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Frankfurt: Ex-OB Feldmann fühlt sich manchmal „allein gegen den Rest der Welt“

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Von: Christoph Manus

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Peter Feldmann hat seine Autobiografie vorgestellt. Der 64-Jährige, der vor gut einem Monat als Frankfurter Oberbürgermeister abgewählt wurde, verspricht sehr persönliche Einblicke.
Peter Feldmann hat seine Autobiografie vorgestellt. Der 64-Jährige, der vor gut einem Monat als Frankfurter Oberbürgermeister abgewählt wurde, verspricht sehr persönliche Einblicke. © Peter Jülich

Der abgewählte Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat eine Autobiographie geschrieben. Die ist sehr persönlich. Der Ex-OB verspricht gar einen Blick in seine Seele.

Der Zeitpunkt ist ungewöhnlich: Peter Feldmann, erst vor gut einem Monat als Frankfurter Oberbürgermeister abgewählt, hat eine Autobiografie geschrieben. Das schmale Buch mit dem Titel „Sozi. Jude. Oberbürgermeister“ erscheint am kommenden Mittwoch, also während des laufenden Korruptionsprozesses gegen den Sozialdemokraten. Just an diesem Tag ist der nächste Verhandlungstermin vor dem Frankfurter Landgericht.

Der Ort, den Feldmann für seine Buchvorstellung gewählt hat, ist dagegen sehr naheliegend. Als Oberbürgermeister hat ihm das Café Mozart an der Töngesgasse beinahe als zweites Büro gedient; zu unzähligen Gesprächen lud er statt in den Römer in sein Stammlokal ein. Nun drängen sich am Freitagmorgen Journalist:innen in einer Ecke des Cafés.

Ex-OB Feldmann schreibt über seine Herkunft, Bonames, seinen Vater und seine sozialistische Prägung

Der Inhalt des Bändchens, das er seinen beiden Töchtern gewidmet hat, ist sehr persönlich. Es geht um Träume, Hoffnungen, Alpträume, Feldmann war nie jemand, der viel über seine Vergangenheit gesprochen hat. Fragen zu seiner jüdischen Herkunft blockte er eher ab. Nun schreibt er etwa über seine Kindheit und Jugend in einer Hochhaussiedlung in Bonames, seine sozialistische Prägung bei den Falken, seine Zeit in einem Kibbuz, über seinen Vater, der auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Schweden zum Widerstandskämpfer ausgebildet wurde und nach dem Krieg als Psychologe arbeitete. Auch auf den AWO-Komplex und seine Abwahl geht Feldmann ein – das aber vergleichsweise kurz.

Er habe sich im vergangenen Jahr – also in einem Zeitraum, als die Staatsanwalt in Zusammenhang mit einem Job seiner Frau bei der AWO Anklage wegen Vorteilsannahme erhob, seine Partei sich zusehends von ihm abwandte und letztlich sogar seine Abwahl unterstützte – sehr oft selbst infrage gestellt, sagt Feldmann. Er habe sich gefragt, wieso er sich manchmal „allein gegen den Rest der Welt fühle“. Das Buch sei nicht zuletzt ein Versuch, das für sich zu klären. Der 64-Jährige spricht gar von einem Blick in seine Seele.

Eine Abrechnung hat der Frankfurter Ex-OB Peter Feldmann nicht geschrieben

Manches wirkt trotzig. Eine Abrechnung aber hat Feldmann nicht geschrieben. Auch den Eindruck der Larmoyanz will er vermeiden. Und spricht im Café Mozart von den vielen Hoffnungen und Träumen, die sich erfüllt hätten – im Persönlichen, wie im Politischen. Er verkauft sich dabei als einen auch weiterhin optimistischen Menschen, als jemanden, der „als Erster ins Risiko geht“ – und das durchaus mit Erfolg.

Manchmal fällt er dabei an diesem Morgen in die Rolle des Oberbürgermeisters zurück: Spricht vom „Mietpreisstopp“ bei der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG, dem kostenfreien Eintritt für Kinder ins Schwimmbad, der Abschaffung der Kindergartengebühren und anderen Erfolgen, die er gemeinsam mit anderen erreicht habe. Und fordert die Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt auf, endlich auch das letzte Kitajahr kostenlos anzubieten und Mieten bei der ABG in bestimmten Fällen zu senken.

Zu seiner Zukunft will der Frankfurter Ex-OB Feldmann noch nicht viel sagen

Zu seiner eigenen Zukunft will Feldmann noch nicht viel sagen. Alles müsse sich „erst mal ein bisschen setzen“.

Das Buch habe er weitgehend im Sommer geschrieben, berichtet Feldmann. Es erscheine bewusst nach der Abwahl. Dass es während des Strafprozesses herauskomme – und nicht nach dem Urteilsspruch, erklärt er mit Unwägbarkeiten. Wie lange das Gerichtsverfahren dauere, sei schließlich schwer abzuschätzen.

Peter Feldmanns Buch „Sozi. Jude. Oberbürgermeister“ erscheint am 14. Dezember im Frankfurter Verlag Nomen. Es hat 128 Seiten und kostet 10 Euro.

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