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Frankfurt Fashion Week: Nicht nur Topmodels gesucht

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Von: Kathrin Rosendorff

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Die Berliner Designerin Alisa Menkhaus zeigt nicht nur ihr eigene Kollektion am Dienstag, sondern ist auch Kreativdirektorin der Modenschau.
Die Berliner Designerin Alisa Menkhaus zeigt nicht nur ihr eigene Kollektion am Dienstag, sondern ist auch Kreativdirektorin der Modenschau. © christoph boeckheler*

Bei der Fashion-Week-Modenschau „Continous Love“ in Frankfurt laufen Männer und Frauen jeglichen Alters und Gewichts mit. Einen Tag vorab wurde im Jumeirah Hotel in der Innenstadt gecastet.

Im dritten Stock des Luxushotels Jumeirah in der Innenstadt steht am Montagmittag eine große Pinnwand, darauf geheftet viele Modelbilder: Männer und Frauen jeglichen Alters und Gewichts und jeglicher Herkunft sind zu sehen. „Sein Gesicht ist so schön“, sagt die Berliner Designerin Alisa Menkhaus und zeigt auf ein Foto eines Männermodels. Sie knabbert dabei Gemüsesticks, denn ihr Tag erlaubt keine Pause. Ein Foto eines anderen Models soll die Casting-Direktorin abhängen. „Ich weine gleich in der Ecke los, er ist so süß“, sagt die Casting-Direktorin. Sie nimmt sein Foto dann doch schweren Herzens von der Wand.

Denn von den 50 Models, die bereits am Vormittag beim Casting waren, laufen nun an diesem Dienstagabend nur 15 bei der Modeschau „Continuous Love“ im „Danzig am Platz“ im Ostend. Es ist eine der wenigen echten Veranstaltungen der zweiten Frankfurt Fashion Week, da die großen, geplanten Shows auf dem Messegelände inmitten der Omikron-Welle abgesagt werden mussten. Diese Schau ist aber auch nur für geladene Gäste.

Dafür können Interessierte die Kleidung, Schuhe und Accessoires, die bei der Show gezeigt werden, einen Tag später, also an diesem Mittwoch zwischen 11 und 20 Uhr anschauen und kaufen. Und zwar in den „Pop Up Ateliers“ im Jumeirah-Hotel, Thurn-und-Taxis-Platz 2. Es gilt die 2-G-plus-Regel. Es gibt Schmuck von Anna Auras aus Stuttgart, aus Berlin kommen die Taschen des Labels Frau Frieda, die Schuhe von Maison Baum und die Brillen von Leinz. Ebenfalls aus Berlin ist die Kollektion der 30-jährigen Alisa Menkhaus, die vor drei Jahren mit ihrem Bruder das Label Susumu Ai gegründet hat. Sie ist auch die Kreativdirektorin der Modeschau, sucht Models und Musik aus. Und schaut dann eben auch, dass jedes Model weiß, wie schnell oder langsam er oder sie über den Catwalk schreitet. „Das wird heute bis Open End dauern, bis die Modeschau final steht“, so Menkhaus. „Ich wollte auch Models dabei haben, die aussehen wie meine Kunden: jeden Alters, jeder Herkunft, Größe, Breite. Ganz normale Menschen eben.“

Ganz schnell entschieden hat sie sich, dass Heidi dabei sein soll. Nicht Klum. Sondern eine Dame, die Anfang 60 ist. Den Stil ihrer eigenen Mode beschreibt Alisa Menkhaus als Mischung japanischer Tradition und moderner Streetwear: „Alle unsere Stoffe kommen aus Japan. Sie sind qualitativ hochwertig. Das ist mir wichtig, weil mir Nachhaltigkeit wichtig ist. Am liebsten wäre mir, dass meine Sachen über Generationen hinweg getragen werden“. sagt sie.

Deswegen sei die Kollektion auch minimalistisch mit vielen Basicteilen. Auch Brautkleider mit modernen Schnitten fertigt sie. Zum Kaufen oder Ausleihen. Viel in ihrer Kollektion für Männer und Frauen sei aus dem Stoff, aus dem auch Kimonos hergestellt werden, auch japanische Prints sind dabei. Produziert wird nur auf Anfrage und maßgeschneidert. Alles made in Berlin.

Die direkte Übersetzung von Susumu Ai lautet „fortschreitende Liebe“. Der Vater Deutscher, die Mutter Japanerin wächst Menkhaus in Tokio auf und zieht, als sie zwölf Jahre alt ist, mit ihrer Familie nach Marburg. „Meine deutsche Oma war Brautmodenschneiderin“, sagt Menkhaus. „Susumu ist der Vorname unseres Großvaters“, erzählt Menkhaus. Ein Praktikum bei „Roberto Cavalli“ in Tokio hat sie absolviert, bevor sie Modedesign in Berlin studiert hat. Ihr Bruder sei für die Finanzen zuständig.

Extra zum Casting aus Dresden angereist ist Henning Waldhelm. Im Oktober hat der 19-Jährige den Vertrag bei der Frankfurter Modelagentur East West Models unterschrieben. „Es wäre cool, wenn ich hier laufen könnte. Ich muss abwarten“, sagt er. Noch trägt er die weiße Hose und das Hemd der Kollektion, muss die Sachen aber gleich wieder ausziehen und abgeben. Neben ihm wartet Flora Maurer. Die 24-Jährige ist kein dünnes Laufstegmodel. Sie sagt: „Es wäre toll dabei zu sein, denn seit Corona gibt es wenige Runway-Jobs.“

Model Henning Waldhelm (19) kam extra aus Dresden zum Casting angereist.
Model Henning Waldhelm (19) kam extra aus Dresden zum Casting angereist. © christoph boeckheler*

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