1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt Fashion Week: Designer Maurice Martinez hat eine der wenigen realen Fashion-Shows

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Kathrin Rosendorff

Kommentare

Der Frankfurter Modedesigner Maurice Martinez mit einem Kleid aus seiner Kollektion. Maumar heißt sein Label. Foto: Peter Jülich
Der Frankfurter Modedesigner Maurice Martinez mit einem Kleid aus seiner Kollektion. Maumar heißt sein Label. © Peter Jülich

Maurice Martinez wächst in der Dominikanischen Republik in bescheidenen Verhältnissen auf. Nun präsentiert er bei der Frankfurt Fashion Lounge seine elegant, bunte Damen-Kollektion. Es ist eine der wenigen echten Veranstaltungen rund um die zweite Frankfurt Fashion Week.

Das Seidentüll-Kleid, auf dem bunte Stoffblumen und Stoffschmetterlinge aufgenäht sind, sieht aus wie eines, das Carrie Bradshaw in „Sex and The City“ tragen würde, um durch die New Yorker Nacht zu spazieren. Das Kleid hängt aber nicht in einer schnieken New Yorker Boutique, sondern an einer Schneiderpuppe des Frankfurter Designers Maurice Martinez. In seinem Atelier, das gleichzeitig sein Zuhause unweit des Merianplatzes ist, designt und näht der 39-Jährige alles selbst. Sein Modelabel heißt Maumar. Seine Damenmode ist mal karibikbunt, mal weiß, aber immer fröhlich wie elegant.

Zu sehen ist seine neue Kollektion am Mittwoch bei seiner Show im Hotel Sofitel unweit der Alten Oper. „Bislang habe ich vorwiegend Abendkleider designt. Aber bei meiner neuen Kollektion habe ich zum ersten Mal auch Röcke, Blusen, Hosen, Blazer, Mäntel entworfen. Also Kleidung, die Frauen auch im Alltag in der Stadt tragen können.“

Martinez’ Show ist Teil der Frankfurt Fashion Lounge: Eine der wenigen echten Veranstaltungen rund um die zweite Frankfurt Fashion Week, die an diesem Montag inmitten der Omikron-Welle eröffnet. Als Opening Act wird die Tänzerin Viktoria Nowak ein Kleid aus Martinez’ neuer Kollektion auf dem Catwalk präsentieren.

„Die Arbeit als Designer macht mich sehr glücklich“, betont Martinez. Das ist keine Floskel. Denn die Chancen, dass Martinez in der Modewelt landet, standen schlecht. Martinez ist in der Dominikanischen Republik in der Stadt La Romana geboren und aufgewachsen. Sein Vater, ein Sänger, verließ die Familie, da war Martinez drei Jahre alt. Er wuchs bei seiner Mutter, dem Opa und drei Geschwistern auf. „Meine Mutter war Friseurin. Sie hat hart gekämpft, um uns das Beste, was sie konnte, zu ermöglichen.“ Seine Mutter sei ein Vorbild, habe ihn zum Feministen gemacht.

Von klein auf habe er Kleider gezeichnet. „Meine besten Freundinnen sagten immer: Du musst mir mein Hochzeitskleid designen.“ Aber das Geld habe gefehlt, um in seinem Heimatland Modedesign zu studieren. „Es gab eine Designerschule in La Romana, aber die wollten Dollars, keine Pesos.“

Seine Mutter habe ihm erlaubt, obwohl sie sehr religiös war, dass er mit zehn Jahren eine Theatergruppe besuchte. Er bekommt ein Stipendium und geht als Jugendlicher mit der Theatergruppe in die Hauptstadt Santo Domingo. „Dort besuchte ich Kurse für Tanz und Schauspiel und hatte auch viele Auftritte.“ Mit 18 lernt er über die Theatergruppe auch Deutsche kennen, die sich mit ihm anfreunden und ihn nach Deutschland einladen. „Es war meine Tür nach Europa.“ Martinez besucht eine Sprachschule in Frankfurt und beschließt zu bleiben.

Maumar Termine und Shows

Persönliche Termine für die maßgeschneiderte Mode des Designers Maurice Martinez mit seinem Label Maumar können Kundinnen unter https://maumar.de vereinbaren.

Die Tickets für seine Show bei der Frankfurt Fashion Lounge im Sofitel an der Alten Oper sind bereits ausverkauft.

Martinez ist mit seiner Kollektion auch am 19. Januar, 12 bis 20 Uhr, im Showroom des Hotels. Der Eintritt ist kostenlos, aber auch hier muss man sich vorab pandemiebedingt anmelden. Es gilt 2G-Plus und FFP2-Maske: https://frankfurtfashionlounge.de

Sein Fachabitur macht er 2005 an der Fachschule für Mode und Bekleidung. „Damit verbunden war ein Praktikum in einem Kostümverleih. Die Ausbildung war damals eher theoretisch.“ Während seiner ersten Jahre in Deutschland nimmt er viele Minijobs an: „Ich habe gekellnert, in Hotels das Frühstück serviert, aber auch Toiletten geputzt. Alles, um meine Familie in der Dominikanischen Republik zu unterstützen.“

Aber auch in dieser Zeit habe er immer weiter Kleider gezeichnet. 2008 sagen ihm seine Freunde: „Du musst mit deinem Talent versuchen, Modedesign zu studieren.“ Er bewirbt sich in Berlin an der privaten Designschule „Best-Sabel“. Seine Mappe überzeugt und er bekommt ein Stipendium. Aber während der Ausbildung habe er viel Unschönes erlebt: „Es kamen nicht nur Sprüche, weil ich eben anders aussah, sondern auch, weil ich schon 28 Jahre alt war. Die meisten meiner Mitschüler waren erst 18. Sie sagten: ,Was machst du in deinem Alter hier?‘“ Auf Partys fragten ihn Leute. „Du kannst Deutsch? Wie lustig.“ Das habe ihn fast mehr verletzt als die ausländerfeindlichen Sprüche. „So als ob sie mir nichts zutrauen würden.“

Drei Monate nach seinem Abschluss kehrt er im Sommer 2011 nach Frankfurt zurück. „Berlin hat es nie geschafft, dass ich mich zu Hause fühle. Frankfurt stand immer an erster Stelle.“ Als er zurückkehrt, jobbt er erst mal weiter: „Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich während meiner Ausbildung meiner Mutter kein Geld schicken konnte.“ Erst 2015, vier Jahre nach seinem Abschluss, gründet er schließlich sein eigenes Modelabel Maumar.

Seine favorisierten Stoffe seien Merinowolle, reine Wolle, Seide sowie Tüll. Alles ist maßgeschneidert, die Kundinnen kommen persönlich zur Beratung vorbei, die Modelle werden individuell angepasst. „Ich schaue, welche Farbe, aber auch welche Länge des Kleides zu der Frau passt.“ Wichtig sei ihm, dass seine Mode nachhaltig sei.

So wie beim rot-weiß-karierten Wollmantel seiner neuen Kollektion. „Der Stoff ist aus einem Inneneinrichtungsladen in der Innenstadt, es waren Restposten, die sonst vermutlich auf der Müllhalde gelandet wären.“ Martinez allererste Kollektion sei zunächst Fast Fashion gewesen, erzählt er. Aber das habe er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren können. Als er Kind war, hätten seine Nachbar:innen in den Fabriken in seiner Heimatstadt La Romana gearbeitet, wo Fast Fashion meist für den US-amerikanischen Markt produziert wurde. „Meine Mutter hat auf die Kinder aufgepasst. Die Eltern haben sieben Tage die Woche von Morgengrauen bis nachts für einen Hungerlohn gearbeitet. So eine menschliche Schweinerei kann ich nicht unterstützen.“

Martinez’ Blusen kosten zwischen 175 und 250 Euro, Kleider fürs Büro zwischen 300 und 400 Euro. Das Seiden-Tüllkleid mit der Korsage und den bunten Applikationen koste, wenn sich das eine Frau für sich anfertigen lasse, 1800 Euro.

Vor wenigen Wochen probierte Tänzerin Viktoria Nowak das rosa Paillettenkleid, das nun auf einem Bügel im Atelier hängt, für Fotos an. „Das wird sie aber nicht bei der Show tragen. Ihr Outfit soll eine Überraschung sein“, sagt Martinez und lacht.

Auch interessant

Kommentare