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Der ist noch unecht, der Storch in Nieder-Erlenbach. Richtige sollen bald folgen.
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Der ist noch unecht, der Storch in Nieder-Erlenbach. Richtige sollen bald folgen.

Stadtnatur

Frankfurt: Fluggäste erwünscht

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Störche haben eine weitere Wohngelegenheit im Frankfurter Norden. Wo früher Stromleitungen hingen, wächst jetzt die Spannung, ob sich eine Familie niederlässt.

Wohnung frei. Geräumiger Einfamilienhorst, Bestlage im Frankfurter Norden, Streuobstwiese und Bach in Stolziernähe. Besichtigungstermine ab sofort, Einzug sinnvollerweise im nächsten Frühjahr.

Dienstagnachmittag, Riedsteg in Nieder-Erlenbach: Ein Kran und ein Hubwagen bugsieren ihre Fracht nach oben. In 14 Meter Höhe montieren die Männer einen Edelstahlkorb auf einen alten Strommast. Einige Weidenstöcke sind schon hineingeflochten. Das hat Ingolf Grabow gemacht, der Mann vom Naturschutzbund (Nabu), der die Frankfurter Störche so gut kennt wie sonst kaum jemand ohne roten Schnabel.

Viele sind zum feierlichen Ereignis gekommen. Der Oberbürgermeister ist da, ein Specht liefert den Trommelwirbel, Singvögel gestalten das Rahmenprogramm, und eine sehr dicke Hummel inspiziert die Wiese zwischen den maskierten Festgästen. OB Peter Feldmann (SPD) erzählt die traurig-schöne Story von der letzten Storchfamilie, die 1968 Bonames und somit Frankfurt verließ, und von der ersten, die 2016 wieder landete: in Harheim. Seither ist das „Glückssymbol Storch“ (Feldmann) wieder Stammgast und brütet verlässlich Jahr für Jahr, immer auf demselben Nest, das 2015 die Mainova in Kooperation mit dem Nabu aufstellte.

So ähnlich lief es auch diesmal. In Nieder-Erlenbach hatte die letzte Mittelspannungsleitung ausgedient – die Energieversorgerin Mainova verlegte neue Kabel unter der Erde, die 17 Masten konnten weg, wie Vorstand Peter Arnold berichtet. Einer blieb jedoch stehen: In Absprache mit Ingolf Grabow gehört er nun den Störchen. Den Stahlkorb für obendrauf bauten angehende Konstruktionsmechaniker:innen der Mainova. Dafür gibt’s hochverdienten Applaus.

Mehr Beifall erhält an diesem Nachmittag nur der Mann vom Nabu, der sein Grußwort mit Dank an das Stromunternehmen beginnt – und mit dem launigen Hinweis: „Aber die Natur war zuerst da, dann kam die Mainova.“ Seit dem Jahr 2000 sind einige Storchennester der Kooperation entsprungen: zwei am alten Flugplatz (davon eins von Bäumen zugewachsen), eins im Fechenheimer Mainbogen, zwei in Harheim, nun dieses in Nieder-Erlenbach. Aber nur ein einziges hat bisher Nachwuchs gebracht, stolze 14 Tiere. Dort gibt es immer wieder Revierneid – alle anderen Nester stehen leer. Warum? „Der Storch hat seinen eigenen Kopf“, sagt Grabow, der im August 81 Jahre alt wird.

Er nutzt die Gelegenheit, um der Landwirtschaft zu sagen, dass sie der Natur mehr Lebensraum lassen soll, und dem OB, dass die Stadt sich Mühe geben soll, etwa für Gebäudebrüter wie Schwalben und Mauersegler. „Die Menschen müssen Respekt vor der Natur haben.“ Applaus.

Am besten wäre das Storchennest schon Anfang März fertig gewesen; da kehren die Vögel aus dem Süden heim. Aber 2022 ist auch wieder ein Storchenjahr. Vielleicht gefällt der Standort irgendwann einem der jungen Adebärchen, die bald drüben in Harheim aus den Eiern schlüpfen.

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