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Thomas Claus hat dem Goetheturm eine filmische Hommage gewidmet.
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Thomas Claus hat dem Goetheturm eine filmische Hommage gewidmet.

Goetheturm

Frankfurt: Filmpremiere für den Goetheturm

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Premiere des Films von Thomas Claus über Brand und Wiederaufbau des Goetheturms bewegt die Menschen. Ab sofort ist er auch im Internet zu sehen.

Die Stimmung ist aufgekratzt, als es losgeht. Da läuft er nun, der Goetheturm-Film von Thomas Claus, über den schon so viel zu lesen war. Der Film, der zeigt, wie das war mit dem Herzensturm der Menschen in Frankfurt. Zunächst: wie er in der Nacht zum 12. Oktober 2017 ganz und gar verbrannte – vier Jahre ist das bald her, sagen die staunenden Gesichter im Publikum.

Die Tränen damals. Dann der vereinte Frankfurter Sturkopf: Wir bauen unseren Turm wieder auf! Unbändig, der Wille, erst in Sachsenhausen und Oberrad, bald in der ganzen Stadt. Markus Mannberger vom Vereinsring würdigt im Film, wie die Vereine auf ihren Festen „von jeder Bratwurst einen Euro“ zurücklegten für den neuen Turm. Menschen erinnern sich bewegt, den Turm 1937 zum ersten Mal erlebt zu haben. Wie sich die erste Liebe dort anfühlte. Wie er viele „sogar aus Offenbach und Neu-Isenburg“ (Gelächter) lockt.

Der Enkel des Oberforstmeisters Hans Bernhard Jacobi erzählt im Film, wie es der Großvater einst gedeichselt hat, dass der Stadtwald zum Naherholungsgebiet wurde, mit Turm. Und wie die Nazis dann alles zerstörten, auch das Leben des Goetheturm-Stifters Gustav Gerst und seiner Familie – aber nicht den Goetheturm. Den brachte erst ein bis heute flüchtiger Brandstifter zu Fall.

FILM & FEST

Der Goetheturm-Film, etwa 24 Minuten lang, ist im Internet zu sehen: Auf der Plattform Youtube „Goetheturm“ eintippen. Am Sonntag beim Goetheturm-Fest wird er auf einer Leinwand zu sehen sein. Auch Ausschnitte aus einem Interview, das FR-Reporter Sebastian Moll mit dem 93 Jahre alten Zeitzeugen William Rudolf in den USA führte, werden dann gezeigt. Ein zweiter, längerer Film, der auch die Recherchen zum Turmstifter Gustav Gerst und seinem Schicksal näher behandelt, ist schon in Arbeit.

Das Goetheturm-Fest an diesem Wochenende, 13. bis 15. August, beginnt am Freitag um 18 Uhr, am Samstag und Sonntag jeweils um 11 Uhr. Zum Auftakt am Freitag beginnt die amtierende Sachsenhäuser Brunnenkönigin ihre – coronabedingt – dritte Amtszeit offiziell. Weitere „Königinnen“ und Ehemalige haben ihren Besuch angesagt. Am Samstag ist Festeröffnung, anschließend Fassbier, Blas- und Rockmusik, am Sonntag Familiengottesdienst und Blasmusik.

Am Sonntag um 15 Uhr wird feierlich die Holztafel enthüllt, die der Oberurseler Künstler Hendoc zu Ehren des Goetheturm-Stifters gefertigt hat. Es ist der 150. Geburtstag von Gustav Gerst. Die Plätze für diesen beschränkten Bereich sind ausgebucht. Aufgeführt wird zudem das historische Musik- und Tanzstück „Moralitäten“, das Max Rudolf, Williams Vater, 1968 in Cincinnati uraufführte. Es geht um Faschismus und Demokratie. Die Leitung hat Michael Quast.

„Ich hab’ da geknutscht“

Thomas Claus zeigt, wie sich die Schaulustigen mit Klappstühlen auf das Finale des Wiederaufbaus einrichten. Wie Kranführer Hendrik Hauptmann das Kunststück vollbringt, die Turmspitze trotz heftiger Windböen passgenau abzusetzen. Rührende, stolze Statements der Frankfurter Bevölkerung sind das Gerüst des Films. Der Höhepunkt: die glücklichen Gesichter der Erstbesteigenden im September 2020. Am Ende langer Applaus des Premierenpublikums im Sonnemann-Saal des Historischen Museums, darunter die Gewinnerinnen und Gewinner der Karten, die die FR verlost hat. „Herzklopfen“, sagt eine der FR-Gewinnerinnen. „Ich hab’ in dem Park am Turm geknutscht.“

„Es gibt nicht viele Objekte in Städten, die solch eine Popularität haben“, sagt Gastgeber Jan Gerchow, der Museumsdirektor. Ein „Omnibus-Ort“ sei der Goetheturm, weil er für alle – lateinisch: omnibus – da sei, ohne soziale Schwellen. Doch Einschränkungen gibt es. Wer keine Treppen steigen kann, muss unten bleiben. Dafür, sagt Baudezernent Jan Schneider (CDU), hätten die Menschen mit großer Mehrheit abgestimmt: Der neue Turm sollte sein wie der alte, ohne Lift. Ein bisschen anders sei er dennoch geworden, widerstandsfähiger. So, dass er die Chance habe, jene 200 Jahre zu halten, die sich Mäzen Gustav Gerst wünschte, als er das Geld für den Vorgängerturm gab.

Gerst legte 1931 auch fest, was bis heute gilt: „Der Eintritt muss auf ewige Zeiten frei sein“, sagt Regisseur Thomas Claus. Er ist immer noch sichtlich begeistert davon, was seine Recherchen auf den Weg brachten: „Das konnte niemand absehen.“ Weil ihm die Erinnerungstafel an Gustav Gerst schon am alten Turm aufgefallen war, fing er an zu recherchieren – und stieß auf das ganze Ausmaß das Grauens, das der Hitler-Terror über die jüdische Kaufleutefamilie Tietz/Gerst (stellvertretend für ganz Frankfurt) brachte. „Von den Nazis als Juden markiert und ausgeraubt“, wie Museumsdirektor Gerchow sagt. Die Ausläufer der Recherchen reichten bis nach New York, wo FR-Reporter Sebastian Moll die Nachfahren aufspürte und mit ihnen sprach. Seine herausragende Arbeit findet am Filmabend großen Anklang; Moll ist eigens aus den USA angereist.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) beschließt den Abend mit großem Lob für Thomas Claus und bewegter Stimme: „Der Film berührt uns alle, denn wir Frankfurterinnen und Frankfurter haben einen Turm, den gibt es nur einmal auf der Welt.“ Sie stimmt alle auf den Sonntag ein. Es wird ein „Wilder Sonntag“ aus der gleichnamigen Reihe, und zwar: am Goetheturm.

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