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Wochenlang war kaum was los am Flughafen und auch jetzt nimmt der Flugverkehr nur sehr langsam wieder zu.

Einbruch bei Passagierzahlen

Flughafen Frankfurt: Fraport baut Tausende Stellen ab

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Verdi geht davon aus, dass sich der Abbau nicht ohne Kündigungen realisieren lässt. Obwohl die Menschen wieder reisen, beträgt der Einbruch bei den Passagierzahlen aktuell 79 Prozent.

  • Das Coronavirus hat den Flughafen Frankfurt stark getroffen.
  • Nun will Fraport tausende Stellen abbauen.
  • Auch die Tochterfirmen sind betroffen.

Fraport will bis zu 4000 der insgesamt rund 22 000 Stellen in Frankfurt abbauen. Das hat Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Flughafenbetreiberin, am Dienstag angekündigt. Die Corona-Pandemie hat die Flugverkehrswirtschaft ins Mark getroffen. Die Zahl von 70 Millionen Passagieren im Jahr 2019 wird nach Fraport-Prognosen wohl erst in zwei bis drei Jahren erreicht sein. Damit sinkt der Personalbedarf: „Neben der natürlichen Fluktuation und dem weitgehenden Verzicht auf Neueinstellungen sollen verschiedene sozialverträgliche Maßnahmen eingesetzt werden“, versicherte der Fraport-Manager.

Die Unternehmensführung sei dazu in Gesprächen mit den Vertretern der Arbeitnehmer. Betriebsbedingte Kündigungen schließt Schulte ausdrücklich nicht aus. Ob sie erforderlich würden, hänge maßgeblich vom Umsetzen der „sozialverträglichen Maßnahmen“ ab.

Flughafen Frankfurt: Fraport baut tausende Stellen ab - Auch Tochterfirmen betroffen

Der Abbau betrifft sowohl Fraport selbst als auch ihre Tochterfirmen. Und das mache einen großen Unterschied, sagt Verdi-Vertreter Uwe Schramm. Bei der Mutter sei das Durchschnittsalter relativ hoch. Dort könne das Soll mittels Altersteilzeit oder Vorruhestand vermutlich erfüllt werden. Anders die Situation bei Tochterfirmen wie „FraGround“ oder „FraSec“. Deren Belegschaft sei jung, viele Migranten darunter, viele ohne Ausbildung. Dort werde es wohl Kündigungen geben, schätzt Schramm. „Man kann einen 30-Jährigen ja nicht in den Vorruhestand schicken.“

Nach Angaben des Verdi-Vertreters haben die Gespräche mit der Unternehmensführung noch nicht begonnen. Die Abteilungsleitungen seien angewiesen, bis Monatsende nach „Synergieeffekten“ zu forschen. Für die meisten Beschäftigten im Unternehmen gelte bis Februar Kurzarbeit, dabei stocke Fraport das Geld vom Staat auf. Selbst wenn die Bundesregierung für systemrelevante Branchen eine Verlängerung der Kurzarbeiterregelung beschließe, sei mit Kündigungen zu rechnen.

Halbjahresbilanz

In den Monaten April bis Juni verringerte sich das Passagieraufkommen am Flughafen Frankfurt gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 94,4 Prozent. Im ersten Halbjahr lag der Rückgang bei 63,8 Prozent. Der Konzernumsatz brach im ersten Halbjahr um 48,9 Prozent auf 910,6 Millionen Euro ein. Das Konzern-Ergebnis lag bei minus 231,4 Millionen Euro (erstes Halbjahr 2019: 164,9 Millionen Euro).

Denn die Verkehrszahlen sind nach wie vor mehr als überschaubar. „Aktuell liegen wir an unserem Heimatstandort auf Wochenbasis immer noch rund 79 Prozent unter dem Vorjahreswert“, so Schulte am Dienstag. Angesichts der bestehenden Einschränkungen und wieder steigender Infektionsraten bleibe die Unsicherheit in der gesamten Branche weiter hoch. Es gehe zwar wieder bergauf: „Mit Beginn der Lockerung der Reiserestriktionen ab Mitte Juni haben wir den Tiefpunkt überschritten.“ Allerdings erholten sich die Passagierzahlen nur langsam.

Als Reaktion habe Fraport schon früh Sachkosten reduziert, Infrastruktur (etwa Terminal 2) außer Betrieb genommen, im zweiten Quartal mehr als 16 000 Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt. Durchschnittlich sei die Arbeitszeit in diesem Zeitraum über die gesamte Belegschaft um rund 60 Prozent reduziert worden. „Aber dies wird mittelfristig nicht ausreichen“, so der Manager. Selbst in den Jahren 2022/2023 werde das Passagiervolumen noch bis zu 20 Prozent unter dem bisherigen Höchstwert von 2019 liegt. „Deshalb müssen wir unser Unternehmen verschlanken und noch effizienter aufstellen.“

Corona-Pandemie hat Flughafen Frankfurt hart getroffen: Konzern hält trotzdem an Bau von Terminal 3 fest

Fraport geht davon aus, dass in den Jahren 2022/2023 eine „neue Normalität“ erreicht sein wird. Von diesem Zeitpunkt an, so erwarten es Schulte und seine Kollegen im Management, werde es wieder ein langfristiges, moderates Wachstum geben. „Wir sind überzeugt, dass die Menschen weiterhin die Welt entdecken möchten und der Luftverkehr ein Wachstumsmarkt bleibt.“ Deshalb halte der Konzern an dem Bau von Terminal 3 fest.

Die hessische Fraktionschefin der Linken, Janine Wissler, forderte die Stadt Frankfurt und das Land als Anteilseigner auf, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. Als öffentlicher Arbeitgeber habe Fraport eine Vorbildfunktion, sagte der Vorsitzende des SPD-Bezirks Hessen-Süd, Kaweh Mansoori. „Massenentlassungen trotz der Inanspruchnahme staatlicher Mittel für Kurzarbeit sind hier schlichtweg inakzeptabel.“

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