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Frankfurt: Fitnesskurse trotz Omikron beliebt

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Von: Kathrin Rosendorff

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Vor der Pandemie waren volle Kurse manchmal nervig, aber eben nicht gefährlich.
Vor der Pandemie waren volle Kurse manchmal nervig, aber eben nicht gefährlich. © Christoph Boeckheler

In Frankfurt haben nur Geimpfte und Genesene beim Sport Einlass. Die 2G-Plus-Regel gilt aber nicht für Trainer:innen. Zudem werden in manchen Studios Abstände eingehalten, in anderen nicht.

Mit wenig Abstand tanzen 16 Frauen im nur 40 Quadratmeter großen Raum eines Frankfurter Fitnessstudios während eines Zumbakurses. Es gibt Diskussionen: Fenster auf oder zu? Eine reißt das Fenster auf, eine andere, die bauchfrei trainiert, knallt es wieder zu: „Corona, Corona, ich kann es nicht mehr hören. Es zieht und mir ist kalt“, sagt sie. Erst als der Spiegel beschlägt, wird dann doch für fünf Minuten gelüftet.

Die Stimmung ist angespannt inmitten der Omikron-Welle mit einer Inzidenz, die seit Tagen in Frankfurt über 1000 liegt. Und während Virolog:innen betonen, dass man sich am besten in Innenräumen mit FFP2-Maske vor der dominierenden Virusvariante schütze, und Tanzen in Clubs verboten ist, sind Kurse wie Zumba, weil es eben als Sport gilt, weiterhin ohne Maske erlaubt.

Es gilt dabei aber, seitdem Frankfurt ein Hotspot ist, die 2G-plus-Regel. Allerdings nur für die Mitglieder, nicht für die Trainer:innen. Ungeimpfte Trainer:innen können ohne Maske unterrichten, wenn sie einen tagesaktuellen negativen Schnelltest vorweisen. Obwohl sie ein höheres Risiko haben, sich selbst zu infizieren oder auch andere anzustecken. Denn der Zeitraum der Virusausscheidung ist bei geimpften Infizierten kürzer als bei ungeimpften Infizierten. Wieso dürfen also Geimpfte und Ungeimpfte auf so engem Raum ohne Maske miteinander trainieren?

Das Sozialministerium Hessen antwortet: „Beim Personal der Fitnessstudios und damit auch bei den Trainer:innen greifen die Vorschriften des Bundesinfektionsschutzgesetzes, demzufolge der Zutritt zur Arbeitsstätte nur noch Beschäftigten mit 3G-Status erlaubt ist, das heißt, sie „müssen gegen das Coronavirus geimpft, genesen oder negativ getestet sein. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die entsprechenden Nachweise vor Betreten der Arbeitsstätte zu kontrollieren.“

Kann aber ein Studio, ein Verein, sich dazu entschließen, ungeimpfte Trainer:innen nicht einzusetzen? Ralf Wächter, Sprecher des Landessportbunds Hessen, sagt: „Der Verein hat das Recht zu sagen: ‚Du bist nicht geimpft, das können wir gegenüber unseren Mitgliedern, für die die 2G-plus-Regel gilt, nicht erklären. Also setze ich dich nicht ein.’“ Das sei einfach bei ehrenamtlichen Übungsleiter:innen umzusetzen, bei hauptberuflichen oder nebenberuflichen Trainer:innen schon schwieriger. „Die einzige Option wäre dann, die Person freizustellen, aber da diejenige in einem Arbeitsverhältnis steht und so weiterhin das Recht auf Beschäftigung hat, müsste man als Arbeitgeber weiterzahlen.“ Sehr viele der Übungsleiter:innen der hessischen Vereine seien geimpft. Aber wie hoch die Quote genau sei, wisse er nicht. Bei der Turngemeinde (TG) Bornheim, nach der Eintracht der mitgliederstärkste Verein in Hessen, sind 90 Prozent der Übungsleiter:innen geimpft. Das sagt Geschäftsleiter Thomas Völker. „Ungeimpfte Übungsleiter müssen bei uns vor jeder Kursstunde einen aktuellen negativen Schnelltest vorweisen.“ Gab es denn Überlegungen, nichtgeimpfte Trainer:innen nicht unterrichten zu lassen? „Nein, das war nie in der Diskussion. Wir fühlen uns sehr verbunden mit unseren freiberuflichen Übungsleitern“, antwortet Völker. In den Fitnessstudios von Primetime-Fitness seien alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft, die meisten auch schon geboostert, berichtet Geschäftsführer Henrik Gockel. In den sechs Frankfurter Studios der höherpreisigen Kette werden keine Kurse angeboten, das Individualtraining steht im Vordergrund. „Dabei tragen die Trainer eine Maske“, sagt Gockel. Zwar könnten theoretisch auch ungeimpfte Trainer:innen im Fitnessstudio arbeiten, wenn sie täglich einen Test mitbrächten, aber sie dürften dann nicht selbst trainieren – so sieht es die Landesverordnung vor. Zu voll wird es laut Gockel in den Studios auch nicht, so dass alle genügend Platz haben. „Die Frequenzen teilen sich gut auf.“

Zurück zu den Kursen: Kommen weniger Menschen, seitdem Frankfurt ein Hotspot ist? „Seitdem 2G-plus eingeführt wurde, werden sogar bestimmte Kurse besser besucht. Die Leute fühlen sich sicherer“, so Völker. Er betont, die TG setze die 2G-plus-Regel des Landes konsequent um. 95 Prozent der Mitglieder hätten ihren Impfstatus hinterlegt, so dass sie es nicht jedes Mal neu prüfen müsse. Weiterhin seien aber auch die Outdoorkurse und das virtuelle Gym bei der TG sehr beliebt.

Ihr Hygienekonzept sei mit dem Gesundheitsamt abgesprochen: „Jeder, der reinkommt, desinfiziert sich die Hände und trägt Maske, bis er am Platz ist.“ Ein Mindestabstand von 1,5 Metern soll nach der hessischen Corona-Schutzverordnung auch beim Sporttreiben eingehalten werden.

Abstand halten ginge je nach Kurs mal besser oder schlechter, berichtet Völker. „Es gibt bei uns keine Teilnehmerbeschränkung mehr. Die Zahlen der Kursteilnehmer sind aber nicht so hoch wie vor der Pandemie.“

Auch bei der edlen Fitnesskette David Lloyd Club im Skyline Plaza sei die Nachfrage für Kurse trotz Omikron groß, wobei es hier in der Zeit vor der Pandemie noch besser gewesen sei, sagt eine Sprecherin von David Lloyd. „Die Leute haben ein Gesundheitsbedürfnis. Sie haben aber auch gleichzeitig ein Vertrauen, dass in unserem großen Club, wo es neben der Fitnessfläche allein vier Lofts nur für Kurse gibt, die Hygiene- und Sicherheitsregeln sorgfältig eingehalten werden.“ Die Mitglieder müssen sich vorab online für die Kurse registrieren. „Ein Abstand von mindestens 1,5 Metern ist bei uns selbstverständlich und man ist inzwischen daran gewöhnt. Unser Team achtet sehr darauf, aber auch die Mitglieder selbst tragen hohe Eigenverantwortung und achten auf Abstand bei sich und anderen.“ Zudem gäbe es Luftreiniger mit Hepa-Filter, diese sollen bis zu 99,95 Prozent der Aerosole aus der Luft filtern.

Bei der TG Bornheim gibt es keine Fenster, dafür moderne Lüftungsanlagen. „Alle 35 Minuten wird die Raumluft gegen Frischluft von außen ausgetauscht. Die Anlage hatten wir schon vor der Pandemie und ist jetzt ein großer Vorteil“, sagt Völker. So gebe es auch keinen Streit ums Lüften. Bei der TG Bornheim gebe es bislang keine Beschwerden, dass manche Trainer:innen nicht geimpft seien, sagt Völker. Und im Kurs – gibt es da auch Diskussionen? „Manchen Leuten gehen die Regeln nicht weit genug, anderen zu weit.“

Gab es bereits Fälle von Mitgliedern, die in einem Kurs waren und sich später meldeten, weil sie Corona-positiv getestet worden seien? „Solche Fälle hatten wir bislang nicht“, sagt Völker. Auch dem Gesundheitsamt sind solche Fälle nicht bekannt. Zu diffus sei das aktuelle Infektionsgeschehen.

Wie hoch aber schätzt das Gesundheitsamt Frankfurt das Risiko ein, dass man sich im Kurs ansteckt? Das Amt wirbt zunächst, sich impfen zu lassen, weil das den größtmöglichen Schutz vor einer schweren Erkrankung biete. „Sportausübung in geschlossenen Räumen ist mit einem Infektionsrisiko behaftet. Die Entscheidung, ob jemand dieses Risiko im gesetzlichen Rahmen der Coronaschutzverordnung tragen möchte, muss jeder selbst treffen“, sagt eine Sprecherin des Gesundheitsamts. (mit tim)

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