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Frankfurt: Tausende demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen

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Von: Florian Leclerc

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Das Einhalten der Abstände klappte bei der Demo in Frankfurt nicht immer so gut.
Das Einhalten der Abstände klappte bei der Demo in Frankfurt nicht immer so gut. © Michael Schick

In Frankfurt demonstrieren etwa 4800 Menschen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen. Die Polizei greift mehrfach ein – auch ein Wasserwerfer fährt mit.

Frankfurt – Wie in mehreren deutschen Städten sind am Samstag (15.01.2022) auch in Frankfurt Tausende Menschen gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gegangen. Anders als in Hamburg gab es keine Auseinandersetzungen mit der Polizei. Leicht hatten es die Polizistinnen und Polizisten aber auch nicht.

Schon beim Beginn der Veranstaltung wirkte der Holzhausenpark gegen 15 Uhr wie eine Partyzone mit Trommeln und Trillerpfeifen, ohne dass Gesichter mehrheitlich von Masken verdeckt gewesen wären. Das blieb der Polizei nicht verborgen, die per Lautsprecherdurchsagen auf die Auflagen für die Versammlung aufmerksam machte: Maske tragen, Abstand halten, keine Davidsterne mit der Aufschrift „Ungeimpft“ zeigen, keine Pyrotechnik abfackeln.

„Ungeimpft“-Sterne und Pyrotechnik waren auch nicht das Problem, aber mit dem Masketragen und dem Abstandhalten taten sich viele der in der Spitze etwa 4800 Demonstrierenden schwer. Das zeigte sich etwa auf der Eschersheimer Landstraße, als die Polizei den Zug kurzerhand stoppte.

Corona-Demo in Frankfurt: Gegenprotest mit „Nazis raus“-Rufen

Eine Viertelstunde lang standen alle auf dem Fleck, bis mehr Menschen als zuvor die Maske aufgezogen hatten und ein paar Schritte auseinander gegangen waren. Die Polizei ging zur Kontrolle mit Maßstöcken herum. Die schiere Zahl der Impfskeptischen, die ja sonst gesamtgesellschaftlich in der Minderheit sind, und der wiederkehrende Ruf nach „Freiheit“, „Frieden“, und auch „Wahrheit“ sorgten für eine beschwingte Stimmung unter den Demonstrierenden.

Die gute Stimmung kippte aber mitunter ins Gereizte, sobald Gegendemonstrierende ins Sichtfeld kamen. Eine kleine Gruppe, die an der Route Plakate mit „Stoppt die Superspreader“ hochhielt, bekam „Nazis raus“-Rufe entgegengebrüllt. Wobei nicht so klar wurde, wo eigentlich die Nazis sind.

Falls es Nazis auf der Demo gab, hatten sie sich gut versteckt. Ein Mann schleppte eine Deutschlandfahne mit sich herum, aber das macht ihn nicht zum Nazi. Andere verteilten esoterische Bücher einer Freikirche, die sie in mehreren Kartons angeschleppt hatten, was zwar Papiermüll produzierte, aber nicht verboten ist.

„Querdenken“-Protest soll in Frankfurt nicht unkommentiert bleiben

Ein Mann trug eine Helly-Hansen-Jacke – wobei das HH je nach Gesinnung für eine nordische Bekleidungsmarke oder Heil Hitler stehen kann – aber dann hatte er auch ein Grundgesetz dabei, und das schützt bekanntlich vor sehr vielem, wenn auch nicht vor Corona. Wobei viele Demonstrierende subjektiv das Gefühl haben, eine Impfung sei viel schlimmer als eine Covid-19-Infektion. Darüber gehen die Meinungen bekanntlich auseinander.

Abseits des Demonstrationszugs hatte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, der Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, schon ab 14 Uhr am Rathenauplatz eine Ausstellung aufgebaut, um den Zusammenhang zwischen Verschwörungstheoretikern, Rechtsextremen, Reichsbürgern, Esoterikern und Impfgegnern darzustellen. Er empfinde es als seine Pflicht, den Zug der Impfgegnerinnen und Impfgegner nicht unkommentiert zu lassen, sagte ein Anmelder. Die Verbindung der „Querdenken“-Bewegung zur rechten Szene sei nachgewiesen, was auch das hessische Landesamt für Verfassungsschutz festgestellt habe.

Wasserwerfer kommt bei Corona-Demo in Frankfurt nicht zum Einsatz

Zurück auf der Demo mussten sich die grüne Bundestagsabgeordnete Deborah Düring und der grüne Stadtverordnete Christoph Rosenbaum, die mit einem selbstgemachten Plakat „Lasst Euch impfen“ vorbeigekommen waren, ebenfalls als „Nazis“ verunglimpfen lassen. Ansonsten konnten sie unbehelligt am Straßenrand stehen – die Polizei stand schützend vor ihnen. Härter wurde es nicht – wenn man von Sprüchen über einen „Unrechtsstaat“ und Liedern des Verschwörungserzählers Xavier Naidoo absieht.

Als es auf der Berliner Straße und am Oeder Weg eng wurde, so dass der Zug eher einer Polonaise glich, machte die Polizei wieder ihre Durchsagen und lief ansonsten in ihrer schweren Montur weiter neben dem Zug entlang.

„Wir haben einen langen Atem, wir hoffen, ihr habt ihn auch“, sagte ein Demonstrant durchs Mikrofon. Und tatsächlich waren die Beteiligten am Ende etwa neun Kilometer gelaufen, als der Zug wieder am Holzhausenpark ankam. Gegen 18.30 Uhr löste er sich auf. Für die Polizei gab es neben Lob auch die Aufforderung, mal bei einer Demonstration mitzulaufen – aber das hatte sie ja schon getan. Symbolhaft war auch ein Wasserwerfer mitgefahren. Aber nass waren am Ende nur die durchgeatmeten Masken – von denen, die eine getragen hatten. (Florian Leclerc)

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