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Fehlalarm: Missbrauch von Notruf-App „Nora“ keine Ausnahme

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Von: Timur Tinç

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In Frankfurt rückt die Polizei wegen eines vermeintlichen Amoklaufs in einer Moschee aus. Bundesweit löst die „Nora“-App 30 weitere Fehlalarme aus.

Der Polizei-Großeinsatz in der Abu-Bakr-Moschee am Freitagabend im Frankfurter Stadtteil Hausen hat die Gemeinde geschockt. Wie sich herausstellen sollte, war es ein Fehlalarm. Der Notruf mit der Behauptung, das es dort einen Amoklauf mit Verletzten geben würde, war von einer unbekannten Person über die Notruf-App „Nora“ mitgeteilt worden. Es gab auch eine weitere Kommunikation über die App, weshalb die Polizei vom Schlimmsten ausgehen musste.

Die Polizei nimmt auch die Notrufe über die App „Nora“ ernst.
Die Polizei nimmt auch die Notrufe über die App „Nora“ ernst. © Boris Roessler/dpa

Seit September 2021 ist „Nora“ im Einsatz – als offizielle Notruf-App der Bundesländer. Entwickelt wurde sie von der Kölner Firma bevuta IT in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium Nordrhein-Westfalen (NRW). Hintergrund für die Entwicklung der Anwendung war, auch beeinträchtigten Menschen mit eingeschränktem Hör- oder Sehvermögen per Textnachricht das Absetzen eines Notrufs zu ermöglichen.

Missbräuchliche Nutzung der Notruf-App „Nora“ kein Einzelfall: 30 weitere Fälle in Deutschland

Bundesweit hat es neben dem Fehlalarm in Frankfurt bereits 30 weitere Fälle missbräuchlicher Nutzung gegeben. Das hatte das Innenministerium NRW auf Anfrage der „Passauer Neuen Presse“ (PNP) vor knapp zwei Wochen mitgeteilt. Dabei habe es sich aber nicht um Hackerangriffe gehandelt. „Manipulationen durch Nutzer am Smartphone oder am Betriebssystem können leider nicht gänzlich ausgeschlossen werden“, hieß es jedoch. So können falsche Standorte an die App weitergeleitet werden.

In Fürstenstein im Landkreis Passau ist am 19. Dezember die Tür einer Wohnung aufgebrochen worden, weil die 50 angerückten Polizei- und Feuerwehrkräfte davon ausgegangen waren, dass es dort brennt und eine Person in Gefahr ist.

Reul entsetzt über Missbrauch der Notruf-App

Im Raum Karlsruhe sind um Weihnachten herum die Rettungskräfte zwei Mal ausgerückt, weil über die App gemeldet wurde, dass es in einer Wohnung nach Gas rieche und sich im Gebäude eine schwerbehinderte Person befinde. Beim anderen Mal hieß es, dass eine Gasleitung geplatzt sei und es einen Verletzten gebe. Alles Fehlalarme.

Ein Screenshot der App „Nora“.
Ein Screenshot der App „Nora“. © Screenshot

Es sei unfassbar, dass die Auslöser von falschen Notrufen billigend in Kauf nähmen oder sogar wollten, dass im Zweifel einer Person, die wirklich in Not ist, nicht geholfen werden könne, findet der Innenminister von NRW, Herbert Reul (CDU). Die App wurde bis September vergangenen Jahres rund 275 000 Mal heruntergeladen, und es wurden rund 10 000 Notrufe darüber abgesetzt.

Missbrauch von Notruf-App hat Konsequenzen - Polizeipräsident besucht betroffene Moschee

Die Frankfurter Polizei hat im Falle der Moschee einen solchen Fehlalarm über die App das erste Mal registriert. Es wurde Strafanzeige wegen Vortäuschen einer Straftat und Missbrauch von Notrufen erstattet. (Timur Tinç)

Der Frankfurter Polizeipräsident, Stefan Müller, besuchte nach dem Großeinsatz die muslimische Glaubensgemeinde der Abu-Bakr-Moschee.

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