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Frankfurt: Faire Kleider machen Leute

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Von: Thomas Stillbauer

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Fair bleiben, auf Kinderarbeit aufmerksam machen. Maiken Laackmann (links) und Jaya Bowry.
Fair bleiben, auf Kinderarbeit aufmerksam machen. Maiken Laackmann (links) und Jaya Bowry. © christoph boeckheler*

Passend zur Modewoche haben die „Fair Fashion Days“ für Nachhaltigkeit begonnen. Viele Veranstaltungen bis in den Juli.

Fair geht’s zu am Montagnachmittag, außer von oben. Da muss es nach gefühlt zehn Jahren Dürre ausgerechnet beim Info-Spaziergang zu den „Fair Fashion Days 2022“ regnen, dünn, aber stetig. Na, wenn’s der Natur hilft.

Umso fairer arbeitet Michelle Holstein seit 18 Jahren in ihrem Second-Hand-Kinderwarenladen „Matilda“, Ecke Laube-/Schifferstraße, der ersten Station der fairen Sachsenhausen-Tour. „Mein Laden ist einfach sinnvoll für Nachhaltigkeit“, sagt sie ebenso selbstbewusst wie sympathisch. „Kinder wachsen so schnell!“, wer kennt das nicht, und Kleidung aus zweiter Hand vermeide die gesamte Schattenseite der Produktion, vom Resourcenverbrauch bis zum Abfallberg.

„Matilda“ ist eine von fünf Stationen der Ausstellung „Fashion im Kiez“ (Brücken- und Schifferstraße), die bis zum 3. Juli läuft. An jedem der Läden thematisieren Infotafeln ein Thema, beispielsweise die Arten von Fasern, die zur Kleiderproduktion verwendet werden. Manche sind grausam, wenn Tiere dafür leiden, manche erfordern Pestizide, andere verbrauchen Erdöl und hinterlassen schädliche Reste. 35 Prozent der Mikroplastikvorkommen im Meer werden durch Kleidung verursacht, sagt Jaya Bowry von der gemeinnützigen Gesellschaft „Lust auf besser leben“, einer der zahlreichen Organisatorinnen der fairen Modetage.

Apropos viele Beteiligte. Mit dabei beim Spaziergang am Montag ist etwa Ursula Artmann vom Weltladen Bornheim. Sie präsentiert das derzeit führende Kleid bei der Wahl zum besten „Fair Fashion Outfit“, einen Traum in Blau, hergestellt in einem Kleinbetrieb in Kathmandu, der kastenübergreifend Personal beschäftigt. „Auch das macht Fair Trade aus“, sagt Artmann, das Soziale, nicht nur das Material. Stammt übrigens vom Eukalyptusbaum.

Gut gekleidet – und fair

Drei weitere Kleidungsstücke stehen fürs „Fair Fashion Outfit“ zur Wahl, in den Weltläden Bockenheim, Alte Gasse und in der Bürgerberatung in der neuen Altstadt. Ein QR-Code leitet dort jeweils zum Abstimmungsportal. Das siegreiche Kleidungsstück läuft am Mittwoch mit bei der fairen Modenschau auf der Straße.

Apropos QR-Code. Das ist bekanntlich so ein wirres Quadrat, das im Smartphone die dollsten Dinge auslöst, wenn man’s scannt. Die Künstlerin Maiken Laackmann hat unter anderem am Spielplatz an der Schifferstraße so einen Code hinterlassen. Er macht das Mobiltelefon zum Arbeitsraum einiger Näherinnen. Man kann virtuell selbst durch die Reihen gehen, wo immer man ist, sich befremdlich fühlen, „ich komme mir vor wie eine Aufseherin“, sagt Laackmann, und nebenbei Fakten erfahren wie: Zehn Prozent aller Kinder von fünf bis 14 Jahren in Bangladesch arbeiten. Unfair.

Apropos Kinderarbeit. Zu den Fair Fashion Days gehört auch ein Open-Air-Kino an diesem Dienstag und am Mittwoch mit dem Film „Made in Bangladesh“, für den Gunter Volz wirbt, Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung: „Das Elend vieler Näherinnen tragen wir am Leib.“

Für die fairen Modetage werben außerdem Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff (Grüne) in seiner Eigenschaft als Verantwortlicher für fairen Handel und Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Frankfurter Wirtschaftsförderung. Beide loben das faire Miteinander von Fashion Week und Fair Fashion Days. „Was Frankfurt auszeichnet, ist, dass wir Dinge nicht aneinander vorbei, sondern gemeinsam machen“, sagt Schwebel. Und Bergerhoff: „Je mehr Menschen mitmachen, desto schöner.“ Das, sagt er, entspreche dem Fairtrade-Gedanken. Und der Regen lässt auch langsam nach. Fair genug.

Programm: frankfurtnachhaltig.de/ kampagnen/fair-fashion-days

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