Jürgen Vieth und Frau Rauscher, Heike Krüger, vor dem Bootshaus, das Vieth übernommen hat.
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Jürgen Vieth und Frau Rauscher, Heike Krüger, vor dem Bootshaus, das Vieth übernommen hat.

Gastronomie

Frankfurt: Frau Rauscher serviert jetzt auch auf dem Main

  • vonSabine Schramek
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Das Bootshaus am Eisernen Steg in Frankfurt hat neu eröffnet, 200 Gäste sollen einmal darauf Platz nehmen können. Doch noch müssen Besucher zehn Bembel Abstand halten.

Ganz leise hat das Bootshaus am Eisernen Steg in neuem Glanz wiedereröffnet. „Bootshaus Frau Rauscher auf dem Main“ heißt es jetzt und lockt mit Bembel-Design, großer Küche, einem Kräutergarten für die Frankfurter Grie Soß und mit Frau Rauscher live an Bord. „Uffbasse! Mindest’ 10 Bembel Abstand haldeee un blöd üwwer die Mask gugge“, begrüßt ein Aufkleber die Bootsgäste unter orangefarbenen Markisen humorvoll zur Corona-Zeit.

Mitte April hat der Gastronom Jürgen Vieth das Boot übernommen. Zwischen Holztischen sorgen Blumenkübel voller Oleander und Petunien für Abstand, auf dem Bootssteg und rund um die Reling leuchten zartgelbe Petunien sowie pinkfarbene Geranien. Es schaukelt leicht an Bord, während Schwäne und Gänse schnatternd vorbeidümpeln.

„Anfangs durften wir wegen der Corona-Auflagen hier nur 59 Gäste bewirten. Jetzt 100, weil die Fünf-Quadratmeter-Regel endlich gefallen ist“, sagt Vieth. Insgesamt acht Mitarbeiter in der Küche und auf Deck kümmern sich um die Wünsche der Gäste. „Wir wollen die Tradition von Frankfurt hier für jedermann wieder aufleben lassen. Urig, mit Charme und preislich fair“, sagt Vieth, während Frau Rauscher auf den Metallboden tritt und mit gelbem Kopftuch, gelber Schürze und geblümter Kittelschürze nach dem Rechten sieht. Die Frankfurter lachen, weil sie die Dame kennen. Es ist Heike Krüger, die seit 29 Jahren das Erdnüsschen in Alt-Sachsenhausen führt. „Ich bin halt eine der letzten drei deutschen Wirtinnen in Alt-Sax, gebürtige Duisburgerin und musste die Geschichte von Frau Rauscher aus der Klappergass’ auch erst mal lernen“, sagt sie lachend. „Ja, es gab sie wirklich im 19. Jahrhundert. Und bis heute weiß niemand, ob ihre Beul am Ei vom Rauscher oder ob’s vom Alte kimmt.“

Was sie weiß, trägt sie vor und auf. Ebenso wie würzigen Wurstsalat mit Weichkäse und knusprigen Bratkartoffeln, vegane Frankfurter Grüne Soße mit Avocado und Salzkartoffeln, Handkäs und Würstchen. Drei- bis viermal am Tag schlüpft sie ins Frau-Rauscher-Kostüm auf dem Boot.

Ihr „Erdnüsschen“ ist wegen Corona noch geschlossen – zu klein ist ihre Kneipe. Vieth, der sechs Lokale in Alt-Sachsenhausen betreibt, kann das Personal gut steuern. „Vor allem während Corona. Die Köche auf dem Boot kommen aus der Frau Rauscher, die historische Dame aus dem Erdnüsschen. So können alle arbeiten und je nach Bedarf wechseln.“

Vieth plant viel für den Sommer, erzählt er, während die Polizei am Mainufer Streife fährt, Jogger und Radfahrer am Boot vorbeirasen und Gänseeltern mit ihren Küken im Gänsemarsch unterwegs sind. Gäste beobachten Boote, Stand-up-Paddler und Fußgänger auf dem Eisernen Steg, die Herzschlösser oder die Skyline betrachten. „Sobald es wieder möglich ist, machen wir Lesungen und Apfelwein-Tastings. Es wird auch mal ein Musiker vorbeikommen, und wir planen Weinabende mit einer Weinlounge von ,Wein am Main‘. Als Schöfferhofer-Hotspot schenken wir Fassbier aus und wollen den Oktoberfestbieranstich hier machen“, sagt Vieth. „Keine Partys, aber gemütliche Zusammenkünfte.“

Noch sind es Zukunftsvisionen. Auch wenn die Corona-Regelungen langsam gelockert werden, bleibt vieles zunächst ein Traum. Dafür gab es viel Zeit zum Designen. Auf dem Steg an der Reling wachsen in weißen Blumenkübeln alle sieben Kräuter für die Grüne Soße. Graffiti erklärt Tradition: Auf Spinde sind Bembelmotive gesprüht, die Spiegel an den Waschbecken vor den Toiletten sind als blau-weiße Rettungsringe gestaltet. Wer in die Spiegel blickt, sieht beide Mainufer gleichzeitig. Irgendwann werden 200 Gäste bei Frau Rauscher auf dem Main Platz finden. Ur-Frankfurter, die ihre Tradition auf dem Wasser schmecken, und Touristen, die sie entdecken wollen. Bis dahin gibt es beides im kleinen Rahmen. Erholung und Genuss, (fast) wie im Urlaub.

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