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In der Nacht zum Samstag wurde das Guerilla-Knitting-Projekt angebracht.

Wollenthusiasten

Frankfurter Skyline aus Wolle nachgehäkelt  

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Aus 100 Kilometer Faden und 35 Kilogramm Wolle wurde in der neuen Altstadt Frankfurt nachgehäkelt.

Frankfurt – Der Messeturm, der Henninger Turm und andere Hochhäuser wachsen an Säulen empor. Eine Straße zu ihren Füßen, auf der sich rundliche Autos, Taxis und Busse schlängeln. Verkehrsschilder weisen zur Ordnung, selbst kleine rot-weiße Poller und Zebrastreifen gibt es - sowie Hund und Bäume. Vom Himmel baumeln Wolken. Alles ist kuschelig weich. Die Säulen und Geländer zum Schirn-Café Badias in der neuen Altstadt sind mit Wolle umwickelt. Guerillastricken, Radical Knitting oder gestricktes Graffito seien einige der Begriffe, die man verwende, wenn unaufgefordert gestrickt oder gehäkelt und die Kunst dann aufgestellt werde, erklärt Organisator David Wasser. Die Idee, die Skyline aus Wolle nachzubauen, entstand vor einem Jahr bei einem sogenannten Yarncamp, eine Veranstaltung für Wollenthusiasten.

Frankfurt: Kuschelige Skyline 

Eine Gruppe fand sich unter dem Namen Wollkenkratzer zusammen. Ihr Plan: die Stadt spielerisch verschönern, aber ihren urbanen Charakter betonen. Dann suchte Wasser nach einer Location und wurde in der neuen Altstadt fündig. Statt große Tücher zu fabrizieren, könne man hier quasi in 3-D ein Kunstwerk entwerfen, dachte er sich. Und bringe so ein Stück des modernen Frankfurts in die neue Altstadt.

Ein Bus aus Wolle.

Fast ein Jahr haben rund 20 Leute aus ganz Deutschland an ihrem Projekt gearbeitet. Sicherlich 1000 Arbeitsstunden seien dabei zusammengekommen, schätzt Wasser. Gut 35 Kilogramm Wolle wurden verarbeitet und 100 Kilometer Fäden. Die Wolle wurde von einer Firma gespendet.

In der Nacht zum Sonntag hängten die Wollfans ihre Arbeit auf. In strömendem Regen. Wasser ist dennoch sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Und die Passanten auch. Er habe bislang jeden Tag bei ihrer Arbeit vorbeigeschaut. "Die Leute haben immer ein Lächeln auf dem Gesicht, wenn sie es sich angucken", berichtet der 59-Jährige. Ihnen gefalle, dass man es anfassen könne. Es sei sehr süß, aber nicht kitschig, habe einer gesagt. Oder es sei "wie Graffiti, nur in Schön". Auch in den sozialen Medien sei das Feedback sehr positiv.

Frankfurt: Skyline aus Wolle nachgestrickt 

Wasser selbst lernte für das Projekt extra häkeln. Damit alles rechtzeitig fertig wurde, arbeitete er auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn oder nach Feierabend. Er liebe es, in seiner Freizeit etwas mit den Händen zu tun, nicht nur stricken, auch schweißen, sein Haus sanieren oder mit Holz arbeiten. "Als Softwareentwickler arbeite ich den ganzen Tag mit dem Kopf", sagt der Amerikaner, der seit 30 Jahren in Frankfurt wohnt.

Ein Auto aus Wolle wird fotografiert.

Weitere Guerilla-Aktionen sollen folgen. Wann genau die nächste anstehe, kann Wasser noch nicht sagen. Erstmal brauche er ein wenig Pause. "Das war schon ganz schön hektisch." Wie lange man die Kunst aus Wolle noch bewundern kann, ist ebenfalls unklar. Denn das hängt davon ab, ob jemand sie entfernt.

Wer auch Lust auf Guerillastricken oder -sticken hat, kann sich unter Wollkenkratzer.de informieren.

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