Verkehr

Frankfurt: Experte rät zu Südbahnhof als neuem Fernbahnhof

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Der Bahnexperte Sven Andersen spricht sich gegen den Fernbahntunnel unter der Frankfurter Innenstadt aus - und macht einen Gegenvorschlag.

Der Bahnfachmann Sven Andersen schlägt vor, den Fernverkehr künftig über den Frankfurter Südbahnhof zu lenken. Damit übernähme der Südbahnhof die Funktion des Hauptbahnhofs als zentrale Umsteigestation, wie Andersen bei einem Pressegespräch ausführte. Details würden in der Februarausgabe des Fachjournals „Bahn-Report“ veröffentlicht.

Damit wendet sich der 83-Jährige, der bis zu seiner Pensionierung in leitender Position für die Bahn arbeitete, gegen den geplanten Fernbahntunnel, für den die Bahn derzeit im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums eine Machbarkeitsstudie erstellen lässt. Diese soll Anfang 2021 vorliegen. Der Tunnel soll zwischen Frankfurt-Niederrad und Frankfurt-Ost oder Offenbach-Kaiserlei pro Richtung eine Röhre mit einem Gleis bekommen, die sich im Fernbahnhof unter dem Hauptbahnhof zu vier Gleisen erweitern. Der Bund hat 3,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Ein unterirdischer Fernbahnhof in der Mannheimer Straße am Hauptbahnhof habe den Nachteil der langen Umsteigewege, führte Andersen aus; ein unterirdischer Fernbahnhof unter den Gleisen 4 bis 8 des Hauptbahnhofs führe wiederum zu einer langen Sperrung dieser Gleise.

Es sei unbestritten, dass Frankfurt zwei zusätzliche Gleise für den Fernverkehr mit vier Bahnsteiggleisen benötige, sagte er. Ein „Verknüpfungsbahnhof“ am Südbahnhof sei allerdings wesentlich günstiger und schneller umzusetzen als der geplante Fernbahntunnel. Dieser wäre nach Bahnangaben erst in 15 Jahren fertig.

Schneller ginge es laut Andersen mit dem Ausbau des Südbahnhofs. Dort sollte das Bahnhofsgleis 12 an der Südseite bis an die Wohnhäuser, die an der Mörfelder Landstraße stehen, herangebaut werden. „Frankfurt ist groß genug, um zwei große Bahnhöfe zu haben“, sagte er und verwies auf die Bahnhöfe Lyon-Perrache und Lyon-Part Dieu sowie Köln-Hauptbahnhof und Köln-Deutz.

Für den Südbahnhof stellt er sich vor, dass ein „zweiter Bahnhofstunnel wie in Mannheim“ helfen könne, die zusätzlichen Fahrgäste zu verteilen.

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