+
Maschinen im bodennahen Bereich gelten als große Verursacher von Ultrafeinstaub.

Ultrafeinstaub

Flughafen Frankfurt: Airport größte Quelle für Ultrafeinstaub 

  • schließen

Das Land will jetzt eine Wirkungsstudie initiieren. Experten haben bei Messungen festgestellt, dass der Airport die größte Quelle des Schadstoffs ist.

Die Partikel sind winzig klein, dringen ein in die Lunge des Menschen. Keiner weiß, was sie dort anrichten. Ultrafeinstaub ist kaum erforscht. Aktuelle Messungen zeigen: Nahe des Frankfurter Flughafens kommt der Luftschadstoff besonders häufig vor, für den keine Grenzwerte existieren. Gleichwohl wollen die Grünen hessischen Minister für Umwelt, Priska Hinz, und Verkehr, Tarek Al-Wazir, den aktuellen Zustand nicht länger hinnehmen: „Auch wenn wir über die genaue Wirkung von Ultrafeinstaub noch nicht genug wissen, sollten trotzdem alle vernünftigen Maßnahmen ergriffen werden, um solche Emissionen zu vermeiden“, forderten die beiden bei der Vorstellung der Messergebnisse des Hessischen Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie (HLNUG) am Dienstag in Wiesbaden.

Als Verursacher von Ultrafeinstaub haben die HLUG-Spezialisten vor allem die Flugzeuge am Boden ausgemacht sowie jene im Landeanflug unter 400 Meter. Am stärksten betroffen sind demnach die Bewohner von Frankfurt-Sachsenhausen sowie dem nördlichen Kreis Groß-Gerau. Weitere Messungen sollen auch die startenden Jets in den Fokus nehmen.

Am Donnerstag beginnt in Frankfurt eine zweitägige Anhörung, bei der Experten wissenschaftliche Erkenntnisse zu den sehr winzigen Partikeln und Einflüssen des Flugverkehrs auf deren Konzentration zusammentragen. Dies soll den Auftakt bilden zu einer Wirkungsstudie nach dem Vorbild der vor vier Jahren veröffentlichten Lärmwirkungsstudie Norah.

Ultrafeinstaub kaum erforscht

Für Al-Wazir gibt es eine Schraube, an der schon jetzt gedreht werden könnte, um die Belastung zu verringern. Die von den Flugzeugtriebwerken ausgestoßenen Partikel entstünden beim Verbrennen von Kerosin. Je höher der Schwefelgehalt, desto mehr Ultrafeinstaub. „Bislang gelten bei Kerosin Grenzwerte für den Schwefelgehalt, die um ein Vielfaches über den Grenzwerten für Autos, Bahnen und Schiffen liegen.“ Das müsse sich EU-weit ändern. Langfristig fordert Al-Wazir eine „Kraftstoffwende im Luftverkehr“. Der Umweltminister erinnerte daran, dass Hessen ein Kompentenzzentrum aufbaut, das die Herstellung synthetischer, mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellter Kraftstoffe erforschen soll.

Der hessische CDU-Fraktionsvorsitzende, Michael Boddenberg, begrüßte die von der schwarz-grünen Koalition verabredete Wirkungsstudie. Anders als die Belastung und Wirkung von Feinstaub sei Ultrafeinstaub kaum erforscht. „Die jetzt vorliegenden Messergebnisse sind sehr ernstzunehmen“, sagte der CDU-Politiker. Sie verfestigten die Annahme, „dass das Flughafengelände und insbesondere der Bodenbetrieb eine wesentliche Quelle für Ultrafeinstaub darstellen könnten“.Die Linksfraktion warf den Grünen-Ministern vor, sie würden auf Zeit spielen. Noch vor einem Jahr hätten Hinz und Al-Wazir versucht, die Problematik kleinzureden, so der umweltpolitische Sprecher, Torsten Felstehausen. Jetzt setzten sie auf die Absenkung des Schwefelgrenzwertes für Kerosin, obwohl sie wüssten, dass dieser in der Praxis schon lange weit unterschritten werde. Dass der Flugverkehr eine große Quelle für Ultrafeinstäube sei, sei bereits 2014 in der Umgebung von Amsterdam- Schiphol und dem Flughafen Köln-Düsseldorf Ende vergangenen Jahres bestätigt worden. „Die vernünftigste Maßnahme ist nicht Entschwefeln, sondern die Verlagerung von innerdeutschen Kurzstreckenflügen auf den Zugverkehr.“

Der Frankfurter Ausbaugegner-Verein Stop-Fluglärm.de warf den Ministern vor, sich mit fremden Federn zu schmücken. Die Bürgerinitiativen hätten die Ultrafeinstaubmessungen initiiert, stellte Sprecher Klaus Rehnig klar. Er begrüßte die Untersuchungen an mehreren Messpunkten um den Flughafen und die geplante Wirkungsstudie. Unverständlich bleibe jedoch, warum damit das „flughafennahe“ FFR im Umwelthaus beauftragt werde, statt unabhängige wissenschaftliche Institute.

Messstationen

Partikel im Größenbereich unter 100 Nanometern werden als ultrafein bezeichnet. Quellen sind etwa Flugzeuge, Straßenverkehr, Kraft- und Fernheizwerke, Abfallverbrennungsanlagen oder auch die Landwirtschaft.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz Umwelt und Geologie (HLNUG) misst seit 2015 in Raunheim, Frankfurt-Schwanheim, Sachsenhausen und nahe dem Airport neben der Autobahn A3. Hinzu kamen in diesem Jahr drei weitere Stationen in Frankfurt: Oberrad, Niedwald und Flughafen-Ost.

Lesen Sie auch

Multifunktionshalle am Kaiserlei - die neuesten Entwicklungen
- Immer wieder Zwischenfälle mit Drohnen: Flughafen Frankfurt hat keinen Schutz
- Flughafen Frankfurt: Flugverspätungen machen den Gerichten zu schaffen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare