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Frankfurt Fashion Week: Laufsteg im Kreuzgang

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Von: Judith Köneke

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Der Kreuzgang des Karmeliterklosters wird zum Catwalk. rolf oeser
Der Kreuzgang des Karmeliterklosters wird zum Catwalk. rolf oeser © ROLF OESER

Frankfurter Maßschneider und ukrainische Designer zeigen ihre Kreationen im Karmeliterkloster zur Eröffnung der Frankfurt Fashion Lounge

Dumpfe Bässe hallen durch die ehrwürdigen Mauern des Karmeliterklosters. An beiden Seiten des Kreuzgangs sitzen am Montag Besucher:innen, viele von ihnen mit gezückten Handys, sie filmen und fotografieren nonstop die Models, die über den Steinboden laufen, vorbei an den bekannten Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Vorne stehen Fotografen und Fotografinnen. Bei der Eröffnung der Frankfurt Fashion Lounge präsentieren ukrainische Designer:innen ihre Kollektionen, und die Maßschneider-Innung Frankfurt zeigt ihre Stücke.

Vier Tage lang wird das Kloster in der Innenstadt ein Ort für Mode. 53 aufstrebende und etablierte Designer:innen, 40 von ihnen aus der Region, seien hier dabei, sagt Gründerin Sevinc Yerli. Neben Modenschauen zeigen die Designer:innen ihre Stücke im Showroom, es gibt Talks oder Influencer-Treffen, die Kollektionen vom Laufsteg können auch gekauft werden. Die Fashion Lounge ist Teil der Frankfurt Fashion Week, die am Sonntagabend eröffnet wurde und bis 26. Juni zahlreiche Veranstaltungen in der ganzen Stadt bietet. „Was hier alles auf die Beine gestellt wurde, ist bemerkenswert“, lobt Rolf Krämer vom Hessischen Wirtschaftsministerium. Das unterstütze und fördere man.

Um Partnerschaft und Freundschaft mit der Ukraine zu zeigen, habe man die vier ukrainischen Designer:innen ausgewählt, sagt Oliver Schwebel von der städtischen Wirtschaftsförderung. Es sind keine Flüchtlinge, sondern sie leben in der Ukraine.

Anna Gaiova mit ihrem Label Anna Grove ist eine von ihnen. Ein knallgelber Hosenanzug, ein langes blaues Kleid mit einem gelben Bustier oder eine Korsage über einem Hemd haben die Models auf dem Runway getragen. Die 29-Jährige kommt aus Kiew und ist für die Modewoche in Frankfurt. Sie ist froh, für einige Zeit weit weg vom Krieg zu sein. Und dankbar für die Möglichkeit, sich hier präsentieren zu dürfen: „Viele meiner Landsleute haben diese Chance nicht, das macht mich auch traurig.“ Und natürlich gebe es in ihrem Land im Moment andere Prioritäten. Man gebe das Geld eher für Benzin als für Mode aus. Aber sie arbeite trotzdem weiter, ganz still stehe ihr Betriebszweig trotz allem nicht.

Für die zweite Eröffnungsshow lautet die Überschrift „Hommage an Jean Paul Gaultier“. Der legendäre französische Modeschöpfer feiert dieses Jahr seinen 70. Geburtstag. Der Nachwuchs der Maßschneider-Innung Frankfurt sollte das Thema aktuell interpretieren. Sie bekamen fünf Meter Satin-Stoff und die Vorgabe, dass nur 30 Prozent Fremdmaterial sein dürfen. Und tatsächlich erkennt man einige der Meilensteine des Pariser Designers, wie den Cone-Bra, den spitzen BH, den er für Madonna entwarf, einen Männerrock oder den Matrosenlook.

„Die jungen Schneider:innen haben alle Stücke selbst genäht und entworfen - in ihrer Freizeit, neben der Ausbildung“, erklärt Korinna Bennecker, Obermeisterin der Innung. Rund vier Monate hatten sie Zeit. Die zehn besten durften dann im Karmeliterkloster ihre Werke präsentieren, im wahrsten Sinne des Wortes, sie waren nämlich gleichzeitig die Models. Normalerweise zeigen die Auszubildenden ihre Mode bei einer Schau vor allem Freunden und Familie, sagt Bennecker. Auf der Fashion Week und vor Fachpublikum sei etwas Besonderes.

Vier Designerinnen aus der Ukraine zeigten ihre Kollektion. rolf oeser
Vier Designerinnen aus der Ukraine zeigten ihre Kollektion. rolf oeser © ROLF OESER

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