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Frankfurt Fashion Week: Faire Mode kann auch cool sein

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Von: Judith Köneke

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Auf der Nachhaltigkeitsmesse Neonyt präsentieren sich mehr als 30 Marken. Monika Müller
Auf der Nachhaltigkeitsmesse Neonyt präsentieren sich mehr als 30 Marken. Monika Müller © Monika Müller

Die Nachhaltigkeitsmesse Neonyt lädt am Wochenende zum Shoppen, Diskutieren und Lernen ein

Im Untergeschoss der Union Halle an der Hanauer Landstraße treffen die Aussteller:innen die letzten Vorbereitungen, bügeln noch schnell eines der Kleidungsstücke oder drapieren ihre Produkte. Am Freitagnachmittag eröffnet die Nachhaltigkeitsmesse Neonyt, die im Rahmen der Frankfurt Fashion Week bis Sonntag stattfindet. Mehr als 30 Marken präsentieren sich hier, neben Kleidung gibt es auch Kosmetik, Trinkflaschen, Schuhe oder Taschen auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern. Mit dabei sind lokale Label wie Alexandra Svendsen, Frisch Beutel und Helena Harfst sowie weitere aus ganz Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz.

Nadine Schratzberger vertreibt mit ihrem Label „Montreet“ recycelbare Outdoormode, quietschbunte Jacken, Leggings oder Pullis, aus den Zuschnittresten werden kleine Taschen oder Haargummis gefertigt. Man könne ihre Produkte auch reparieren lassen oder leihen, sagt die Österreicherin. Nebendran sind die Produkte des Fair Fashion Labels „Refished“ ausgestellt. Die bunten Taschen mit Fischabbildungen sind aus dem Material von Fischfuttersäcken aus Vietnam hergestellt. Sie werden dort gefertigt, zum Teil auch von kranken Menschen. Der Bestseller „Soulmate“ kostet rund 90 Euro. Schratzberger hofft, neben mehr Aufmerksamkeit für ihre Produkte auch zu zeigen, wie wichtig Kreislaufwirtschaft sei. Und: „Ich erhoffe mir gute Dialoge.“

Die Neonyt ist zum ersten Mal nicht mehr nur Fachmesse, sondern erstmalig für Endverbraucher geöffnet. Diese können sich kostenlos informieren, aber auch die Produkte kaufen. „Wir wollen die Menschen überzeugen, wie stylisch nachhaltige Mode sein kann“, erklärt Bettina Bär, Show Director der Neonyt am Freitag vor der Eröffnung. Gemeinsam wolle man Veränderungen in der Modebranche anstoßen. Immer wieder höre sie, nachhaltige Mode sei nicht schön, zu teuer und schwer zu bekommen, auf der Messe beweise man das Gegenteil.

„Das Interesse an nachhaltiger Mode und der Wunsch der Konsument:innen, etwas zu verändern, ist enorm“, sagt auch Mirjam Smend, Gründerin von Greenstyle, einer Kommunikationsplattform für nachhaltige Marken. Sie haben die Fläche im Untergeschoss der Halle kuratiert.

Am Stand von „Belle Ikat“ ist man ebenfalls bereit und wartet auf die Besucher:innen. Kleider mit bunten Mustern, bestickte Jacken aus Leinen oder eine knallblaue Hose aus glänzendem Stoff. „Die Stücke kommen aus Usbekistan, der Ukraine und Armenien“, sagt Gründerin Isabella Stadler, „jedes erzählt die Geschichte seines Landes.“ Die Stoffe aus Usbekistan werden dort etwa in kleinen Manufakturen gefertigt und in Mannheim genäht. Oft gibt es von einem Stück nicht mehr als 20 Exemplare. Ab 150 Euro kosten sie. Stadler, die selbst ursprünglich aus Armenien stammt, freut sich auf das Feedback und den Austausch mit den Kunden. Ihre Mode müsse man einfach anprobieren, findet sie, auch wenn sie einen Online-Shop habe.

Parallel wird auf der sogenannten Fashionsustain-Bühne viel geredet. Ob Interviews mit Fair Fashion Brands, Workshops mit textilen Siegelgebern, Talks mit Content Creators und Marken – an allen drei Tagen können sich die Besucher:innen umfassend informieren, mitdiskutieren und Impulse mitnehmen, um den eigenen Alltag noch nachhaltiger zu gestalten.

Heiko Wunder von der Marke Wunderwerk erklärt etwa am Samstag, um 11 Uhr, woran man Greenwashing erkennt. Weiter geht es mit einem Blick auf die lokale Fashionszene. Denn: Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet haben ein großes Angebot an nachhaltigen Brands – welche das sind, wo Frankfurter:innen einkaufen und welche Rolle dabei Nachhaltigkeit spielt, erfährt man um 11.20 Uhr. Um 15 Uhr wird der/die Designer:in des Jahres für nachhaltige Kollektionen ausgezeichnet. Am Sonntag um 11.20 Uhr dreht sich alles um ein besonders wichtiges und gesellschaftlich relevantes Thema – Diversität in der Mode.

Die Messe Neonyt in der Union Halle, Hanauer Landstraße 188, ist Samstag, 25. Juni, von 10 bis 20 Uhr und Sonntag, 26. Juni, bis 16 Uhr geöffnet, der Eintritt ist kostenlos, Informationen und das komplette Programm gibt es unter neonyt.com

Annabella Stadler (l.) zeigt die Stücke ihres Labels „Belle Ikat“ auf der Messe Neonyt.
Annabella Stadler (l.) zeigt die Stücke ihres Labels „Belle Ikat“ auf der Messe Neonyt. © Monika Müller
Nadine Schratzbergers Label „Montreet“ ist aus recyclebaren Materialien. Monika Müller
Nadine Schratzbergers Label „Montreet“ ist aus recyclebaren Materialien. Monika Müller © Monika Müller

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