Vielhaus an einem Fahnenmast hinauf. Mit einem Schirm hängt die große Frau ein Banner der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) so hoch wie möglich. Oben wehen Fahnen des Synodalen Wegs. Unten rückt Zentimeter für Zentimeter das purpurfarbene Banner in das Blickfeld. „Frauen, worauf wartet ihr?“ steht darauf.

„Man soll sehen, dass hier viele Frauen stehen, die ungeduldig und kirchenliebend sind und unbedingt Reformen wollen“, sagt Vielhaus, Geschäftsführerin der kfd, und fordert: „Wir wollen Anerkennung und Wertschätzung für die Vielfalt der Lebensformen und sexuellen Orientierungen.“ Sie ist eine von drei kfd-Vertreterinnen in der 230-köpfigen Synodalversammlung. Diese beginnt am Donnerstag das erste von vier Treffen in Frankfurt, die die katholische Kirche erneuern und aus der Krise führen sollen.

„Wir sind hoffnungsvoll, aber wenn sich jetzt nichts tut, dann sehen wir ganz schwarz. Es ist die letzte Chance, dass die Frauen beteiligt werden“, beteuert Mechthild Burk, die aus Bielefeld gekommen ist. Schon 1999 habe sie mit der kfd fordern wollen, dass Frauen das Priesteramt antreten dürften – doch die Bischofskonferenz habe ein Verbot ausgesprochen. Jetzt tragen sie ihre Forderungen direkt vor den Frankfurter Dom, wo die katholische Kirche vor einer historischen Wegscheide stehen könnte. Während die Frauen der kfd und der Gruppe Maria 2.0 ein Spalier bilden und die Domglocken mit tiefen Schlägen den Eröffnungsgottesdienst ankündigen, schreitet Johannes zu Eltz, Frankfurts Stadtdekan, auf den Platz. Für die Kundgebung empfinde er „große Sympathie“. Zudem ist er begeistert davon, dass die Versammlung in Frankfurt tagt. „Ich könnte mir keinen besseren Ort vorstellen als diese Stadt mit ihrem kritischen Bürgersinn“, sagt er. Als Teilnehmer habe er keine Angst davor, seinen Mund aufzumachen. Den singenden Frauen der kfd reckt er seinen Daumen entgegen und verschwindet im Pulk der Kirchen- und Laienvertreter im Kaiserdom.

Doch es gibt auch andere Stimmen: Gegenüber der bunten Frauengruppe beten rund 20 junge Männer einen Rosenkranz, einer hält eine Marienfigur. Markus Roth, Philosophiestudent aus Frankfurt, gehört zu ihnen und erklärt, man „bete für die Bewahrung des Glaubens“. Man wolle keine „Liberalisierung des Glaubens, sondern eine Vertiefung“.

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