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Frankfurt: Erste Beratungstelle und Treffpunkt nur für Romnja

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Von: Kathrin Rosendorff

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Roxana Marica berät die Frauen. Sie selbst ist erst mit Mitte 20 nach Deutschland gekommen. Monika Müller
Roxana Marica berät die Frauen. Sie selbst ist erst mit Mitte 20 nach Deutschland gekommen. Monika Müller © Monika Müller

Ein neues Projekt der Initiative Zukunft Bockenheim will Frauen, zu einem selbstbestimmten Leben verhelfen. Es geht um ein selbstbestimmtes Leben, dabei sind Themen Verhütung, Bildung, Frauengesundheit und Hilfe bei Gewalterfahrung.

Bachtale Romnja steht auf dem liebevoll gestalteten Willkommensplakat, auf dem Frauen und ihre Kinder wie coole Comicfiguren gezeichnet sind. Zu sehen ist es unweit des alten Uni-Campus in Bockenheim, dort wo sonst mittags in der Ada Kantine Bedürftige ein warmes Essen bekommen. Doch an diesem Mittwochnachmittag ist hier die offizielle Eröffnungsfeier des neu gegründeten Projekts Bachtale Romnja: „Es ist die erste Beratungsstelle in Frankfurt, die sich ausschließlich an Romnja richtet“, sagt Initiatorin Gabi Hanka. Von 2012 bis 2020 hat sie beim Förderverein Roma gearbeitet: „Dabei ist mir aufgefallen, dass es neben dem wichtigen Thema Existenzsicherung kaum Raum gibt über frauenspezifische Themen wie Schwangerschaft, Geburt, Hebammen, Verhütung, Hilfe bei Gewalterfahrung, Diskriminierung, aber eben auch Bildung und Frauengesundheit zu sprechen.“

Zusammen mit Anette Mönich vom Verein Initiative Zukunft Bockenheim bewarb sie sich vor einem Jahr bei der Stiftung Crespo Foundation, die zusammen mit dem Hessischen Sozialministerium als Teil des „WIR“ Programmes das Projekt finanziert. Cora Stein von Crespo sagt: „Viele der Frauen haben schlechte Erfahrungen mit Ausgrenzung und Diskriminierung gesammelt.“ Einzelberatungen gibt es seit Anfang August dreimal die Woche im Stadtteilbüro Bockenheim, mittwochs treffen sich 20 Frauen und ihre Kinder in der Ada Kantine zum Kochen, Tanzen, aber eben auch zum Austausch. An diesem Tag hat Roxana Marica nicht nur das Buffet für die Feier vorbereitet.

Die 32-Jährige ist neben ihrer Schwester Andra und Hanka eine der drei Teilzeitkräfte. Marica bezeichnet sich als Dolmetscherin, Freundin, Begleiterin. Das Wichtigste sei für den Anfang: Vertrauen, eine Beziehung zu den Frauen aufzubauen. Die Themen sollen nicht von oben diktiert, sondern bei Gesprächen entstehen. „Plötzlich kam das Thema auf Kondome. Das war den Frauen erst peinlich, aber ich sagte, dass sie sich nicht schämen müssen.“ Bald gibt es einen Workshop zu Verhütung von Pro Famila.

Bachtale Romnja

Das Angebot richtet sich an alle Romnja und ihre Kinder aus Bockenheim und den angrenzenden Stadtteilen. Es ist die erste Beratungsstelle in Frankfurt, die sich ausschließlich um die Belange von Romnja kümmert.

Montags, dienstags und donnerstags gibt es von 9 bis 13 Uhr Einzelberatungen im Stadtteilbüro Bockenheim, Leipziger Straße 91.

Gruppenangebote wie Kochen, Tanzen, aber auch Workshops gibt es mittwochs von 14 bis 17 Uhr in der Ada Kantine, Mertonstraße 30. rose

Zudem werden Hausbesuche und Begleitung zu Behörden angeboten. Infos: Telefon 069 /719 149 48 und E-Mail kontakt@bachtale-romnja.de

Marica erklärte ihnen auch, dass Männer eben nicht das Recht hätten, ihnen eine Backpfeife zu geben, weil sie etwas „falsch“ gemacht hätten. Sie selbst ist erst mit Mitte 20 nach Deutschland gekommen. Anfangs habe sie wenig Unterstützung gehabt: „Ich wusste nicht, wo ich mich hinwenden sollte, ich hatte nur acht Jahre Schule in meinem Heimatland abgeschlossen. Ich war schwanger und habe mir anfangs nichts zugetraut.“ Schließlich gab ihr das Jobcenter einen Kontakt zu Stein von der Crespo Foundation, sie bekam ein Stipendium, holte ihren Hauptschulabschluss nach und absolvierte eine Ausbildung in Hauswirtschaftslehre.

Oft fehle es den Frauen an Informationen, um sich ein selbstbestimmtes, selbstorganisiertes Leben aufbauen zu können. Marica betont, dass auch sie selbst bis heute mit Alltagsdiskriminierung zu kämpfen habe. „Das Z-Wort ist das Schlimmste.“ Viele der Frauen lebten in Notunterkünften, es fehlte der private Raum, sich mit anderen zu treffen, sich auszutauschen. „Es kommen viele alleinerziehende Frauen, deswegen ist es wichtig, dass sie ihre Kinder mitbringen können. Wir helfen ihnen auch, einen Kita-Platz zu bekommen“, sagt Hanka.

Warum der Name? „Bachtale hat auf Romanes zwei Bedeutungen: Glücklich und willkommen. Also heißt Bachtale Romnja so viel wie: Willkommen ihr glücklichen Frauen“, sagt Marica.

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