Die meisten Mitglieder der AWO bleiben solidarisch.
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Die meisten Mitglieder der AWO bleiben solidarisch.

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Frankfurt: Ex-AWO-Funktionär klagt gegen fristlose Kündigung

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Ein ehemaliger AWO-Funktionär aus Frankfurt zieht nach seiner Kündigung vor das Landgericht.  

Ein zweiter ehemaliger hoher Funktionär der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat Klage gegen seine fristlose Kündigung eingereicht. AWO-Sprecher Johannes Frass sagte der FR, Panagiotis Triantafillidis gehe vor dem Landgericht gegen die Wohlfahrtsorganisation vor. Er klage auf Unwirksamkeit seiner Kündigung. Der Rechtsanwalt fungierte bis Anfang 2020 als Vorstandsvorsitzender des AWO-Kreisverbandes. Triantafillidis war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Auch der frühere langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter klagt gegen seine fristlose Kündigung. Hier kommt es im Oktober zur Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Frankfurt, nachdem der Versuch eines Vergleichs unlängst gescheitert war. Noch keine rechtlichen Schritte gegen die AWO hat die frühere stellvertretende Kreisgeschäftsführerin Jasmin Kasperkowitz eingeleitet, die ebenfalls fristlos gekündigt worden war.

Währenddessen bereitet die neue AWO-Spitze ihrerseits Schadenersatzklagen gegen Richter und andere vor. Die Präsidiumsvorsitzende Rossbrey beziffert den entstandenen Schaden durch Fehlverhalten früherer Spitzenfunktionäre allein in den Jahren 2015 bis 2019 auf 4,5 Millionen Euro. Dabei ging es um überhöhte Gehälter, Vetternwirtschaft, Luxuswagen, aber auch die Zweckentfremdung städtischer Zuschüsse. AWO-Sprecher Frass sagte, bei der Vorbereitung der Klagen werde das Präsidium anwaltlich beraten. „Es muss ganz genau geprüft werden, welches Geld von wem zurückgeholt werden kann.“

Versammlung unter freiem Himmel

Zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie kamen am Freitagnachmittag die Vorstände der 32 Frankfurter AWO-Ortsvereine physisch mit dem Vorstand und der Chefin des Präsidiums, Petra Rossbrey, zusammen. Bisher hatte es nur einige Telefonkonferenzen gegeben. Die Versammlung fand unter freiem Himmel im Garten der AWO-Zentrale im Ostend statt.

„Es muss viel Transparenz her, die Aufklärung steht noch am Anfang“, sagte der Vorsitzende des größten Frankfurter Ortsvereins in Nied, Klemens Mielke. Nur durch völlige Offenheit lasse sich auch Glaubwürdigkeit wiederherstellen. Er wollte „Zahlen erfahren“ zu den Gehältern der früheren AWO-Geschäftsführung und warf zugleich die Frage auf: „Braucht ein Wohlfahrtsverband überhaupt Dienstwagen?“ Die Tatsache, dass die früheren Geschäftsführer jetzt gegen ihre Kündigung klagten, nannte er „absurd und nicht nachvollziehbar“.

„Die Stimmung an der Basis ist zornig, entschlossen und entspannt zugleich“, erklärte der AWO-Vorsitzende im Gallus, Thomas Sock, vorab im Gespräch mit der FR. Man hoffe, „dass die Schuldigen ordentlich abgestraft werden“. Mit Männern wie dem früheren Geschäftsführer Jürgen Richter hätten die Mitglieder an der AWO-Basis „abgeschlossen“. Jetzt komme es darauf an, „dass die Aufklärung weitergeht, wir aber zugleich den Laden zusammenhalten können“. Wichtig sei, dass die AWO weiter solche Aktionen starten könne wie die Schulranzenspende für bedürftige Kinder.

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