+
Der Extremkletterer Alian Robert klettert ungesichert an der Fassade des Skyper-Hochhauses in die Höhe.  

„Spiderman“

Lebensgefährliche Kletteraktion an Frankfurter Hochhaus-Fassade

  • schließen

In Frankfurt hat Extremsportler Alain Robert das Skyper-Hochhaus komplett ungesichert bestiegen. Jetzt droht ihm Ärger mit der Polizei. 

Frankfurt - Es sind unwirkliche Minuten. Eine kurze Zeit nur, die aber den Puls rasen lässt und den Schweiß auf die Stirn treibt. Samstagmorgen, vom Hauptbahnhof unterwegs zur Zeil, früh, rechtzeitig zur Öffnung der Kaufhäuser. In der Taunusstraße Knäuel von Menschen, die mit zurückgelegtem Kopf nach oben starren. Hinauf zur gekrümmten Glasfassade des Skyper-Hochhauses. Tatsächlich: Da hängt etwas, da bewegt sich etwas, eine dunkle Gestalt – es ist ein Mensch.

Na klar, ein Fensterputzer. Ach was, eine Feuerwehrübung. Doch wir, wir hier unten am Boden, begreifen ganz schnell: Der ist ja ganz allein. Niemand bei ihm. Kein Korb, der ihn hält. Es ist auch kein Seil zu erkennen.

Extremkletterer Alain Robert am Skyper-Hochhaus in Frankfurt

153,8 Meter hoch ist der Skyper, jener Wolkenkratzer im Frankfurter Bankenviertel, das sich der Extremklettererer Alain Robert für seine spektakuläre Aktion ausgesucht hat.
153,8 Meter hoch ist der Skyper, ein Wolkenkratzer im Frankfurter Bankenviertel, den sich der Extremklettererer Alain Robert für seine spektakuläre Aktion ausgesucht hat. © afp
Am Samstag, 28. September 2019, hangelt sich der Franzose an der gläsernen Fassade empor.
Am Samstag, 28. September 2019, hangelt sich der Franzose an der gläsernen Fassade empor. © rtr
Die Kletter-Aktion ruft im Bankenviertel schnell Feuerwehr und Polizei auf den Plan.
Die Kletter-Aktion ruft im Bankenviertel schnell Feuerwehr und Polizei auf den Plan. © rtr
Alain Robert ist als "Spiderman" bekannt.
Alain Robert ist auch als "Spiderman" bekannt. © rtr
Zu Beginn des Jahres hatte er einen Ausflug auf das höchste Gebäude der philippinischen Hauptstadt Manila gewagt.
Zu Beginn des Jahres hatte er einen Ausflug auf das höchste Gebäude der philippinischen Hauptstadt Manila gewagt. © afp
Laut Zeugen brauchte der Franzose etwa 20 Minuten für den Aufstieg.
Laut Zeugen brauchte der Franzose in Frankfurt etwa 20 Minuten für den Aufstieg. © rtr
Robert, der wegen seiner Kletterei auch im Guinness-Buch der Rekorde steht, wurde bereits in verschiedenen Städten der Welt festgenommen.
Robert, der wegen seiner Kletterei auch im Guinness-Buch der Rekorde steht, wurde bereits in verschiedenen Städten der Welt festgenommen. © afp
Extremkletterer Alain Robert in Frankfurt
Auch in Frankfurt wartet am Boden  die Polizei. © Boris Roessler/dpa
Bei der Kletteraktion handele es sich um eine Ordnungswidrigkeit, wie die Polizei mitteilte.
Bei der Kletteraktion handele es sich um eine Ordnungswidrigkeit, wie die Polizei mitteilte. © afp
Außerdem werde geprüft, ob sich der Kletterer wegen Hausfriedensbruchs verantworten müsse.
Außerdem werde geprüft, ob sich der Kletterer wegen Hausfriedensbruchs verantworten müsse. © afp

„Wenn der jetzt runterknallt, ist er tot“, sagt ein Jugendlicher hinter uns ganz sachlich. Überall werden Smartphones gezückt. Bilder, Bilder. Wie hoch mag der jetzt sein, da über uns? 100 Meter oder mehr? Die Gestalt bewegt sich rasch nach oben. Einige können, wollen das nicht mitansehen, „Komm jetzt, wir gehen weiter, das ist nichts für dich“, sagt der Vater zum vielleicht fünfjährigen Sohn, der unbedingt bleiben will.

Frankfurt: Extremkletterer bekommt Ärger mit der Polizei 

Alles geht schnell. Polizeiautos fahren vor. Erst später, in den Nachrichten, lassen sich die Fakten zusammentragen. Der Mann, der da das Schicksal herausfordert, sein Leben riskiert, ist der französische Extremkletterer Alain Robert.

Er ist 57 (!) Jahre alt und er klettert wohl zum ersten Mal in der Frankfurter Skyline. Eigentlich erstaunlich. Denn seine Spezialität sind Hochhäuser in aller Welt. In Manila war er schon aktiv und in Hongkong. Aber auch das Empire State Building in New York erstieg er, außen, wohlgemerkt.

Große Erklärungen für sein Tun scheint er nie abzugeben. Einmal hat er, in Hongkong, ein Friedensbanner am Hochhaus entrollt. Für die Fassade des knapp 154 Meter hohen Skyper-Turms braucht er vielleicht zwanzig Minuten. Ja, er klettert tatsächlich ohne jede Sicherung.

Extremkletterer Alain Robert bringt sich in Frankfurt in Lebensgefahr 

Schon das Zusehen verursacht Schwindel und macht zittrig. Die Meinungen über die Aktion gehen auseinander. „Ich finde das absolut toll, lass ihn doch, wenn er will“, sagt die Freundin. Andere im Freundeskreis sehen das kritischer: „Durchgeknallt“, heißt es da, ein Zeichen von Langeweile und Übersättigung.

Was Alain Robert dazu sagen würde, wissen wir nicht. Er steigt die komplette Skyper-Fassade wieder nach unten, wo schon die Polizei wartet. Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung kämen als Delikte infrage, so heißt es.

Das dürfte den 57-jährigen Franzosen, der schon so oft mit dem Tod gespielt hat, schwer beeindrucken. Seine waghalsige Aktion dürfte nicht ohne Folgen bleiben: Das droht Extremkletterer jetzt nach seiner Hangelpartie in schwindelerregender Höhe.* An Frankfurter Hochhäusern kann man nicht nur hochklettern, sondern auch wohnen - wenn man das nötige Geld dazu hat. So ist Frankfurter überhaupt erst zu seiner spektakulären Skyline gekommen. 

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare