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Immer wieder montags… kommt die Erinnerung. Nun gut, zurzeit nicht, aber das wird schon wieder. Foto: Christoph Boeckheler
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Immer wieder montags… kommt die Erinnerung. Nun gut, zurzeit nicht, aber das wird schon wieder.

Flughafen Frankfurt

Bürgerinitiativen gegen Flughafenausbau fordern: „Terminal 3 muss umgenutzt werden“

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Ina Hauck ist Sprecherinnen des Bündnisses der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau in Frankfurt. Sie spricht über den Zustand der Protestbewegung.

Um ihr Anliegen publik zu machen, suchen die Flughafenausbaugegner:innen:innen die Öffentlichkeit. Weil das derzeit nicht geht, treffen sie sich virtuell in kleineren Zirkeln und hoffen darauf, dass die Montagsdemos wieder losgehen können.

Frau Hauck, das Passagieraufkommen in Frankfurt liegt um mehr als 70 Prozent unter dem des Vorjahrs. Die Landebahn ist zum Parkplatz umfunktioniert. Braucht es die Flughafenausbaugegner:innen noch?

Durch die Stilllegung der Landebahn ist es in Teilen Frankfurts und der Region schon sehr viel ruhiger. Nichtsdestotrotz geht der Bau an Terminal 3 weiter. Die Luftverkehrswirtschaft geht davon aus, dass in einigen Jahren wieder alles wie früher wird. Aber so darf es nicht werden, die Flugbewegungszahlen müssen begrenzt werden. Flugverkehr ist schädlich für Gesundheit und Umwelt. Das ganze System muss überdacht werden.

Flughafen Frankfurt: Bürgerinitiativen fordern bessere Organisierung des Flughafenverkehrs

Wie könnte so ein Neustart nach Corona aussehen? Was sagen Sie, die sich sowohl auf Stadt-teilebene als auch Bundesebene im Kampf gegen Fluglärm engagiert?

Ich bin auf unterschiedlichen Ebenen unterwegs, weil auf unterschiedlichen Ebenen agiert werden muss. Zum einen haben wir die Region Frankfurt und Rhein-Main, in die sich Fraport wie eine Krake reinfrisst. Die Landebahn war immer überflüssig. Die prognostizierten Flugbewegungen wurden nie erreicht. Die Flugbewegungen wurden schöngerechnet. Der Schaden für die Anwohner kleingerechnet. Da müssen wir lokal agieren, damit Fraport weniger Lärm und Schadstoff produziert und sich wie die gute Nachbarin benimmt, als die sie sich gerne darstellt.

Ina Hauck ist eine der drei Sprecherinnen des Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau (BBI).

Nehmen wir an, die Pandemie ist in einem Jahr tatsächlich so gut wie bekämpft. Wie stellen Sie sich einen Neustart am Flughafen vor?

Unsere Forderungen sind aktueller denn je. Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um ins Gespräch zu kommen, wie man den Flugverkehr besser organisieren kann. Das fängt an mit dem Nachtflugverbot, den Nachtrandstunden. Wir wissen wirklich nicht, warum im Moment vor 6 Uhr geflogen werden muss.

Frankfurter Flughafen: Umnutzung als Alternative in Sachen Terminal 3?

Gab es in der Richtung schon Gespräche?

Wir wollen das mit der hessischen Fluglärmschutzbeauftragten Regine Barth angehen. Konkrete Gespräche gab es noch nicht. Parallel setze ich mich als Mitglied der Bundesvereinigung gegen Fluglärm für Änderungen auf der Gesetzesebene ein. Der Flugverkehr gehört zu den am höchsten subventionierten Bereichen. Die Luftverkehrswirtschaft von den Fluggesellschaften bis hin zu den Flughafenbetreibern werden direkt oder indirekt subventioniert. So gibt es zum Beispiel keine Kerosinsteuer. Die tatsächlichen Kosten müssen ersichtlich sein und von den Verursachern getragen werden.

Terminal 3 wird weiter gebaut. Bei einem Baustopp, argumentiert Fraport, würde sehr viel Geld in den Sand gesetzt. Was wäre eine Alternative?

Aus unserer Sicht muss eine Umnutzung des Terminals durchdacht werden. Auch in Hinblick auf die Arbeitsplätze.

Zur Person

Ina Hauck ist eine der drei Sprecherinnen des Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau (BBI). Der 1998 gegründete Zusammenschluss wuchs nach der Eröffnung der Landebahn vor neun Jahren auf rund 90 Initiativen an. Auch Hauck kam durch dieses Ereignis auf das Thema. Die Wahl-Frankfurterin engagiert sich auch in der Bürgerinitiative Sachsenhausen und der Bundesvereinigung gegen Fluglärm. Bei der Kommunalwahl am 14. März kandidiert sie auf der Liste der SPD, deren Mitglied sie ist. Hauck strebt die Nachfolge von Ursula Fechter an, die sich als ehrenamtliche Stadträtin und Fluglärmschutzbeauftragte auf eigenen Wunsch zurückzieht. jur

Frankfurter Flughafen: Multifunktionshalle im Terminal 3 – Bürgerinitiativen haben alternative Konzepte

An was für eine Umnutzung haben Sie gedacht?

Man kann zum Beispiel die neue Multifunktionshalle dort ansiedeln. Arbeitsplätze, die flugunabhängig sind. Wir vom Bündnis der Bürgerinitiativen planen ein Gespräch mit einer Gewerkschaft aus England, die viele Mitarbeiter des Flughafens Gatwick umgeschult hat auf grüne Berufe. Da ist ja auch Wissen bei den Fraport-Mitarbeitern vorhanden. Man muss an neuen Konzepten arbeiten. Aber dafür muss man erstmal aufgeschlossen sein.

Die vorerst letzte Aktion des Bündnisses war im Oktober in Frankfurt die Mahnwache zum neunten Jahrestag der Eröffnung der Landebahn Nordwest. Wegen des Pandemieschutzes haben sie schon Ende Februar die Montagsdemos am Flughafen ausgesetzt. Wie organisiert sich das Bündnis der Bürgerinitiativen zurzeit?

Persönlich haben wir uns schon lange nicht mehr gesehen. Wir haben montags immer ein Onlinetreffen, aber damit erreichen wir leider wesentlich weniger Leute. Zu den Montagsdemos kamen jedes Mal rund 150, mit denen man kommuniziert oder Informationen ausgetauscht hat. Unsere Reichweite ist momentan eingeschränkter. Es gibt Newsletter, die Bürgerinitiativen selbst machen ihre Versammlungen auch online. Aber das Interesse ist nach wie vor groß. Wir planen Aktionen, sobald sich die Lage verbessert hat.

Gehören dazu auch die Montagsdemos. Oder haben die sich nach so langer Zeit totgelaufen?

Nein. Sie sind für viele Mitstreitern ein wichtiger Fixpunkt und sobald es geht, werden wir sie wieder aufleben lassen. Als es im Sommer so viel besser wurde haben wir schon die Auftaktveranstaltung geplant. Die Leute haben jetzt wieder erfahren, wie viel angenehmer es sich ohne Lärm lebt. Und der Klimawandel spielt gesamtgesellschaftlich eine immer größere Rolle.

Die wievielte Montagsdemo wäre es dann?

Es wird dann die 311. Montagsdemonstration. Die bis dahin letzte Montagdemonstration am Frankfurter Flughafen fand am Rosenmontag statt und war die 310.

Interview: Jutta Rippegather

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