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Jürgen Ohrmann (Fischhaus Ohrmann,links) sieht den Umbau kritisch, Kai Greinus betont die Vorteile.
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Jürgen Ohrmann (Fischhaus Ohrmann,links) sieht den Umbau kritisch, Kai Greinus betont die Vorteile.

Mobilität

Fahrradfreundlicher Oeder Weg – ja oder nein?

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
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Jürgen Ohrmann von Fischhaus Ohrmann und Kai Greinus von Braustil diskutieren über die Umgestaltung des Oeder Wegs in Frankfurt.

Der Oeder Weg soll eine von elf fahrradfreundlichen Nebenstraßen werden. So sieht es die Koalition vor. Die Pläne hat das Straßenbauamt vorgestellt, auf der Webseite des Radfahrbüros, im Ortsbeirat, in einer kleinen Ausstellung am Oeder Weg. Das Echo im Ortsbeirat war geteilt. Unter den Einzelhändlern kann Kai Greinus vom Brauhaus Braustil dem Umbau viel abgewinnen, Jürgen Ohrmann vom Fischhaus Ohrmann sieht seinen Umsatz bedroht.

Herr Ohrmann, was halten Sie davon, den Oeder Weg fahrradfreundlicher zu machen?

Ohrmann: Grundsätzlich ist das keine schlechte Idee. Die Frage ist, wie die Stadt sie kommuniziert, und wie sie mit dem Viertel harmoniert. Da sehe ich Probleme.

Was sind Kritikpunkte?

Ohrmann: Wir Anlieger wurden zunächst überhaupt nicht in Kenntnis gesetzt. Ich bin erst darauf gestoßen, als die kleine Ausstellung im Oeder Weg stand.

Herr Greinus, was halten Sie vom Umbau?

Greinus: Ich finde die Idee gut. Man sieht täglich, dass der Oeder Weg morgens als Haupteinfall-straße genutzt wird. Bei uns auf der Ecke gibt es dann Stau mit Lkw, Autos, Anlieferungsverkehr. Der Umbau würde meiner Ansicht nach auch der Gastronomie helfen, die mehr Außenfläche bekäme. Ich könnte mir den Oeder Weg auch sehr gut als Einbahnstraße vorstellen. Damit wären den Radfahrern geholfen. Die Autos kämen immer noch durch, wenn auch nur in eine Richtung.

Rund ein Drittel der Parkplätze soll wegfallen. An der Holzhausenstraße soll es keine Durchfahrt mehr geben, im Süden wäre die Einfahrt nur noch vom Anlagenring aus möglich, nicht mehr aus Richtung Eschenheimer Tor. Kommen viele Kundinnen und Kunden mit dem Auto?

Ohrmann: Wir haben zahlreiche Kunden, die mit dem Auto kommen. In meinem Geschäft sind das schätzungsweise 35 oder sogar 40 Prozent am Tag. Die kommen vom Dornbusch, aus Eckenheim oder aus dem Nordend. Das Viertel wird für die Nahversorgung angefahren. Wenn das wegfällt, bricht der Umsatz ein.

Greinus: In unsere Bar kommen mehr Kundinnen und Kunden mit dem Fahrrad oder zu Fuß, kaum welche mit dem Auto. Wir haben jetzt schon genug Platz für unsere Außengastronomie. Für uns wäre ein Wegfall von Parkplätzen unerheblich.

Die Fachhochschule Erfurt hat 2019 in einer Studie mit mehreren Städten, unter anderem Offenbach, nachgewiesen, dass übers Jahr gerechnet mehr Kundinnen und Kunden zu Fuß, mit dem Rad oder der Bahn in Läden in Einkaufszonen kommen und mehr Geld da lassen als Kunden und Kundinnen, die im Auto kommen. Können Sie das bestätigen?

Ohrmann: Ich kenne meinen Stadtteil,und ich kann Ihnen sagen: Der Stadtteil funktioniert so nicht. Wenn Sie beobachten, wie viele Menschen gegenüber kurz parken, ihre Fotoabzüge holen, Kontoauszüge, Orangen, belegte Brötchen und dann weiterfahren, das werden Hunderte sein.

Für diese Menschen sollte es weiterhin Kurzeitparkplätze geben?

Ohrmann: Ja. Mir leuchtet das verkehrspolitische Konzept der Stadt nicht ein, es ist nicht ausgewogen. Wenn man den Durchgangsverkehr aus der Straße heraushaben will, kann man die Straße morgens im Berufsverkehr temporär sperren, mit einer Ampel oder einer Schranke.

Die Menschen, die Situation

Zur Person Jürgen Ohrmann ist 55 Jahre alt führt die Geschäfte im Fischhaus Ohrmann, das seit 1960 auf dem Oeder Weg existiert. Kai Greinus ist 34 Jahre alt und leitet den Betrieb der Brauerei Braustil auf dem Oeder Weg. Die Pläne Die Stadtverordneten haben mit dem Programm „Fahrradstadt Frankfurt“ unter anderem beschlossen, 45 Kilometer Radwege zu bauen und elf Nebenstraßen fahrradfreundlich zu machen. Der Oeder Weg wäre die erste fahrradfreundliche Nebenstraße. Rund ein Drittel der Parkplätze würde wegfallen, von derzeit 214 blieben 135. Am Anlagenring und an der Holzhausenstraße wäre die Durchfahrt für Fahrzeuge beschränkt. Geplant sind mehr Außenflächen für die Gastronomie, mehr Fahrradstellplätze, mehr Platz für Fußgänger:innen, mehr Verweilflächen, mehr Grün. Die Straße soll zunächst provisorisch umgestaltet werden, falls sich die Umgestaltung bewährt, dauerhaft. Im Internet sind die Pläne zu finden unter https://www.radfahren-ffm.de/608-0-Fahrradfreundlicher-Oeder-Weg.html. Anregungen nimmt die Stadt per Mail entgegen: oederweg@stadt-frankfurt.de.

Greinus: Ich finde es auch nicht sinnvoll, die Straße an der Holzhausenstraße oder von der Innenstadt kommend für Autos komplett zuzumachen. Dann fahren die Autos andere Routen, was die Anwohnerinnen und Anwohner dort belastet.

In der Braubachstraße hat die Stadt die Außengastronomie erweitert und dafür Parkplätze weggenommen. Etwas Ähnliches ist nun für den Oeder Weg geplant. Das müsste Ihnen doch entgegenkommen.

Ohrmann: Die beiden Straßen kann man nicht vergleichen. Die Braubachstraße liegt in der Altstadt, umgeben von Museen, durchkreuzt von der Straßenbahn. Der Oeder Weg ist ein Zentrum des Stadtteils und lebt davon, dass Kundinnen und Kunden hier einkaufen können. Wenn man den Stadtteil vom Verkehr abschneidet, stirbt der Stadtteil. Eine Aufwertung der Außengastronomie gleicht das nicht aus.

Greinus: Ich halte die Grundidee, Parkplätze wegzunehmen und mit Sitzbänken oder Außengastronomie zu ersetzen, für richtig. Das würde das gastronomische Flair erhöhen, ähnlich wie auf der Berger Straße.

7000 Autos fahren täglich über den Oeder Weg, vor allem in der Morgenspitze, 4000 Radfahrerinnen und Radfahrer sind unterwegs, über den Tag verteilt. Ist das keine interessante Zielgruppe?

Ohrmann: Die Radfahrer kommen doch sowieso. Das werden auch nicht unbedingt mehr, nur weil sie hier leichter und sicherer fahren können. Zumindest nicht in den Wintermonaten.

Was sagen Ihre Kundinnen und Kunden zum Thema?

Ohrmann: Der Umbau wird von unseren Kunden größtenteils nicht goutiert. Die haben Angst, dass sich etwas verändert und sie nicht mehr mit dem Auto in den Stadtteil kommen, dass der Oeder Weg zugemacht wird.

Greinus: Bei uns nehmen wir diese Sorgen so nicht wahr, denn die meisten Gäste kommen nicht mit dem Auto.

Die Diskussion über den Umbau des Oeder Wegs fällt mitten in die Corona-Krise. Wie geht es Ihnen wirtschaftlich?

Ohrmann: Wir durften offen bleiben und kommen mit einem blauen Auge davon. Trotzdem haben wir 50 Prozent weniger Umsatz.

Greinus: Wir sind ein verarbeitender Betrieb und dürfen im Lockdown momentan freitags und samstags öffnen. Aber im Januar verzichten viele auf Alkohol, Stichwort „dry january“. Normalerweise sitzen bei uns im Biergarten bis zu 100 Gäste, jetzt können wir Platz für 20 bis 30 Gäste anbieten. Die Pizzeria nebenan trifft es noch härter: Sie hat nur Take away.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels: Muss sich die Mobilität nicht verändern?

Ohrmann: Es geht nicht darum, dass alles so bleibt, wie es ist. Ich selbst fahre 60 bis 70 Prozent Fahrrad. Man sollte die Straße für Radfahrer sicherer und angenehmer machen. Aber die Pläne für den Oeder Weg überzeugen mich nicht.

Greinus: Die Veränderungen müssten meiner Ansicht nach noch großflächiger erfolgen. Aber selbst kleine Maßnahmen wie die Sperrung des Mainkais hat die Stadt im vergangenen Jahr wieder rückgängig gemacht. Den Oeder Weg umzubauen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Stadt sollte größer denken.

Interview: Florian Leclerc

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