Mit gelben Fahnen mahnen die Flughafenausbaugegner Ruhe an.
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Mit gelben Fahnen mahnen die Flughafenausbaugegner Ruhe an.

Flughafen

Frankfurt: Fraport setzt auf Lufthansa

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Der Vorstand von Fraport kündigt Kooperationsprojekt mit der Airline an. Die Naturschützer fordern Verzicht auf Inlandflüge.

Mit einer Mahnwache auf dem Paulsplatz hat das Bündnis der Bürgerinitiativen (BBI) am Dienstag die virtuelle Fraport-Hauptversammlung begleitet. „Nutzen wir die Chancen, die uns der Shutdown eröffnet hat und schaffen wir einen Flughafen, der den Interessen der Region gerecht wird“, forderte BBI-Sprecher Thomas Scheffler. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mahnte erneut ein achtstündiges Nachtflugverbot an. Landesvorstand Stephan Baumann appellierte an die Aktionäre, sich für die Verlagerung aller Kurzstreckenflüge auf die Bahn einzusetzen.

Die Aktionäre gehen 2020 leer aus; sie stimmten zu, die Dividende für das abgelaufene Jahr nicht auszuschütten. Mit 79,57 Prozent wählten sie Hessen Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) in den Aufsichtsrat. Er soll den Vorsitz übernehmen, den Karlheinz Weimar nach mehr als 16 Jahren niederlegte.

Vorstandschef Stefan Schulte rechtfertigte in seiner Rede das Festhalten an den Arbeiten an Terminal 3. Ein Baustopp würde enorme zusätzliche Kosten verursachen und erhebliche technische und bauliche Risiken nach sich ziehen. Von dem vier Milliarden Euro umfassenden Budget sei bereits rund eine Milliarde abgeflossen. Schulte bezifferte die unvermeidbaren Gesamtkosten bei einem sofortigen Baustopp auf 2,5 Milliarden Euro für Gebäude und Einrichtungen, die anderweitig nicht nutzbar seien. Laut Plan soll der erste Abschnitt im Herbst 2021 fertig sein. Der Rest des Empfangsgebäudes für 21 Millionen Passagiere wird demnach wegen coronabedingter Bauverzögerungen im Laufe des Jahres 2024 erwartet.

Im vorigen Jahr hatte der größte deutsche Flughafen erstmals mehr als 70 Millionen Passagiere gezählt. Noch 2023 könnten die Zahlen nach Schultes Einschätzung 15 bis 20 Prozent darunterliegen, nicht alle Fluggesellschaften würden die Krise überleben. Bei weniger Angebot und weniger Wettbewerb sei mit steigenden Ticketpreisen zu rechnen. Im Businessbereich werde die Nachfrage geringer sein, da viele Unternehmen die Reisen ihrer Beschäftigten aus Kostengründen zunächst restriktiver handhabten und einige zunächst weiter auf virtuelle Meetings setzten. Der persönliche Austausch in einer globalisierten Wirtschaft bleibe dennoch wichtig.

Bei der Nachfrage nach Privatreisen ist Schulte optimistischer. Hier spiele es eine wichtige Rolle, ob und wie stark die Arbeitslosigkeit steige und verfügbare Einkommen sänken.

Fraport will weiterhin eng mit der Hauptkundin Lufthansa zusammenarbeiten, die in Frankfurt ihr größtes Drehkreuz unterhält. Schulte sprach sich gegen mögliche Pläne der EU aus, der Lufthansa wegen der geplanten deutschen Staatshilfe Start- und Landerechte zu entziehen. Die Lufthansa müsse als Netzwerkanbieterin in Frankfurt ihren Marktanteil halten und ausbauen dürfen. Schulte kündigte für die nächsten Wochen die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens FRA-Alliance mit der Lufthansa an.

Auch einen erneuten Personalabbau kündigte der Vorstandschef an. Zunächst wolle man aber die Möglichkeiten der Kurzarbeit weiter nutzen, die bereits für 18 000 der rund 22.000 Fraport-Beschäftigten gilt. (mit dpa)

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