Oliver Pitsch hat vor Weihnachten alle Hände voll zu tun - im wahrsten Sinne des Wortes.  
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Oliver Pitsch hat vor Weihnachten alle Hände voll zu tun - im wahrsten Sinne des Wortes.  

Ehrenamt

Frankfurt: Essen und Geschenke zum Fest

  • vonJanis Berling
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Oliver Pitsch organisiert seit mehr als zehn Jahren die Suppenküche der Johanniter an Heiligabend.

In der Zeit kurz vor Weihnachten leidet Oliver Pitsch unter chronischem Zeitmangel. Der Regionalvorstand Rhein-Main der Johanniter-Unfall-Hilfe organisiert seit über zehn Jahren die Suppenküche der Johanniter an Heiligabend in der Kaiserstraße.

Zur Zeit des Gesprächs mit der Frankfurter Rundschau befinden sich Pitsch und seine Helfer mitten in der heißen Phase. Geschenke müssen gepackt, Genehmigungen eingeholt und die zumeist ehrenamtlichen Helfer koordiniert werden, und das alles zusätzlich zur regulären Arbeit der Unfallhilfe. Trotzdem wirkt Oliver Pitsch im Gespräch entspannt und zuversichtlich. Er hat Erfahrung mit solchen Situationen.

Seit Ende der 80er Jahre hilft Pitsch bei den Johannitern, zunächst ehrenamtlich, später hauptberuflich. Zur Unfallhilfe kam der Regionalvorstand durch einen Zufall. „Ich hatte im Telefonbuch nach karitativen Vereinen gesucht“, erzählt Pitsch lächelnd. „Und die Johanniter hatten einfach die schönste Anzeige.“

Eigentlich ist Oliver Pitsch Jurist. „Ich habe mich in meinem früheren Job am Ende des Tages oft gefragt ,Was habe ich heute eigentlich getan‘. Ich wollte etwas tun, was mich glücklich macht.“ Das hat Pitsch bei der Unfallhilfe gefunden. „Man ist viel draußen, bei den Menschen.“ Sein Ziel ist es, den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. „Wir wollen den Menschen Resilienz geben und nicht nur kurzfristig helfen.“

Mitte der 90er half Pitsch dann zum ersten Mal bei der damals noch recht jungen Suppenküche mit. „Damals gab es noch nicht viele karitative Vereine in Frankfurt. Da war das schon etwas Neues.“ Damals kochte die kleine Truppe, bestehend aus einer Handvoll ehrenamtlicher Johanniter und einigen befreundeten Helfern, noch selbst Suppe in einem kleinen Zelt im Bahnhofsviertel. „Damals gab es auch noch nicht so viele Obdachlose im Viertel“, erinnert sich Pitsch.

Mittlerweile hat sich einiges geändert. Die Aktion ist größer und professioneller geworden. Hygienerichtlinien wurden verschärft, das Team vergrößert, das Angebot erweitert. Heute kochen in einer fahrbaren Imbissbude nun professionelle Köche, begleitet von einem ehrenamtlichen Team aus 30 Helfern. Die altehrwürdige Gulaschsuppe ist einer breiten Palette an Gerichten gewichen. Auch vegetarisches Essen wird mittlerweile angeboten.

Neben dem Essen erhalten Bedürftige auch warme Kleidung und Decken sowie Geschenkbeutel mit praktischen Dingen wie Hygieneartikeln. In den vergangenen Jahren stehen zunehmend auch Kinder im Fokus. „Wir merken, dass die Kinderarmut stark zugenommen hat“ , berichtet Pitsch. „Immer öfter kommen Familien auf uns zu.“

Im Vorfeld sammeln die Helfer gezielt Kinderkleidung, um sie an finanziell schwache und kinderreiche Familien zu verteilen. Dabei werden die Familien rund um Weihnachten mit Weihnachtspaketen beglückt, großen Boxen voller Geschenke. Stolz hält Oliver Pitsch eines der Pakete in die Kamera. „Die Geschenke sind nach Alter und Bedarf der Kinder ausgesucht. Und es sind auch kleine Geschenke für die Eltern drin, damit sich alle freuen können.“

Seine eigene Familie sieht der Vater von zwei Töchtern an Heiligabend kaum. „Die haben sich daran gewöhnt, dass ich Weihnachten nicht bis nachmittags zu Hause bin. Und abends schlafe ich dann meist schnell ein.“

Auch sonst muss sich Pitsch an den restlichen Festtagen von der stressigen Vorweihnachtszeit regenerieren. „Ich muss mich dann erst mal erholen und schlafe viel. Vor Weihnachten schlafe ich meist viel zu wenig“, erzählt Oliver Pitsch mit leidgeprüftem Gesicht.

Trotzdem will der Johanniter die Suppenküchen-Aktion nicht missen. „Man bekommt viel zurück, gerade im Gespräch mit den Bedürftigen. Und meine Familie hilft mittlerweile auch oft mit. Im letzten Jahr zum Beispiel hat meine Frau Weihnachtslieder am Stand gesungen.“

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