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Frankfurt: „Es reicht noch lange nicht“

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Alisa Weidinger (31) leitet seit 2015 das Kuss41, ein Zentrum für queere Kinder und junge Erwachsene an der Konstablerwache. Bild: privat
Alisa Weidinger (31) leitet seit 2015 das Kuss41, ein Zentrum für queere Kinder und junge Erwachsene an der Konstablerwache. Bild: privat © privat

Alisa Weidinger leitet das Zentrumm für Queere Jugendliche Kuss41 in Frankfurt. Ein Gespräch über Probleme queerer Jugendlicher und die Bedeutung von sicheren Räumen

An der Konstablerwache, am selben Ort, an dem Dragqueen Electra Pain attackiert wurde, befindet sich das Kuss41. Alisa Weidinger leitet das Zentrum für queere Jugendliche und junge Erwachsene und erklärt, welche Herausforderungen es für die jungen Menschen gibt und wie das Kuss41 sie unterstützt.

Frau Weidinger, am Montag erst gab es eine Demonstration, die Rechte und Sicherheit queerer Menschen forderte. Wie ist die Lage von queeren jungen Erwachsenen?

Queere Menschen sind weiterhin von Diskriminierung betroffen und das leider an jedem Ort und nicht nur an der Konstablerwache. Das betrifft die Familie, Schulen und eben auch die offene Straße. Noch fühlen sich nicht alle sicher. Während des Lockdowns war es ruhiger, aber gerade jetzt, wo mehr los ist, berichten uns Jugendliche von Übergriffen.

Wie reagiert das Umfeld?

Das kann man nicht pauschalisieren. Es gibt Eltern, die sind toll und wollen unbedingt alles richtig machen, und in anderen Familien trauen sich die Kinder nicht, sich zu outen. Auch an den Schulen wird schwul noch oft als Schimpfwort verwendet. Aber es gibt auch positive Änderungen.

Und zwar?

Lehrer:innen, die offen mit ihrer Sexualität oder Identität umgehen, sind wichtige Vorbilder. Und es gibt Schulen, die das Personal zu Fortbildungen schicken. Dann gibt es natürlich endlich die Ehe für alle, den Eintrag des dritten Geschlechts und die Abschaffung des Transsexuellengesetzes.

Zur Person

Alisa Weidinger (31) ist Sozialpädagogin und psychosoziale Beraterin. Seit 2015 leitet sie das Kuss41, ein Zentrum für queere Kinder und junge Erwachsene an der Konstablerwache.

Das Kuss41 bietet Menschen jeglicher sexueller Orientierungen und Geschlechteridentitäten zwischen 14 und 27 Raum für Austausch, Kennenlernen, Freizeit und Beratung. Weitere Infos unter www.kuss41.de prgh

Und trotzdem braucht es das Zentrum als explizit sicheren Raum für queere Menschen.

Ja, manchmal wünschte ich, dass es uns gar nicht mehr geben müsste. Veränderungen brauchen aber Zeit, und auch wenn es mehr queere Charaktere in Filmen und Serien gibt, reicht es noch lange nicht, damit Lebensweisen, die nicht dem Status quo entsprechen, akzeptiert werden.

Wie man aktuell wieder bemerkt. Was bedeutet das Zentrum für die Menschen, die hierherkommen?

Für die meisten geht es darum, Freundschaften zu knüpfen und sich nicht erklären zu müssen. Sie können aufatmen und merken: So, wie ich bin, bin ich total in Ordnung. Es ist egal, was sie tragen oder warum sie keinen Freund haben.

Wie eine Vermittlungsstelle.

Genau! Wir bieten zusätzlich zu den regelmäßigen Cafés Einsteigertreffen an, bei denen alle neu sind, und Treffs für beispielsweise Trans- und Interpersonen. Die Jugendlichen haben viele Ideen. Letztes Jahr hatten wir sogar einen Drag-Workshop.

Interview: Greta Hüllmann

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