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Fitnessstudiobetreiber Hardy Schneider hat laufende Fixkosten, aber keine Einnahmen. christoph boeckheler
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Fitnessstudiobetreiber Hardy Schneider aus Frankfurt hat laufende Fixkosten, aber keine Einnahmen.

Betreiber aus Frankfurt

Fitnessstudios ohne Perspektive: Staatliche Corona-Hilfe bleibt aus

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Fitnessstudios in der Krise: Pure-Training-Besitzer Hardy Schneider aus Frankfurt beklagt fehlende staatliche Hilfe und macht sich Sorgen über die Corona-Folgen.

Frankfurt – Hardy Schneider ist nicht gewillt sein Lebenswerk aufzugeben. „Ich habe die Selbstständigkeit gewählt, um Freiheit zu haben“, sagt der 45-Jährige. Vor 14 Jahren hat er das erste Pure-Training-Fitnessstudio auf der Zeil in Frankfurt eröffnet. Drei weitere in Bockenheim, Sachsenhausen und in Offenbach sind in den Jahren darauf gefolgt. Die Corona-Krise und die fehlende Unterstützung vom Staat belasten Schneider und sein Unternehmen jedoch enorm.

Betreiber von Fitnessstudio in Frankfurt: Keine Corona-Hilfen bekommen

Von den Novemberhilfen hat er noch keinen Cent gesehen. Aber selbst die 75 Prozent des Jahresumsatzes aus dem Vorjahr wären nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir haben sehr hohe Fixkosten“, sagt Schneider. Neben den Leasingraten für die Geräte sind das in erster Linie die Mieten. „Wir haben über die Monate, die wir geschlossen sein müssen, offene Mieten in Höhe von 520 000 Euro“, zählt der Geschäftsführer auf. „Wir können die Mieten aber nicht begleichen, weil wir vom Gesetz her verpflichtet sind, keine Einnahmen zu haben.“ Mittlerweile werden die ersten Vermieter ungeduldig und drohen mit fristloser Kündigung. Im ersten Lockdown hatte er noch die Beiträge eingezogen und die Mitglieder mit Gutscheinen vertröstet. Dadurch hat Schneider jedoch keine Überbrückungshilfen vom Staat bekommen. „Seit November ziehen wir keine Beiträge mehr ein.“

Schneider kann nicht verstehen, wieso Fitnessstudios geschlossen haben müssen. „Wir sind nicht Teil des Problems. Wir sind Teil der Lösung“, sagt er. Die Hygienekonzepte liegen fertig in der Schublade und wurden nach dem ersten Lockdown auch angewandt. In den Studios gibt es überall Desinfektionsmittel, mit denen die Geräte nach jeder Benutzung sauber gemacht werden müssen. Es gibt digitale Einlasskontrollen, um die Personenzahl zu beschränken und die Abstände von 1,50 Meter oder zwei Meter könnten sowieso eingehalten werden. „Gesundheit braucht Fitness“, betont Schneider.

Hohe Fixkosten sind während Corona Hauptproblem für Fitnessstudio-Betreiber in Frankfurt

Er habe kein Problem damit, dass die Politik einen härteren Weg wählt, allerdings „kann es nicht sein, dass wir das gesamte Risiko für den Lockdown tragen“. Dabei geht es ihm nicht um die Einnahmen, sondern die Fixkosten. Wenn die Studios irgendwann wieder geöffnet werden dürfen, rechnet Schneider mit einer mühsamen Aufbauarbeit.

„Wir starten nicht von 100 Prozent, sondern bei 30, 40 Prozent und müssen dann noch die offenen Mieten abbezahlen.“ Das werde eine riesige Herausforderung für die gesamte Fitnessbranche, sofern es keine Vereinbarung auf juristischer Ebene gebe. Entweder der Staat übernimmt die Mieten, es gibt eine Stundungsvereinbarung oder es wird ein Mietmangel akzeptiert. „Momentan gibt es den nicht.“

Fitnessstudio in Frankfurt hatte bis zu 15.000 Mitglieder

15 000 Mitglieder hatte Pure Training in der Spitze. Wie viele es aktuell sind, kann Schneider gar nicht sagen. Er überlegt mit seinen Mitarbeiter:innen gerade, welches Konzept nach Corona fruchten könnte. Das Homeoffice beeinflusst auch das Verhalten der Mitglieder. „Viele sind dann zu Hause in der Peripherie von Frankfurt und nicht mehr in der Stadt und suchen sich dann eben in ihrem Ort ein Fitnessstudio“, sagt Schneider. Gerade auf der Zeil sei das soziale Leben auch nach dem ersten Lockdown komplett eingebrochen, was die Gastronomie, Cafés und auch Fitnessstudios schwer getroffen habe.

Hardy Schneider hatte im Jahr 2020 eigentlich zwei weitere Eröffnungen geplant, doch diese Pläne nach dem ersten Lockdown verworfen. Den Fahrplan, wie man ein Fitnessstudio eröffnet, den hat er im Kopf. „Es ist wie bei einem Flugzeug. Das meiste Benzin verbraucht man beim Start.“ Allerdings weiß er nicht, ob er diesen Stress noch mal möchte. Und in Zukunft wird sich auch die Frage stellen: Wie sinnvoll ist ein Fitnessstudio noch in der Stadt, wenn zahlreiche Unternehmen auf Homeoffice umstellen?

Fitnessstudio in Frankfurt: „Leute haben es satt, zu Hause zu sein“

„Wir sind stationär. Wir wollen die Leute motivieren, zu uns zu kommen“, sagt Schneider. Zum Beispiel mit einer größeren Geräteauswahl, um verschiedene Arten von Belastungen zu haben. Denn die Übungen mit dem eigenen Körpergewicht seien endlich. Zwar haben auch die Trainer:innen von Pure Training Videos erstellt, um die Mitglieder daheim fit zu halten, aber es ersetzt nicht den Besuch im Studio. „Die Leute haben es einfach satt, zu Hause zu sein. Ständig eingepfercht zu werden, ist nicht zuträglich für einen offenen Geist“, sagt der 45-Jährige. Nicht nur die körperliche Belastung, sondern auch das soziale Miteinander mit „ähnlich gepolten Persönlichkeiten wird in unserer Clubatmosphäre vermisst“. Auch deswegen wird er weiter darum kämpfen, sein Lebenswerk aufrechtzuerhalten und es fortzuführen. (Timur Tinç)

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