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Frankfurt: Fahrradläden klagenüber Lieferprobleme

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Von: Steven Micksch

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Die Kundschaft steht im Frühling vor den Geschäften Schlange, doch die Wartezeiten auf Ersatzteile sind lang. Die Händler raten teilweise sogar zum Kauf im Internet.

Spätestens wenn die Temperaturen im Frühling ansteigen und die Sonne wieder öfters scheint, satteln viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes wieder aufs Fahrrad um. Wer nicht auch im Winter in die Pedale tritt, holt jetzt das Fahrrad hervor und bringt es auf Vordermann.

Die Fahrradgeschäfte in Frankfurt merken dies bereits. Deutlich mehr Kundschaft komme jetzt zum Einkauf oder zur Reparatur. „Schon seit einiger Zeit ist bei uns viel los“, sagt Björn Stahl, Mitarbeiter im Kettenesel in Sachsenhausen. Der steigenden Nachfrage stünden aber die massiven Lieferprobleme von Ersatzteilen entgegen. „Gerade als kleiner Händler hat man es schwer.“ Wenn Stahl beispielsweise Ketten, Bremsanlagen oder Ritzel bestellen wolle, bekomme er durchaus häufig gesagt: „Geliefert wird im Herbst.“ Schneller verfügbar seien hingegen die hochpreisigen Ersatzteile.

Aber nicht nur bei Einzelteilen gebe es zunehmend Wartezeiten, auch bei neuen Fahrrädern könne es durchaus dauern. „Fahrräder sind gar nicht mehr so einfach zu bekommen.“ Gerade wenn man genaue Vorstellungen und Wünsche habe und keine Alternative will, könne es schwierig sein. Die Zeiten in denen man ins Geschäft ging, sich ein Rad aussuchte und wenige Tage später hatte, seien vorbei. Ein Grund dafür sei sicherlich auch die steigende Nachfrage nach Rädern. „Seit zwei Jahren bemerkt man, dass viele von anderen Verkehrsmitteln umsteigen“, sagt Stahl. Das Fahrradgeschäft boomt. Dass die steigenden Benzinpreise einen spürbaren Anstieg der Nachfrage bewirken werden, glaube er aber nicht.

Auch Erhan Kotan, Verkaufsleiter in der Fahrradwerkstatt „Schraube und Rad“ in der Eckenheimer Landstraße, sieht Fahrradfahren klar im Trend. „Der Trend geht sogar zum Zweit- oder Drittrad“, sagt er. Neben dem Standardbike kommen E-Bike, Lastenrad, Mountainbike oder auch Rennrad hinzu. „Und die alle müssen irgendwann zum Service kommen.“ Kotan hat selbst sieben Fahrräder und liegt damit sehr wahrscheinlich über dem Durchschnitt. Das mache auch die Werkstatt so besonders: Dort schrauben leidenschaftliche Radfahrer für andere Radler – wenn sie denn dürfen.

Denn auch die Werkstatt im Nordend klagt über Lieferprobleme. „Seit der Pandemie ist es schwierig, Ware zu bekommen.“ Egal ob bei Reifen oder Bremsbelägen, 10er Kassetten für die Gangschaltung seien beim Großhändler gar nicht zu bekommen. „Die Ware kommt meist schleppend.“ Das sei auch für die Kundschaft frustrierend, wenn sie ewig warten müsse. So kommt es vor, dass Kotan und sein Team den Kund:innen sagen, dass sie das Ersatzteil selbst im Internet bestellen und dann zur Montage in die Werkstatt kommen sollen. „So verdienen wir wenigstens noch etwas und verlieren den Kunden nicht.“

Wer nicht lange warten will, müsse zum teuren Produkt greifen. Diese seien noch verfügbar. „Aber was ist der Kunde bereit zu bezahlen?“ Pedale für 80 Euro seien dann keine Seltenheit.

Auch bei den Neurädern herrscht Mangel. Das Geschäft habe sich daher auf gebrauchte Fahrräder spezialisiert, um immer Räder im Angebot zu haben. „Wir haben alle Hände voll zu tun.“ Jetzt im März stünden die Kunden bereits am Morgen Schlange vor der Werkstatt. In der Hauptsaison öffne man dann sogar früher und habe länger offen. Für einen Platten brauche man sogar keinen Termin und könne einfach vorbei kommen. Bei „Schraube und Rad“ gelte eben das Motto „Mache mer schon“ – wenn die Ersatzteile denn pünktlich eintreffen.

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