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Die Flashmob-Teilnehmer zeigen, dass man statt Plastikzahnbürste auch eine aus Bambus nehmen kann.

Flashmob „Nachhaltig einkaufen“

Flashmob auf der Zeil will für „nachhaltiges Einkaufen“ sensibilisieren

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Bei einem Flashmob auf der Zeil zeigen Organisatoren und Teilnehmer, wie man Müll im Alltag vermeiden kann. 

Als die Flashmob-Gruppe auf der Zeil anfängt, mit ihren Bambuszahnbürsten kräftig Zähne zu putzen und übers Megafon, der Satz fällt „Und das ganze Plastik ist doch kacke. Müssen Zahnbürsten immer aus Plastik sein?“, reagieren die wenigsten Passanten mit ihren Plastiktüten in der Hand. Wenige Meter weiter, unweit des Esprit-Ladens, hat der Flashmob am Samstagmittag zudem Konkurrenz von zwei jungen Männern, die verkündigen, dass Jesus bald wieder da sein wird. Was die Zeil-Passanten dann doch kurz stehenbleiben und zuhören lässt, ist, als die Gruppe echte Geldscheine hochhält. Wahrscheinlich ist die Hoffnung groß, dass es hier Geld zu gewinnen gibt. Gibt es nicht. „Wie viel Wasser wird zur Herstellung eines Geldscheins benötigt? Und aus welchen Materialien ist Geld eigentlich?“, dröhnt die Stimme aus dem Megafon.

Der Flashmob ist Teil der Kampagne „Nachhaltig einkaufen?!- für kurze Wege und nachhaltigen Konsum“. Marlene Haas von der Initiative „Lust auf besser Leben“ sagt: „Wir haben Alltagsprodukte unter die Lupe genommen. Angefangen von der Zahnbürste über die Brille bis hin zum Grabstein. Aus welchem Rohstoff sind sie? Und welche Wege haben sie zurückgelegt?“ Mit 40 Händlern und Produzenten, die meisten aus dem Rhein-Main-Gebiet, hätten sie gesprochen. Jetzt wollen sie ihr Wissen eben bekannt machen und Leute anregen, sich bewusst zu machen, was sie so alles im Alltag verbrauchen.

Zeilpublikum ist eine gewollte Herausforderung

Zwischendrin kommt eine Passantin, regt sich über die Flyer auf. „Die Flyer sind aus recycelbaren Papier. Wir müssen auf unser Anliegen aufmerksam machen. Das geht leider noch nicht ganz ohne Print-Produkte“, sagt Daniela Mahr von der gemeinnützigen Organisation Reflecta, die ebenfalls die Kampagne unterstützt. Vor einer Woche waren sie auf der Bergerstraße. Da sei das Publikum ein anderes, eines, das schon eine Affinität zum Thema Nachhaltigkeit und Zero Waste hätte. Das Zeilpublikum sei eine gewollte Herausforderung, so die Komikerin Nadine Schandry.

Beim Alltag-Nachspielen ruft sie übers Megafon: „Aus Spaß versuche ich mal, meinen Cocktail nach Regionalität auszusuchen.“ Mahr sagt: „Wir wollen Impulse setzten: Dass man nicht Grabsteine wählt, die aus Indien und von Kinderhänden kommen, sondern Grabsteine aus regionalem Sandstein wählt.“

Studentin Gina Gadis (25) macht bei der kleinen Flashmob-Gruppe mit, weil sie selbst seit anderthalb Jahren ein so „plastikfreies Leben wie möglich führt“. „Es hat bei mir Klick gemacht, als ich zehn Monate in Südostasien war. Da lag überall Müll rum, Müll, der bei uns aus den Augen geschafft wird.“

Ebenfalls Teil des Flashmobs ist die Frankfurter SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen: „Ich habe immer meinen Klappbecher dabei. Auch am Wasserspender im Bundestag. Es ärgert mich sehr, dass gerade Politiker der Grünen und Linken da Einweg-Plastikbecher nehmen“, sagt sie.

Mehr Infos: ffm.lustaufbesserleben.de

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