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Frankfurt: FAZ verschickt Räumungsklagen

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Von: Florian Leclerc

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Visualisierung für das Projekt Hellerhöfe im Zeitungsquartier im Gallus.
Visualisierung für das Projekt Hellerhöfe im Zeitungsquartier im Gallus. Credit: Schmidtploecker © PE Hellerhöfe / Schmidtploecker

Im Gallus soll im Zeitungsquartier an der Frankenallee das Projekt Hellerhöfe entstehen. Die FAZ hat nun Räumungsklagen an Mieter:innen verschickt. Sie befürchten eine Verdrängung.

Safari Ali klingt einigermaßen verzweifelt. Seit sechs Jahren wohnt der gelernte Maurer in der Frankenallee 99. Nun steht ihm eine Räumungsklage ins Haus. „Wir wissen nicht, wo wir hin sollen, ein anderes Haus haben wir nicht gefunden“, sagt er am Dienstagabend im Planungsausschuss. Das Gebäude liegt auf dem FAZ-Areal im Gallusviertel. Es soll unter dem Namen „Hellerhöfe“ neu entwickelt werden.

Zwei weitere Mieterinnen sind am Abend in den Ausschuss gekommen. Eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, berichtet von ihrem 90 Jahre alten Vater, der seit 32 Jahren in einem der betroffenen Gebäude wohne. „Für ihn habe ich keine bezahlbare Wohnung gefunden“, sagt sie. Sie bräuchte aus Gründen der Barrierefreiheit für ihn eine Wohnung im Erdgeschoss oder im ersten Stock.

Eine Seniorin sagt, sie wohne seit 45 Jahren in einem der Gebäude. Zwar habe die FAZ ihr ein Angebot gemacht: „in Zeilsheim, dritter Stock“. Sie wolle aber nicht an den Stadtrand ziehen, sondern in ihrem angestammten Quartier bleiben. Ihre Räumungsklage wird am 21. Oktober verhandelt.

Stadtrat will mit FAZ sprechen

In dem Zeitungsareal mit FAZ, FNP und FR zwischen Mainzer Landstraße und Frankenallee, Gutenbergstraße und Günderrodestraße sollen den Plänen zufolge 500 bis 540 Wohnungen gebaut werden. Außerdem ein Bürohochhaus mit bis zu 60 Metern Höhe und zwei Kitas. Anstelle der Gebäude an der Frankenallee 95, 97 und 99 ist eine vierzügige Grundschule mit Sporthalle geplant. „Wir brauchen die Schule im Gallus dringend“, sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) im Planungsausschuss. An der Günderrodestraße liegen die Hausnummern 1 bis 9 auf dem Planungsgebiet.

Dass Mieter:innen per Räumungsklage verdrängt werden sollen, sorgt im Ausschuss für Unverständnis und Entsetzen. „Ich bin schockiert zu hören, dass so vorgegangen wird“, sagt die Ausschussvorsitzende Julia Roshan Moniri (Grüne). Es gehe um 18 Familien, weiß Eyup Yilmaz (Linke). „Helfen Sie den Menschen, in gleicher Umgebung zu gleichem Preis eine Wohnung zu finden“, sagt Yilmaz an die Adresse von Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

Josef kündigt daraufhin „weitere Gespräche“ mit der FAZ an. „Wir wollen nach einer Lösung für die Anwohnerinnen und Anwohner suchen, vielleicht kann man auf einen Teil des Abbruchs verzichten“, sagt er. „Es gibt keine dringende Notwendigkeit, jetzt zu räumen und abzubrechen“, sagt Stadträtin Weber. Die Menschen sollten eine Möglichkeit bekommen, woanders eine Wohnung zu finden. Sie geht davon aus, dass bis zum Bau der Grundschule noch zwei Jahre vergehen werden.

Aus Sicht von Eyup Yilmaz reichen 30 Prozent geförderter Wohnraum auf dem Areal nicht aus. „Es sollten 50 Prozent sein.“ Sonst würden 70 Prozent hochpreisige Wohnungen entstehen.

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