Die nach dem Feuer geschlossene Filiale sorgt für Verwunderung und neugierige Blicke ins Innere.
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Die nach dem Feuer geschlossene Filiale sorgt für Verwunderung und neugierige Blicke ins Innere.

Feuer in der Silvesternacht

Frankfurt: Fassungslos nach der Brandstiftung

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Einige Menschen hoffen, dass die zerstörte Tedi-Filiale am Ben-Gurion-Ring in Frankfurt bald wieder öffnet. Andere fürchten, dass die positive Entwicklung der Siedlung einen Knick bekommt.

Am Montag ist einigen Menschen, die am Ben-Gurion-Ring zum Einkaufen gehen, noch gar nicht bewusst geworden, dass der dortige Tedi-Markt in der Silvesternacht abgebrannt ist. Eine Hundehalterin bleibt mit ihrem Vierbeiner vor der verschlossenen Eingangstür stehen und wundert sich über das große Brett, das dort angeschraubt ist. Einen Tedi-Mitarbeiter, der aus der Dortmunder Zentrale gekommen ist, um den Schaden zu begutachten, fragt sie, wann der Laden öffnet. „Wir haben geschlossen“, sagt der Mann nur.

Immer wieder bleiben Menschen stehen und werfen einen Blick durch die Glasscheiben, die zum größten Teil von innen mit Ruß bedeckt sind. An der westlichen Hausfront sind einige Fenster mit Brettern abgedeckt. Wer durch die Seite lugt, erkennt, dass dort das Feuer ausgebrochen sein muss. Die Ware in diesem Bereich ist verbrannt und liegt auf dem Boden verteilt. Die Polizei ermittelt in dem Fall wegen Brandstiftung. Noch in der Brandnacht konnten in der Nähe des Tatortes zwei junge Männer – beide 18 Jahre alt – festgenommen werden. Die beiden Tatverdächtigen sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Wie es mit der Filiale weitergeht, war am Montag aus der Unternehmenszentrale nicht zu erfahren. Die Feuerwehr spricht von einem Schaden in Höhe von 100 000 Euro. Viele Waren, darunter auch Bekleidung, blieben vom Feuer zwar verschont, doch Rauch und Ruß haben auch ihnen zugesetzt. Der Innenraum ist entsprechend ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Viele Anwohnerinnen und Anwohner würden sich wohl aber wünschen, dass der Tedi wieder aufmacht. In Gesprächen wird deutlich, dass das Geschäft gut besucht und auch beliebt war.

Eine 61 Jahre alte Frankfurterin berichtet, dass sie ab und zu dort einkauft, obwohl sie mittlerweile auf den Riedberg gezogen ist. „Es ist ein schönes Geschäft, das für die Nachbarschaft super ist“, sagt sie. Es sei für viele Anwohner:innen fußläufig gut zu erreichen und versorge viele mit Büromaterialien, Küchen- und Badbedarf oder anderen Haushaltsgegenständen. Es sei keine Schundware, betont sie. Früher sei der Ben-Gurion-Ring ein Problemviertel gewesen, doch die Situation habe sich gebessert.

Das sieht auch Anayatulah Ahadi so. Der gebürtige Afghane betreibt eine Boutique nur wenige Meter vom Tedi entfernt. Die Gegend habe vor allem aus früheren Zeiten einen schlechten Ruf, doch das Viertel sei ruhiger und besser geworden. Der Vorfall jetzt sei ein Rückschritt. Neben der Boutique gibt es eine geschlossene Bäckerei, die eine Familie übernehmen und bald wiedereröffnen wolle. „Hoffentlich überlegen sie es sich nach dem Brand nicht anders“, sagt Ahadi, der seit 17 Jahren in Frankfurt lebt. Er selbst war an Silvester nicht in der Stadt und hat erst am Montagmorgen den Brand bemerkt. Er habe pures Glück gehabt, dass nicht sein Geschäft angezündet wurde.

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