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Pete Schoene berät eine der derzeit wenigen Kundinnen in seiner „Reiselounge“ am Frankfurter Riedberg.
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Pete Schoene berät eine der derzeit wenigen Kundinnen in seiner „Reiselounge“ am Frankfurter Riedberg.

Überblick

Fernweh contra Qurantäne

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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  • Pitt v. Bebenburg
    Pitt v. Bebenburg
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Die Weihnachtszeit gilt als starke Reisezeit, doch die Corona-Pandemie ändert alles. In vielen Frankfurter Reisebüros bricht der Umsatz komplett ein.

Die Weihnachtszeit gilt generell als eine der stärksten Reisezeiten. Viele Menschen bekommen Fernweh und fliehen in die Sonne. In diesem Jahr ist alles anders. Oder doch nicht? Die Auskünfte von Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern klingen euphorisch. Die Lufthansa berichtete zuletzt von „einem sprunghaften Anstieg der Buchungen“, teilweise um rund 400 Prozent. Condor teilt auf Nachfrage mit, Flüge auf die Kanaren oder Kuba würden sehr gut angenommen, für Weihnachten würden sogar Zusatzflüge nach Varadero auf Kuba angeboten. Der Reiseveranstalter TUI berichtet von vielen Anfragen zu den Malediven und den Kanaren, vor allem Fuerteventura sei sehr gefragt.

Manche fragen allerdings, ob die weihnachtlichen Flüge ein so großes Gesundheitsrisiko darstellen, dass der Staat etwas dagegen unternehmen müsste. Solche Überlegungen weist der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) entschieden von sich.

Reiseziele

Die Lufthansa fliegt ab dem 19. Dezember fast alle Kanareninseln direkt an, erstmals auch La Palma und Fuerteventura. Wieder im Flugplan sind dann auch Sevilla und Palermo. Neu im Programm ist dann auch Heraklion auf der griechischen Insel Kreta. Klassiker wie Madeira, Malta, Larnaka/Zypern und Faro/Algarve werden laut Lufthansa jetzt mehrmals die Woche angeboten. Neben den klassischen Sonnenzielen bietet die Airline auch schneesichere Skigebiete an. Über Weihnachten und Neujahr werde ab Frankfurt Ivalo und Kuusamo angeflogen.

Die Condor hat ihre Flüge ab Frankfurt auf die Kanaren in den Weihnachtsferien deutlich aufgestockt. Auch nach Kuba soll es in diesem Zeitraum Zusatzflüge geben. Zusätzlich können Gäste ab dem 19. Dezember auch zu zwei Zielen in der Dominkanischen Republik und auf die Malediven fliegen. Beide Airlines weisen auf die Möglichkeit flexibler Tarife mit Stornierungsmöglichkeiten hin und dass Kunden sich bei der Planung ihrer Reise über die aktuellen Einreise- und Quarantänevorschriften der jeweiligen Destinationen informieren sollen.

Der Reiseveranstalter TUI weist darauf hin, dass bei seinen Pauschalreisen derzeit ein Covid-Versicherungsschutz inklusive sei. Für Neubuchungen zwischen dem 10. Dezember und dem 10. Januar 2021 gelte ein kostenloses Storno- und Umbuchungsangebot in der gesamten Sommersaison bis Ende Oktober 2021. TUI bietet seit dem 5. November wieder siebentägige Kreuzfahrten zwischen den Kanarischen Inseln an. Ab dem 17. Dezember soll es zudem dreiwöchige Kreuzfahrten um die Kanaren geben. ote

„Wir sind ein freies Land. Wir sind ja kein Gefängnis mit Ausgang“, betont er. Aus seiner Sicht sei es ausgeschlossen, jemandem den Flug in ein anderes Land zu untersagen. Das sei „die Entscheidung eines freien Bürgers“. Allerdings müssten die Menschen dann auch in Kauf nehmen, in Quarantäne zu gehen, wenn sie aus einem Risikogebiet zurückkehrten, fügt er hinzu.

Bei den Frankfurter Reisebüros scheint die Nachfrage ohnehin nicht wirklich anzukommen. Pete Schoene versucht es mit Galgenhumor. Auf die Frage, wohin es seine Kunden jetzt in der Weihnachtszeit ziehe, antwortet der Inhaber der Reiselounge am Frankfurter Riedberg: „In den Keller, den Vorgarten und den zweiten Stock.“

Die Öffnungszeiten seines Reisebüros hat Schoene schon angepasst. Vier Mal die Woche hat er fünf Stunden geöffnet. „Das ist mehr als ausreichend“, sagt er. Der Umsatz liege nur bei etwa 20 Prozent dessen, was sonst für diese Zeit üblich ist.

Diese Einschätzung bestätigt eine Mitarbeiterin des Reisebüros in der Steinwegpassage am Roßmarkt. „Die Leute sind verängstigt.“ Die normalen Öffnungszeiten haben sie in der der Passage beibehalten, um für Stammkunden und eventuelle Umbuchungen erreichbar zu sein.

Die Aussage von Condor zur großen Nachfrage für Kuba-Flüge verwundert die Reiseexpertin: „Wir können die Interessenten an einer Hand abzählen.“ Viele Restaurants und Hotels dort seien ja noch geschlossen. Auch im First Reisebüro ein paar Meter weiter ist kein Run auf Kuba auszumachen.

Die Karibikinsel hat sehr niedrige Corona-Inzidenzen. Wer dort Urlaub machen will, muss nach der Landung vor Ort am Flughafen einen Covid-19-Test machen und, bis das Ergebnis feststeht, in Quarantäne. Nicht jedermanns Sache. Doch wer die Unannehmlichkeiten über sich ergehen lässt, bereut es danach wohl nicht. Pete Schoene von der Reiselounge kennt ein Paar, das gerade auf Kuba weilt und von leeren Stränden schwärmt. Kein Wunder: Von mehr als 40 Hotel in der Urlaubshochburg Varadero seien derzeit nur zwölf offen.

Viele Menschen scheuen die weiten Flüge, daher sind die Kanaren jetzt mehr denn je der Sehnsuchtsort vieler deutscher Urlauber. „Ich habe Kunden auf Gran Canaria, die gerade verlängert haben“, sagt Schoene.

Die Kanaren waren seit Mitte Oktober kein Risikogebiet mehr, aufgrund der hohen Inzidenz auf Teneriffa (127) gelten sie von morgen an wieder als solches, obwohl die Inzidenz auf den anderen Inseln deutlich niedriger liegt, auf El Hierro gar bei 0. Notwendig war für die Einreise auf die Kanaren zuletzt nur ein aktueller negativer PCR-Test.

Auch Schoene hatte diese Entwicklung befürchtet. Glaubt man allerdings dem Reiseanbieter TUI, sind Reisewarnungen kein großes Problem. Urlaub in weitläufigen Ressorts, wie es sie auf den Malediven, der Dominikanischen Republik oder in Mexiko gebe, „kommt aktuell besonders gut an“, heißt es beim Branchenprimus aus Hannover. „Daher bieten wir diese Ziele trotz Reisewarnung an.“ Auch über diese Aussage herrscht in Frankfurter Reisebüros eher Verwunderung. „Wer kann es sich denn leisten, nach einem Urlaub in Quarantäne zu gehen?“, fragt man in der Steinwegpassage. Der eine oder andere Urlauber dürfte sich auch noch daran erinnern, wie schwierig die Rückholaktionen aus fernen Ländern im ersten Lockdown waren.

Pete Schoene findet, alle Aussagen aus Hannover seien derzeit ohnehin mit Vorsicht zu genießen, auf den Reiseveranstalter ist er nicht gut zu sprechen. „TUI hat uns im Frühjahr verarscht und hingehalten“, schimpft er. Die Support-Hotline für Reisebüros sei über Monate abgeklemmt gewesen, die Mitarbeiter:innen mit verärgerten Kund:innen und deren Rückzahlungsforderungen alleingelassen worden, Provision gab es keine. Vor diesem Hintergrund hat Schoene auch keine Lust auf weitere Stornos: „Bei unsicheren Sachen rate ich den Kunden grundsätzlich ab.“ Vorfreude auf Weihnachtsurlaub klingt anders.

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