Die FDP-Fraktionschefin Annette Rinn in Frankfutr distanziert sich von der Wahl von Thomas Kemmerich in Thüringen.
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Die FDP-Fraktionschefin Annette Rinn in Frankfutr distanziert sich von der Wahl von Thomas Kemmerich in Thüringen.

Wahl-Hammer in Erfurt

"Ich hätte die Wahl erst gar nicht angenommen"

  • Simone Wagenhaus
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Die FDP-Fraktionschefin in Frankfurt, Annette Rinn, spricht im Interview über die Wahl von Thomas Kemmerich in Thüringen und über die Reaktionen.

  • Wahl-Beben in Thüringen hat Auswirkungen bis nach Frankfurt
  • FDP -Chefin Rinn spricht im Interview über die Wahl und die Folgen
  • FDP Frankfurt hat bereits Austritte zu verzeichnen

Frankfurt - Selten sind in Deutschland Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen die Wahl eines Ministerpräsidenten zu protestieren. Am Mittwochabend jedoch, nur wenige Stunden, nachdem sich der FDP-Politiker Thomas Kemmeric h mit Stimmen von CDU und AfD zum neuen Regierungschef in Thüringen wählen ließ, machten deutschlandweit mehrere tausend Menschen ihrem Ärger Luft - auch in Frankfurt. Wahl und Rücktritt Kemmerichs beschäftigt auch die FDP in Frankfurt, Redakteurin Simone Wagenhaus hat mit Annette Rinn, Fraktionschefin der FDP im Römer, gesprochen.

Frau Rinn, Herr Kemmerich ist nach einem Tag als Ministerpräsident von Thüringen zurückgetreten. War das der richtige Schritt?

Das freut mich außerordentlich. Ich hätte es allerdings noch mehr begrüßt, wenn er die Wahl erst gar nicht angenommen hätte.

Wahl in Thüringen: FDP-Chefin in Frankfurt hat sich zunächst gefreut

Was war ihre erste Reaktion, als Herr Kemmerich am Mittwoch gewählt wurde?

Im allerersten Moment habe ich mich gefreut. Aber das war nicht von langer Dauer. Aufgrund der Umstände dieser Wahl war ich eher schockiert, und ich sehe das so wie Christian Lindner, dem das Wort "Glückwunsch" auch nicht über die Lippen gekommen ist.

Mit einem Tag Abstand. Wie schätzen Sie die Wahl Thomas Kemmerichs in Thüringen ein?

Dass er angetreten ist, finde ich gut. Dass er die Wahl angenommen hat, begeistert mich nicht. Also, ich hätte das jedenfalls nicht gemacht.

War das, wie viele sagen, ein „Dammbruch“?

Ganz sicher nicht. Für die FDP jedenfalls nicht, das sieht man ja an den Reaktionen aus der gesamten Republik. Die Freien Demokraten lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD in jeder Form und Fassung ab.

Wahl in Thüringen: FDP-Chefin in Frankfurt geht davon aus, dass es keine Absprachen gab

War mit der Wahl von Herrn Kemmerich in Thüringen zu rechnen?

Nein. Das muss ich wohlwollend unterstellen. Es war nicht damit zu rechnen, dass die AfD ihren eigenen Mann nicht wählt.

Wie schätzen Sie die Rolle der CDU in Thüringen ein?

Ich gehe davon aus, dass es keine Absprachen gegeben hat. Dass die CDU den FDP-Mann wählt und nicht den Kandidaten der Linken, kann man ihr nicht vorwerfen.

Hat diese Wahl der FDP insgesamt geschadet?

Ich hoffe nicht. Vor zwei, drei Jahren hatten wir viele Eintritte in die FDP von Menschen, die ein Zeichen gegen die AfD setzen wollten. Ich hoffe, dass uns die Mitglieder treu bleiben. Es gibt schließlich einen großen Unterschied zwischen der Frankfurter und der thüringischen FDP.

Wahl in Thüringen: Es gab bereits Austritte aus der FDP in Frankfurt

Welchen?

2016 hätten wir einen stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher stellen können - wenn wir uns von der AfD unterstützen lassen hätten. Damals haben wir ganz klar gesagt: Das machen wir nicht. Das wollen wir nicht. Das ist kein Modell für uns. Und das gilt noch heute.

Haben Sie Reaktionen von FDP-Mitgliedern bekommen?

Ja. Sie waren überwiegend negativ. Es hat bei uns bereits ein Dutzend Austritte oder Androhung von Austritten gegeben. Ich hoffe, dass der Rückzug von Herrn Kemmerich wieder Ruhe reinbringt.

Was wünschen Sie der FDP in Thüringen für die Neuwahlen?

Die FDP in Thüringen würde gut daran tun, sich ganz deutlich von dieser Posse zu distanzieren. Wichtig finde ich auch, dass geklärt wird, ob es Absprachen zwischen FDP und AfD gegeben hat.

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