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Singles haben es unter Corona schwer
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Ein Kuss mit Maske unter Corona

Singlesein in der Corona-Pandemie

Online-Dating: Flirten in Zeiten der Corona-Pandemie

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Studien zeigen, dass Online-Dating boomt und zur Linderung von Einsamkeit in Zeiten von Corona genutzt wird.

Frankfurt – Ungezwungen neue Leute kennenlernen auf einer Hausparty bei Freunden, flirten in Clubs und Bars, erste Dates im Café oder Restaurant – all das ist in Zeiten der Pandemie angesichts geltender Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen undenkbar. Doch wie flirten Singles unter Corona-Bedingungen und welchen Einfluss hat das auf die Psyche?

Die einfache Antwort auf die erste Frage lautet: Dating findet vermehrt online statt, Online-Datingportale verzeichnen Rekordzahlen. Wera Aretz, Psychologieprofessorin an der Hochschule Fresenius, hat untersucht, wie sich das Online-Dating-Verhalten der Menschen verändert hat. Zwischen April und Juli vergangenen Jahres hat sie eine Studie durchgeführt, an der 972 Proband:innen teilgenommen haben.

Corona: Flirten findet vor allem online statt

Aretz unterscheidet dabei verschiedene Kategorien von Onlinedatern: Da gibt es zum Beispiel die sogenannten Social Dater, die kostenlose Apps wie Tinder oder Lovoo nutzen und im Durchschnitt recht jung sind. Und es gibt diejenigen, die im Durchschnitt älter sind und die Onlinepartnervermittlungen wie Elite-Partner oder Parship nutzen, die kostenpflichtig sind und für die Persönlichkeitstest ausgefüllt werden müssen. Ihre Studie habe ergeben, dass klassische Social Dater besonders unter dem Lockdown litten, sagt Aretz. Die Einschränkungen seien für diese Gruppe besonders hoch, Gefühle der Einsamkeit fielen in der jüngeren Zielgruppe höher aus als bei den Älteren.

Über alle Altersklassen hinweg hätten die Proband:innen angegeben, mehr Zeit mit Online-Dating zu verbringen. Sowohl Quantität als auch Qualität der Kontakte hätten deutlich zugenommen. Nutzer:innen kämen schneller in Kontakt, bekämen schneller Antworten und antworteten auch selbst schneller. Das beliebteste Gesprächsthema sind laut Aretz Interessen und Hobbys, doch schon auf Platz zwei folgen coronabedingte Blessuren wie Einsamkeit. Aretz folgert daraus, dass die Gespräche tiefsinniger und weniger oberflächlich seien als vor der Corona-Pandemie.

Einsamkeit soll unter der Corona-Pandemie gelindert werden

Der häufigste Grund für die Nutzung von Online-Dating sei Partnersuche, gefolgt von Kommunikation und Kontakt. „Das zeigt, dass Onlinedating auch zur Linderung von Einsamkeit genutzt wird“, sagt die Professorin. Dazu passen die Ergebnisse einer Umfrage des Online-Datingportals Gleichklang zur Änderung des Datingverhaltens während des zweiten Lockdowns. Demnach erlebten 70 Prozent das Onlinedating in der Corona-Zeit als eine psychische Unterstützung. 31 Prozent gaben an, dass sie mit Hilfe des Onlinedatings ihre durch Corona bedingte Einsamkeit hätten reduzieren können.

Auch wenn der Kontakt zum Teil virtualisiert wird, haben sich 60 Prozent der Probanden und Probandinnen in Aretz Studie trotz Corona-Einschränkungen persönlich getroffen – die meisten auf einen Spaziergang. 41 Prozent haben angegeben, sich an die Abstandsregeln zu halten, während 28 Prozent sagten, sie hätten die 1,50-Meter-Regel nicht beachtet. „Man kann virtuell eine Menge kompensieren“, sagt Wera Aretz, „aber wenn man auf Partnersuche ist, ist auch der physische Kontakt wichtig.“ Medienkontakt sei immer kanalreduziert; beispielsweise könne man Geruch, der für die Anziehung wichtig sei, nicht virtualisieren. „Aber gerade im Lockdown ist Onlinedating eine Ressource, um das psychische Wohlbefinden aufrechtzuerhalten.“

Singles und das Bedürfnis nach Sex in Zeiten von Corona

Ilka Quindeau, Professorin für Klinische Psychologie an der Frankfurt University of Applied Sciences (FUAS), untersucht in einer interdisziplinären Studie, wie sich Moralvorstellungen im Zuge der Pandemie verändern. Quindeau sagt, der Wunsch nach einer Beziehung nehme durch die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten zu – auch bei Menschen, die bisher gut allein zurechtgekommen seien. „Soziale Netze greifen nicht mehr, Singles werden auf sich selbst zurückgeworfen.“ Sie befürchtet, dass psychische Krankheiten zunehmen und verstärkt werden. „Normalerweise kann sehr viel über soziale Kontakte kompensiert werden.“ Doch durch die Kontakteinschränkungen gebe es wenig Korrektur durch andere. Angsterkrankungen und Depressionen nähmen zu.

Quindeau befasst sich auch mit dem Thema Sexualität. Das sei in der Diskussion über die Pandemie bisher ziemlich außen vor gelassen und marginalisiert worden, findet die Professorin. Sie spricht von einer Retraditionalisierung, die in Hinblick auf monogame Beziehungen zu erkennen sei. Ihre Befürchtung ist, dass nichtmonogamer Sex in der Pandemie als problematisch wahrgenommen werde. Der Tenor, den Quindeau meint in den Printmedien und insbesondere den Kommentarspalten sozialer Medien zu erkennen, ist folgender: Alle, die nicht in einer monogamen Beziehung leben, sollten während der Pandemie auf Sex verzichten. „Sex wird als ,nice to have‘ und nicht als Grundbedürfnis kommuniziert.“ (Helen Schindler)

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