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FR-Chefredakteurin Bascha Mika begrüßte die FR-Leser und war selbst vom Film später sehr beeindruckt.

FR Preview

FR-Leser können „Green Book“ in Frankfurt vorab sehen

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Bei der FR-Preview sehen sich knapp 200 FR-Leser den oscarnominierten Film noch vor dem Deutschlandstart an.

Beeindruckend, „ging ans Herz“, „toll ausgesucht“. Die Meinung der FR-Gewinner ist da sehr eindeutig. Sigrid Hierschbiel ist sogar so „angerührt vom Film“, dass sie erstmal raus muss, „eine Zigarette rauchen, bevor ich was sagen kann.“ Beim Abspann gibt es großen Applaus. Wären die Hollywood-Protagonisten persönlich da, wären sie wohl selbst sehr gerührt.

Es ist die dritte FR-Preview im Cinema am Roßmarkt an diesem Montagabend. 210 FR-Leser dürfen sich noch vor dem offiziellen Deutschlandstart am Donnerstag den Golden-Globes-Gewinner-Film „Green Book - Eine besondere Freundschaft“ ansehen. Gleich fünf Oscar-Nomierungen hat das Roadmovie, das sich um Rassismus in den Südstaaten Anfang der 1960er dreht. Eine gelungene Mischung aus Drama und Situationskomik. FR-Chefredakteurin Bascha Mika sagt am Abend: „Der Film schafft es, neben all den politischen Seiten, auch die menschlichen, vergnüglichen Seiten zu zeigen.“

Einer der Drehbuchautoren ist Nick Vallelonga. Er erzählt die wahre Geschichte aus Sicht seines Vaters Tony „Lip“ Vallelonga. Es ist das Jahr 1962, erst ein Jahr später wird Martin Luther King zum Marsch nach Washington aufrufen. Der Italo-Amerikaner Lip (Viggo Mortensen) ist ein Mann aus der Arbeiterklasse, der seinen Job als Türsteher in einem New Yorker Nachtclub nach einer Prügelei verliert. Der Familienvater erhält das Angebot, den talentierten schwarzen Pianisten Dr. Don Shirley (Mahershala Ali) auf seiner Konzert-Tournee durch die Südstaaten zu fahren. 

Umkehrung der Klischee-Rollen

„Super finde ich die Umkehrung der Klischee-Rollen: Ein schwarzer gebildeter, reicher Mann trifft auf einen einfach gestrickten weißen Mann. Und dieser wird sein Fahrer“, sagt FR-Leserin Christine Schedler. Zu Beginn der Reise bekommt Lip den „Reiseführer“ Negro Motorist Green Book in die Hand gedrückt. Darin stehen die Läden, Restaurants und Hotels, in denen schwarze Kunden in den Südstaaten überhaupt willkommen sind. Es ist ein Heftchen, das es bis 1966 gab. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen, aber vor allem erniedrigenden Situationen im Süden.

So wird Shirley einerseits als Entertainer gefeiert, darf aber nicht die Toilette im Haus benutzen. Er soll raus in den Garten aufs Plumpsklo. In einer anderen Szene muss er ins Gefängnis, weil sie nachts auf einer Straße fahren, auf der Schwarze nur tagsüber unterwegs sein dürfen. „Erschreckend mit welcher Selbstverständlichkeit die Südstaatler diesen Rassismus vertreten haben“, sagt FR-Leserin Barbara Leber. Sie betont, dass dieser Rassismus nicht vergleichbar sei, aber doch auch hierzulande „rassisitsche Äußerungen in den letzten Jahren gesellschaftsfähig geworden sind“. Besonders traurig sei die Szene, als Shirley offenbart wie einsam er ist: „Für die Schwarzen bin ich nicht schwarz genug, für die Weißen nicht weiß genug.“ Toll sei zu sehen wie die Männer aus zwei sehr unterschiedlichen Welten schrittweise sich anfreunden. Lip seinen eigenen Rassismus überdenkt und ablegt.

Sigrid Hierschbiel, die nach der Zigarette wieder ihre Worte gefunden, sagt: „Egal wie sehr Shirley gedemütigt wird. Er verliert niemals sein Würde.“

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