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Der Hamburger Geschäftsmann Alexander Falk.

Justiz

Frankfurt: Falk-Prozess geht in die nächste Runde

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Der Prozess gegen den Unternehmer Alexander Falk ging am Mittwoch in Frankfurt in die nächste Runde. Am Donnerstag soll Falks ehemaliger Verteidiger vor Gericht aussagen.

Eines muss man dem Frankfurter Polizisten, der am Mittwoch erneut im Prozess gegen den Hamburger Unternehmer und Millionenerben Alexander Falk als Zeuge aussagte, lassen: Er macht das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ehrenamtlich. Das ist zwar an und für sich in Strafprozessen so üblich, aber in diesem Prozess keine Selbstverständlichkeit.

Falk muss sich in dem Prozess als mutmaßlicher Auftraggeber eines versuchten Mordes an dem Frankfurter Rechtsanwalt Wolfgang J. verantworten. J., der an einer millionenschweren Zivilklage gegen Falk arbeitete, war im Februar 2010 von einem Unbekannten ins Bein geschossen worden. Die Anklage geht davon aus, dass der darüber nicht gerade erbaute Falk seinen sinistren Geschäftskumpanen, den Gebrüdern B., den Auftrag erteilt hatte, J. auszuschalten. Die B.s, einst feste Größen in der organisierten hansestädtischen Kriminalität, haben sich mittlerweile aus vielen guten Gründen in ihre ostanatolische Heimat abgesetzt. Die Zeugen aber stammen außer B. fast ausnahmslos aus diesem hochkriminellen Umfeld und waren mehr oder weniger Handlanger der B.s.

Mit Zeugenaussage Geld verdient

Das gilt auch für den Hauptbelastungszeugen Etem E., der nach eigenen Angaben „Fahrer“ der B.s gewesen sein will. E. ist zumindest der Einzige, der mit seiner Zeugenaussage nachweislich Geld verdient hat – nämlich die 100 000 Euro, die die Kanzleien, für die J. gearbeitet hatte, für die Verurteilung des Täters ausgesetzt hatten. Zwar sind weder Falk noch sonstwer bislang verurteilt, die 100 000 Euro aber hat E. trotzdem bereits kassiert – und zählt damit nach eigenen Angaben zu den Geringverdienern unter den Zeugen.

Denn da wäre auch noch sein ehemaliger Freund und „Neffe“ Serhad Y., auch so ein Gebrüder-B.-„Fahrer“. Y. hatte anfangs auch behauptet, dass Falk den Mord an J. in Auftrag gegeben habe, vor Gericht seine Aussage aber dann überraschend zurückgezogen und gesagt, E. habe ihn unter Druck gesetzt und zur Falschaussage gezwungen, nun aber habe er seine Liebe zur Wahrheit entdeckt. E. behauptet, hinter Y.s Sinneswandel stecke nicht die Liebe zur Wahrheit, sondern zum Mammon: Falk habe seinem „Neffen“ über seine Anwälte eine Millionensumme versprochen, falls er seine Aussage zurückziehe. Beweise dafür gibt es nicht.

Und dann wäre da noch der Hamburger Kleinganove A., der in der Kanzlei von Falks Verteidiger Björn Gercke angerufen, sich als Serhad Y. ausgegeben und gegen die Zahlung von ein paar Millionen Euro entlastendes Material angeboten hatte. Gercke hatte einem Treffen zugestimmt und die Polizei darüber informiert, die A. kurz nach dem Treffen in der Kölner Kanzlei hopsnahm. Der fühlte sich offenbar nicht bloß von der Staatsmacht, sondern auch vom kleinen Hunger gepackt, jedenfalls zerbiss er eine mitgeführte Speicherkarte. Die Ermittler verhinderten das Hinunterschlucken. Das Landeskriminalamt versucht derzeit, die traurigen Datenkrümel wieder zusammenzukleistern, bislang vergeblich.

Erhöhte Kontaktfrequenz

Da ist es doch mal eine Wohltat, einem Zeugen zu lauschen, der über ein regelmäßiges legales Einkommen verfügt. Viel Neues konnte der Ermittler am Mittwoch aber auch nicht mehr erzählen. Er bestätigte nur noch einmal die durch Chats bewiesene, gesellschaftlich aber völlig indiskutable Mesalliance zwischen dem Patrizier Falk und den Berufsverbrecher-Brüdern B. Zudem berichtete er von einer erhöhten Kontaktfrequenz zwischen beiden Parteien, nachdem die Schüsse auf J. im Jahr 2010 Thema in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ gewesen waren.

Für den heutigen Prozesstag wird der Kölner Anwalt Daniel Wölky als Zeuge erwartet, der vermutlich auch von dem Gespräch mit A. berichten soll. Wölky war bis vor kurzem auch ein Verteidiger in Falks Prozess und Mitglied von Gerckes Kanzlei, ist aber mittlerweile aus beiden ausgeschieden. Aber ähnlich wie bei dem Frankfurter Polizisten kann bei ihm getrost davon ausgehen, dass er seine Aussage honorarfrei tätigen wird.

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