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Zum 31. März zieht Ryanair seine Flugzeuge vom Frankfurter Flughafen ab.
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Zum 31. März zieht Ryanair seine Flugzeuge vom Frankfurter Flughafen ab.

Luftverkehr

Frankfurter Flughafen: Ryanair macht Abflug – was wird jetzt aus Terminal Drei?

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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Der Billig-Airline Ryanair wird es am Frankfurter Flughafen zu teuer. Bei Bürgerinitiativen und der Opposition im Landtag führt das zu Genugtuung.

Frankfurt – Mit Unverständnis hat Flughafenbetreiberin Fraport auf die Ankündigung der Fluglinie Ryanair reagiert, ihre Basis in Frankfurt aufzugeben. Unterdessen herrscht bei den Bürgerinitiativen gegen Fluglärm Freude über die Entwicklung.

In einer an Deutlichkeit schwer zu übertreffenden Mitteilung nannte Ryanair am Freitagmorgen die Gründe für den Abzug der fünf Flugzeuge zum 31. März. Dass die Fraport die Start- und Landegebühren zum Jahreswechsel um 4,3 Prozent erhöht habe, mache den Airport „im Vergleich zu europäischen Flughäfen nicht mehr wettbewerbsfähig“. Das irische Unternehmen, das mit günstigen Tickets lockt, werde seine Flugzeuge an Flughäfen wie Nürnberg starten und landen lassen, „die mit niedrigeren Flughafengebühren reagiert haben, um die Erholung des Flugverkehrs zu fördern“.

Ryanair verabschiedet sich aus Frankfurt: Seitenhiebe des Chefs auf Politik und Lufthansa

Einen Seitenhieb verpasste Ryanair-Direktor Jason McGuinness der Politik: „Während Ry-anair weiterhin in deutsche Flughäfen investiert, die die Notwendigkeit verstehen, die Flughafengebühren zu senken, um das Verkehrsaufkommen wieder zu steigern, wurde der Wettbewerb auf dem deutschen Markt durch die staatlichen Beihilfen in Höhe von neun Milliarden Euro, die in die Lufthansa gepumpt wurden, die ihre Flotte, Verbindungen und Arbeitsplätze weiter abbaut, massiv verzerrt.“

Flughafen in der Krise

Die Corona-Pandemie hat zum größten Einbruch in der Geschichte des Frankfurter Flughafens geführt. Im Jahr 2020 gingen die Passagierzahlen im Vergleich zu 2019 um 73 Prozent zurück. Mittlerweile hat eine Erholung eingesetzt – allerdings auf recht niedrigem Niveau. Stärkster Monat seit Beginn der Pandemie war der Oktober 2021 mit 3,4 Millionen Fluggästen.

Bei Frachtflügen erzielt die Fraport hingegen in manchen Monaten bessere Werte als vor der Pandemie. geo

Was McGuiness nicht sagte: Dass Ryanair vor knapp fünf Jahren damit begann, den Frankfurter Flughafen anzufliegen, lag am sogenannten Incentive-Programm der Fraport. Dabei gab es Rabatte für Gesellschaften, die den „FRA“ vorher nicht bedient hatten. Die Bürgerinitiativen kritisieren seinerzeit, das Programm richte sich genau an Billigfluggesellschaften wie Ryanair. 2020 entschied Fraport, die Rabatte auslaufen zu lassen.

Ryanair: Abschied aus Frankfurt lässt Fraport ratlos zurück

Die Verantwortlichen der Fraport lassen die Aussagen der Ryanair-Chefs etwas ratlos zurück. Die Erhöhung der Entgelte für die Airlines glichen gerade einmal die Inflationsrate aus, sagte Unternehmenssprecher Dieter Hulick der FR. Im Vergleich mit anderen großen Drehkreuzen sei Frankfurt günstig. Im Übrigen würden die Start- und Landegebühren stets vom hessischen Wirtschaftsministerium genehmigt. So bleibt Hulick nur zu sagen: „Wir bedauern die Entscheidung von Ryanair natürlich.“ Auf den Bau des Terminals 3, an dem auch ein Flugsteig für Billigflieger (Flugsteig G) geplant ist, habe die Entwicklung keinen Einfluss, sagte Hulick. Fraport rechnet damit, das Terminal spätestens 2026 zu eröffnen. Eine ursprünglich geplante vorzeitige Inbetriebnahme von Flugsteig G ist wegen des Rückgangs des Flugverkehrs in der Corona-Krise hingegen vom Tisch.

Ryanair: Opposition im Landtag in Wiesbaden wirft Regierung Naivität vor

Die Sprecherin der Bürgerinitiative Sachsenhausen, Ursula Fechter, sagte der FR hingegen, die Entscheidung von Ryanair beweise erneut, dass der Bau von Terminal 3 unnötig sei. Sie begrüßte den Abzug der Ryanair-Jets, da sich dadurch die Zahl der Kurzstreckenflüge reduziere. Fraport habe wissen müssen, dass sich Ryanair verabschiede, sobald Start- und Landegebühren stiegen, sagte Fechter.

Auch in der Landespolitik war der Weggang der Fluggesellschaft am Freitag ein Thema. „Auf Nimmerwiedersehen, Ryanair“, schrieb die Fraktion der Linken in einer ersten Stellungnahme. „Zu glauben, dass der Dumpingflieger bleiben würde, wenn die Gebühren steigen, war von Anfang an naiv“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher Axel Gerntke. Die SPD sieht durch den Weggang die Landesregierung brüskiert. Schwarz-Grün habe Ryanair 2017 aktiv nach Frankfurt geholt. Der stellvertretende Fraktionschef der SPD, Marius Weiß, sprach von einer „persönlichen Niederlage“ für Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne).

Der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Kaweh Mansoori (SPD) sagte: „Fraports Dumping-Strategie ist kläglich gescheitert. Es war ein gewaltiger Fehler, Ryanair an den Flughafen zu holen.“ Ryanair sei „die Airline, die die Bürgerinnen und Bürger in meinem Wahlkreis am häufigsten am späten Abend und in der Nacht aus dem Schlaf gerissen hat“. Der Abschied sei damit „wahrlich ein Segen für die Einhaltung des Nachtflugverbots“. (Georg Leppert)

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