Förderverein-Geschäftsführer Joachim Brenner will vier neue Vollzeitstellen schaffen.
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Förderverein-Geschäftsführer Joachim Brenner will vier neue Vollzeitstellen schaffen.

Roma und Sinti

Frankfurt: Finanzielle Hilfe für Förderverein Roma

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Die Beratungsstelle im Bahnhofsviertel erhält einen Förderbetrag in Höhe von 39 000 Euro von der Landesregierung zur Finanzierung des Projekts „Sozialberatung für Roma“.

Der Förderverein Roma hat einen Förderbescheid in Höhe von 39 000 Euro erhalten. Das Geld ist für die Finanzierung des Projekts „Sozialberatung für Roma“ bestimmt. Das Projekt unterstützt in erster Linie Roma und Sinti, insbesondere Roma-Migrantinnen und -Migranten aus Osteuropa im Integrationsprozess.

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) überreichte den Bewilligungsbescheid an Geschäftsführer Joachim Brenner in den Räumlichkeiten des Fördervereins im Bahnhofsviertel. Auch die Frankfurter Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) war vor Ort.

Die Landesregierung fördert mit dem Landesprogramm „WIR“ seit 2014 innovative Projekte zur Verbesserung der Integrationschancen zugewanderter Menschen. „Wir nehmen die Zielgruppe der Zugewanderten aus Südosteuropa verstärkt in den Blick“, sagte Klose. „Deshalb haben wir in diesem Jahr Fördergeld für diesen besonderen Schwerpunkt zur Verfügung gestellt.“

Integrationsdezernentin Weber bezeichnete die Unterstützung „mehr als verdient. Das ist eine Anerkennung für die langjährige und wichtige Arbeit.“ Das Geld komme zum richtigen Zeitpunkt. Der Verein habe mehr Arbeit, weil es den Menschen schlechter gehe, was durch die Corona-Pandemie verstärkt wurde. „Roma und Sinti leben in einem verstärkten Kreislauf aus Wohnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit und rassistischer Diskriminierung“, sagte Weber. Sie seien bis heute strukturell benachteiligt. „Auf der anderen Seite haben sie das wirtschaftliche, kulturelle und politische Leben über Jahrhunderte bereichert und tun dies bis heute.“

Wie wichtig die 39 000 Euro sind, unterstrich auch Gabi Hanka, Mitarbeiterin in der Sozialberatung. Seit acht Jahren arbeitet sie beim Förderverein Roma. Als primäres Problem nannte sie die Situation der Wohnsitzlosen. Ansprüche auf Hartz IV oder auf eine dauerhafte Unterbringung im Wohnheim haben obdachlose EU-Bürger in der Regel nicht.

Noch schlimmer sei es für behinderte oder kranke Menschen. Sie erhielten überhaupt keine Hilfe. „Ich kenne Klienten, die seit Jahren auf der Straße leben, aber nicht anspruchsberechtigt sind. Das ist inhuman“, betonte Hanka. Man komme keinen Schritt weiter, im Gegenteil, „es wird schlechter“.

Beratung ausbauen

Geschäftsführer Brenner will mit dem Förderbetrag das Beratungsangebot ausbauen und neue Schwerpunkte setzen. Außerdem sollen jeweils zwei Vollzeitstellen in der Fachberatung und in der muttersprachlichen Begleitung und Übersetzung entstehen. Weber deutete indes an, dass die Stadt Frankfurt den Förderverein mit Räumen im Integrationszentrum „Stadtraum Frankfurt“ unterstützen und ein Projektbüro zur Verfügung stellen will.

Das nährt auch die Hoffnung Brenners und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass ein Dokumentationszentrum für die Geschichte der Frankfurter Roma und Sinti angebunden wird, das deren Geschichte vor, während und nach der Naziherrschaft aufarbeitet.

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