Marc Denfeld mit E-Bikes im Geschäft in Bad Homburg.
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Marc Denfeld mit E-Bikes im Geschäft in Bad Homburg.

Fahrradhändler berichten

Corona in Frankfurt und Umgebung: „Fahrräder sind die Nachfolger des Toilettenpapiers“

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Der Frankfurter Fahrradhändler Marc Denfeld kann sich seit Beginn der Corona-Krise vor Kunden kaum retten.

  • In Frankfurt herrscht noch immer die Corona-Krise
  • Ein Fahrradhändler berichtet vom Kundenansturm auf seinen Laden
  • Vor allem Reparaturen sind gefragt wie nie

Frankfurt - An Samstagen stehen die Menschen schon einmal über den ganzen Parkplatz. „Wenn die Schlangen zu lang sind, versorgen wir unsere Kunden draußen mit Wasser, Gummibärchen oder Regenschirmen“, erzählt Marc Denfeld, Geschäftsführer des Fahrradgeschäfts Denfeld. Wie viele in der Fahrradbranche profitiert auch der Familienbetrieb in Bad Homburg von der Corona-Krise. „Im Mai waren ungefähr doppelt so viele Kunden da wie sonst in diesem Monat“, erzählt Denfeld.

Familienbetrieb in Bad Homburg - Auch in Corona-Zeiten krisensicher

Der 31-jährige stieg gleich nach dem Studium der Business Administration in das Geschäft seines Vaters und seines Onkels ein, das sein Großvater schon im Jahr 1982 gegründet hatte. Seit 2013 gibt es den Standort mit 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche im Gewerbegebiet in der Urseler Straße in Bad Homburg.

„Es ist gut, wenn man das Geschäft weiterführen kann“, sagt Denfeld, der schon als Kind häufig im Laden seines Großvaters war. Er ist im Unternehmen für Einkauf, Marketing und Controlling zuständig, ab dem ersten Juli unterstützt er offiziell auch seinen Vater und seinen Onkel als Geschäftsführer. „Ich bin mit dem Produkt Fahrrad aufgewachsen, deshalb habe ich da eine gewisse Leidenschaft.“ Außerdem, fügt er hinzu, erweise sich sein Job gerade als krisensicher.

Corona in Frankfurt: Laden muss zunächst schließen

Zu Beginn der Corona-Krise musste der Laden zwar zunächst schließen, nur die Werkstatt hatte durchgehend geöffnet. Als das Geschäft dann Ende April wieder öffnen durfte, standen die Leute aber sofort Schlange. „Im Lockdown und danach wollten sich viel draußen beschäftigen. Da liegt nichts näher als das Fahrrad“, sagt Denfeld. „Fahrräder sind die Nachfolger des Toilettenpapiers.“ Ganze Familien statteten sich aus. „Es gibt einen Boom bei Kindersitzen.“ E-Bikes sind gerade im Taunus ebenfalls beliebt. „Dadurch, dass jetzt viele neu mit dem Radfahren anfangen, wird dieser Trend noch verstärkt“, vermutet Denfeld.

Auch Reparaturen sind gefragt, die Werkstatt ist bis August ausgebucht. „Wir machen Doppelschichten und Überstunden, alle sind an der Belastungsgrenze“, erzählt Denfeld. Insgesamt arbeiten 90 Mitarbeiter in dem Unternehmen, davon 50 im Verkauf.

Corona führt zu langen Lieferzeiten bei einzelnen Modellen

Obwohl es auch bei den Fahrradherstellern längere Lieferzeiten gibt und einzelne Modelle ausverkauft sind, beruhigt er: „Wir haben genügend Fahrräder.“ Trotz der Ladenschließung im März habe man keine Bestellungen storniert, das komme dem Geschäft jetzt zugute.

Denfeld hofft, dass sich die Kunden nicht von den Warteschlangen abschrecken lassen, denn die kommen teilweise auch durch die Corona-Vorschriften zustande. Weil die meisten Kunden im Geschäft beraten werden wollen, lassen die Mitarbeiter viel weniger als die erlaubten 150 Menschen gleichzeitig in den Laden.

Velo in Frankfurt wegen Corona als Online-Event

Auf der Fahrradmesse Velo, die heute aufgrund der Corona-Krise als Online-Event beginnt, wäre Denfeld eigentlich vor Ort vertreten gewesen. Jetzt unterstützt das Unternehmen die Veranstaltungswoche als Sponsor. Ansonsten machen die Denfelds gerade überhaupt keine Werbung: „Wir wollen die Kunden nicht extra herlocken, nur damit sie dann hier in der Schlange stehen“, sagt der 31-Jährige.

Ob Fahrräder auch nach der Corona-Krise so beliebt bleiben werden? „Ich denke schon, dass viele auf den Geschmack gekommen sind, auch als Ersatz für den ÖPNV“, antwortet Denfeld. Aber so wie jetzt werde es nicht bleiben.

Er selbst bezeichnet sich als „Schönwetterradler“. „Früher bin ich Rennen gefahren“, erzählt Denfeld. Jetzt komme er nicht mehr so viel dazu, fährt aber gerne E-Bike . „Dann bin ich so schnell, wie ich früher mit dem Rennrad war“, lacht er. fme

Die Velo Frankfurt Week vom 15. bis zum 21. Juni

Ist das Rad jetzt systemrelevant? Darüber diskutieren heute der hessische Verkehrsstaatssektretär Jens Deutschendorf und die Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther auf Zoom. 

Über die Fahrradstadt Frankfurt sprechen Joachim Hochstein, der Leiter des Frankfurter Radfahrbüros, Heiko Nickel vom Radentscheid Frankfurt und Sandra Wolf vom Radhersteller Riese und Müller Am Mittwoch, 17. Juni , spricht Günther Gräning vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) im Hochtaunus über seine Lieblingsrouten durch den Regionalpark Rhein-Main. Um kostenlose Leihlastenräder geht es am Sonntag, 21. Juni. Außerdem gibt es eine Fahrrad-Schnitzeljagd, ein Indoor-Radfahr-Training sowie ein virtuelles Fahrradrennen.

Alle Veranstaltungen gibt es unter www.velofrankfurt.com

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