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Frankfurt: Fangfrisch in Griesheim

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Von: Oliver Teutsch

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Betriebsleiter Ulrich Wittur (r.), Fischfachverkäufer Cam Tugay und ein norwegischer Lachs in Deutschlands bester Fischtheke.
Betriebsleiter Ulrich Wittur (r.), Fischfachverkäufer Cam Tugay und ein norwegischer Lachs in Deutschlands bester Fischtheke. Müller (3) © Monika Müller

Deutschlands beste Fischtheke steht laut einer Fachjury in Frankfurts Westen. Im Frischeparadies gibt es 120 Fischsorten frisch. Großer Ansturm vor Weihnachten.

Entspannt geht es zu am Dienstagvormittag im Frischeparadies in Griesheim. Nur etwa ein Dutzend Einkaufswagen werden durch die Gänge geschoben, an der Kasse ist kaum etwas los. Doch schon bald wird es mit der Beschaulichkeit vorbei sein, weiß Betriebsleiter Ulrich Wittur: „Das ist die Ruhe vor dem Sturm.“

Denn in den Tagen vor Weihnachten ist in dem Feinkosthandel am meisten los. „Freitag ist der umsatzstärkste Tag des Jahres“, so Wittur, der am Tag vor Heiligabend mit etwa 1200 Kund:innen rechnet.

Das Aushängeschild im Frischeparadies ist die Fischtheke. 120 Fischsorten gibt es hier am Mittwoch zu kaufen. Nicht nur wegen der immensen Auswahl, sondern auch wegen der gelungenen Präsentation und dem fachkundigen Personal hat die Redaktion des Fischmagazins die Branchenauszeichnung „Seafood Star“ Anfang Dezember an das Frischeparadies vergeben. Deutschlands beste Fischtheke steht nicht in Hamburg, Rostock oder Bremerhaven, sondern in Frankfurt-Griesheim.

Bereits seit 1994 gibt es dort fangfrischen Fisch zu kaufen. Zuvor war der Betrieb unter dem Namen „Edelfisch“ am Güterbahnhof ansässig. „Damals hat man noch den Gleisanschluss gebraucht, um die Ware möglichst frisch zu bekommen“, sagt Wittur. Heute läuft das alles über den Frankfurter Flughafen. Auch die gesamte Logistik. Die ankommende Ware mit Fisch aus allen Weltmeeren wird dort umgeschlagen und verladen, sodass morgens um sechs Uhr nur ein Lastwagen auf den Hof fährt und nicht 30. Der Lkw ist dann aber auch voll, denn das Frischeparadies beliefert zu 75 Prozent Geschäftskunden wie Hotels, Restaurants oder Caterer. „Wir sind der Gastro-Lieferant Nummer eins in Frankfurt“, sagt Wittur. Daher kommen täglich zwischen 600 bis 800 Kilo Lachsfilet in der Lärchenstraße an. Nur dank der Geschäftskundschaft ist es möglich, auch Privathaushalten täglich eine solch große Auswahl zu bieten.

Überfischung

Der BUND rät vom Verzehr bedrohter Arten wie etwa dem Aal ab, denn der Europäische Aal steht bereits seit 2008 auf der internationalen Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“. Viele Fischarten sind von Überfischung betroffen.

Einige „Speisefische“ fallen jedoch nicht darunter. Der World Wildlife Fund (WWF) hat in seinem „Einkaufsratgeber Fische und Meeresfrüchte“ mithilfe eines Ampelsystems die Situation der Arten in den jeweiligen Fanggebieten eingeordnet. https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Fischratgeber.pdfote

Das Frischeparadies hat aber noch mehr zu bieten als Fisch und Meeresfrüchte. Im Einkaufswagen eines älteren Ehepaars aus Hofheim finden sich vor allem Käse und Gemüse. „Wir waren schon Kunden, als der Laden noch am Güterbahnhof war“, sagt der Mann. In den vergangenen Jahren sei es hier aber ganz schön teuer geworden, ergänzt die Gattin. Dennoch kämen sie ab und an aus Hofheim, um Ware zu kaufen, die es nicht überall gebe. „Die Tomatenauswahl ist grandios“, lobt die Gattin.

In Sachen gestiegene Preise muss Betriebsleiter Wittur der Kundin recht geben. „Die Rohstoffpreise sind massiv gestiegen“, bedauert er. Dazu kommen die Inflation und gestiegene Transportkosten. „Wir sind letztlich auch nur ein Teil der Kette.“

Wittur hat Betriebswirtschaft studiert, was bei einem Betrieb mit 75 Beschäftigten durchaus hilfreich ist. Er hat aber auch schon als Student in einer Lachsräucherei gearbeitet und daher früh eine Affinität zu Lebensmitteln entwickelt. Ein Metier, das so seine Tücken hat. Am Dienstagmorgen klingelte sein Handy bereits um 5 Uhr. Wegen eines Sturms über Island gingen keine Flüge raus, Ware aus Island wie Kabeljau oder Rotbarsch wird es an diesem Tag nicht geben, der Betriebsleiter muss umdisponieren. „Es ist sehr herausfordernd, in der Frische zu arbeiten, es sind halt keine Schrauben“, sagt er.

Ins Frischeparadies integriert ist ein Bistro. Auf den Tischen stehen überall „Reserviert“- Schilder. „Wir sind bis Weihnachten ausgebucht“, sagt Wittur. Dabei hat das Bistro nur mittags auf. Doch die Atmosphäre in dem Schlemmerparadies ist so einladend, dass viele den Einkauf mit einer Einkehr verbinden und umgekehrt. Am Vormittag sind die Tische noch leer, doch der Ansturm kommt bald.

Hummer gibt es auch in Griesheim an der Fischtheke.
Hummer gibt es auch in Griesheim an der Fischtheke. © Monika Müller
So intelligent und wird trotzdem gegessen: Tintenfische.
So intelligent und wird trotzdem gegessen: Tintenfische. © Monika Müller

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