Bauamt

Frankfurt: Feierlicher Abschied eines Amtsleiters

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Michael Simon, Leiter des Amtes für Bauen und Wohnen in Frankfurt, wird zum Abschied gewürdigt. Trotz seiner Freistellung.

Die Stadt Frankfurt, das ist in ganz Deutschland bekannt, ist nicht nachtragend. Und sie versteht zu feiern. Das war schon immer so. Als zum Beispiel der Oberbürgermeister Volker Hauff (SPD) 1990 nach einem Jahr im Amt seinen 50. Geburtstag im Römer ausrichten ließ, kostete das ein so erkleckliches Sümmchen, das noch Jahre später davon die Rede war. Zu dem Zeitpunkt war Hauff freilich schon aus Frankfurt geflohen, aus Frust über die Behandlung durch seine Partei.

Jetzt gibt es wieder mal eine Feier, die von sich reden macht: Am kommenden Freitag, 3. Juli, verabschiedet die Stadt offiziell Michael Simon, Leiter des Amtes für Bauen und Immobilien (ABI). Auch er hat es nicht lang in seiner Position ausgehalten, am 1. November 2017 hatte er als Hoffnungsträger seine Arbeit begonnen. Das neu geschaffene ABI sollte endlich den wichtigen Bau von Schulen und Kitas schneller und effektiver abwickeln.

Streitgrund nicht bekannt

Simon geht nicht freiwillig. Im März stellte ihm Baudezernent Jan Schneider (CDU) den Stuhl vor die Tür. Genauer: Schneider stellte Simon frei, weil er sich mit ihm zerstritten hatte. Worüber genau, das ist bis heute beider Geheimnis. Nicht mal ein eigens berufener Mediator konnte etwas ausrichten. Nach langem Hickhack unterschrieben die Stadt und der Amtsleiter einen Auflösungsvertrag. Simon kriegt noch ein Jahr Gehalt, er darf seinen Schreibtisch ausräumen und muss dann schleunigst . . . Von wegen. Frankfurt ist, wie gesagt, nicht nachtragend. Und deshalb richtet Oberbürgermeister Peter Feldmann jetzt dem scheidenden Amtsleiter eine Feier aus.

Der OB zeigt sich wieder von seiner besten Seite. Als Mann sozialer Gerechtigkeit. Als Mann des Ausgleichs. Simon hatte ja auch, als er nicht mehr weiter wusste in seinem Konflikt mit dem Baudezernenten, Rückendeckung beim OB gesucht.

Andere höhere Beamte, die auf ihrer Position nicht mehr gelitten waren, schob die Stadt in ein Büroloch im Römer-Keller ab. Zum Beispiel Dr. Gunter Stemmler, den früheren Referenten von Oberbürgermeisterin Petra Roth. Ein verdienter Mann, der seine Doktorarbeit über die Amtskette der Oberbürgermeisterin geschrieben hatte. Er fristet sein Dasein noch immer da unten.

Ganz anders Michael Simon. Er erfährt höchste Ehren durch den OB. Sein Abschied findet nicht an Stehtischen in den Römerhallen statt, sondern in der Paulskirche, dem Gebäude, das sonst Staatsgästen, der Verleihung des Goethepreises und der Feier zum Tag der Deutschen Einheit vorbehalten ist.

An die Feier wird sich Simon sein Leben lang erinnern. Denn Oberbürgermeister Feldmann hat eine seiner berühmten Paulskirchen-Reden angekündigt. Sie handeln vom Parlament des Jahres 1848, von den damaligen Revolutionären und ihrer Flucht ins Badische, vom Wein, schon früh nach Frankfurt importiert, von politischen Flüchtlingen, die im 17. Jahrhundert ins liberale Frankfurt kamen, von der neuen Altstadt und vielem mehr.

Im Römer ist zu hören, das mit der Paulskirche erkläre sich durch den nötigen Abstand in Zeiten der Corona-Pandemie. Rund 100 Gäste sind geladen, nämlich alle Führungspersonen aller städtischen Ämter. Und die gesamte Stadtregierung. Also auch Baudezernent Jan Schneider.

Simon durfte, so ist zu hören, noch mal einen Tag ins Amt. Sein Büro war schon abgeschlossen, sein E-mail-Zugang gesperrt. Eine Abschieds-Mail konnte er nicht mehr verschicken. Aber er erhielt ein sehr gutes Zeugnis über seine Tätigkeit für die Stadt. Es wird bestimmt eine sehr schöne Abschiedsfeier am Freitag in der Paulskirche. Ihr Motto: „Musik und Architektur“.

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