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Der Hut der Opernsängerin Magda Spiegel. Trotz ihres Ruhms verlor sie wegen ihrer Herkunft erst ihre Stelle, dann ihr Leben.
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Der Hut der Opernsängerin Magda Spiegel. Trotz ihres Ruhms verlor sie wegen ihrer Herkunft erst ihre Stelle, dann ihr Leben.

Ausstellungen in Frankfurt

Frankfurt: Erst auf der Bühne gefeiert, dann verfemt

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Der Hut der in Auschwitz ermordeten Opernsängerin Magda Spiegel ist in der Ausstellung „Eine Stadt macht mit“ zu sehen.

Gleich drei Ausstellungen befassen sich im Historischen Museum mit der Zeit des Nationalsozialismus in Frankfurt. Die FR stellt in einer Serie einige Exponate vor, die dort zu sehen sind. Heute: der Hut der in Auschwitz ermordeten Opernsängerin Magda Spiegel,

Ein aparter Damenhut, eine Cloche aus grünem Wolljersey mit schwarzem Rippband, liegt in der Ausstellung „Eine Stadt macht mit“. Wie genau er einst in die Sammlung des Historischen Museums kam, ist unbekannt. Sicher ist aber, dass er der Opernsängerin Magda Spiegel gehörte. Die Altistin war bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten ein Star der internationalen Opernszene. Der Philosoph Theodor W. Adorno pries sie als „eine der größten Sängerinnen des deutschen Operntheaters“, wie im umfangreichen Begleitbuch zur Ausstellung zu lesen ist.

Ausstellungen:

Im Historischen Museum, Saalhof 1, sind zum Thema „Frankfurt und der NS“ drei Ausstellungen zu sehen.

Die zeitgeschichtliche Ausstellung „Eine Stadt macht mit – Frankfurt und der NS“ (bis 11. September 2022) führt an 19 typische Orte städtischen Lebens und verdeutlicht, wie der Nationalsozialismus die Stadt prägte.

Die Ausstellung „Auf Spurensuche im Heute“ (bis 11. September 2022) ist im Stadtlabor des Historischen Museums entstanden. Frankfurter:innen haben dafür in Frankfurt Orte, Dinge oder Ereignisse untersucht, die sie persönlich an die NS-Zeit erinnern.

Das Junge Museum des Historischen Museums gibt mit der interaktiven Ausstellung „Nachgefragt: Frankfurt und der NS“ Einblick in das Alltags- und Familienleben junger Frankfurterinnen und Frankfurter im Nationalsozialismus. Sie ist für Kinder ab zehn Jahren geeignet und wird bis zum 23. April 2023 zu sehen sein.

Das Begleitprogramm zu der Ausstellungstrias bietet neben Führungen und Vorträgen auch Kunstperformances und Stadtgänge an. Ein Überblick findet sich auf der Webseite des Historischen Museums. Diese wird fortlaufend aktualisiert. (lad)

www.frankfurt-und-der-ns.de/de

Die 1887 in Prag geborene Künstlerin, die sich als Wagner-Interpretin einen Namen gemacht hatte, gehörte seit 1917 dem Ensemble der Frankfurter Oper an, trat aber auch im In- und Ausland als gefeierter Star auf. Die Nationalsozialisten verfemten die zum Christentum Konvertierte wegen ihrer Herkunft als „jüdisch“.

Hans Meissner, der damalige neue Generalintendant der Städtischen Bühnen, setzte sich dafür ein, ihren Vertrag trotzdem bis 1935 zu verlängern. „1934 durfte sie noch auf eine Gastspielreise der Frankfurter Oper in die Niederlande mit“, sagt Anne Gemeinhardt, eine der Kuratorinnen der Ausstellung. 1935 hatte Magda Spiegel in Frankfurt schließlich ihren letzten Auftritt als Ortrud in „Lohengrin“, dann fiel für sie endgültig der Vorhang.

Sie lebte danach im Holzhausenviertel, bis ihr die Wohnung gekündigt wurde. Die Bewohnerinnen und Bewohner duldeten sie in dem „arischen“ Haus nicht mehr. Danach musste sie immer wieder ihre Unterkunft wechseln, bis sie 1942 nach Theresienstadt gebracht wurde. 1944 kam sie nach Auschwitz, wo sie wahrscheinlich direkt nach ihrer Ankunft ermordet wurde.

Generalintendant Meissner, der sich für Magda Spiegel eingesetzt hatte, machte das, was gerne als deutsche Karriere bezeichnet wird. 1928 war er in die SPD eingetreten. Als Intendant des Stettiner Stadttheaters zog er trotz seines eher konservativen Spielplans den Unmut der NSDAP auf sich. Gleichwohl ernannte ihn Frankfurts NS-Oberbürgermeister Friedrich Krebs, mit dem er freundschaftlich verbunden war, 1933 zum Generalintendanten der Städtischen Bühnen. Ein Jahr zuvor war er in Vorbereitung auf seine Berufung aus der SPD ausgetreten. 1933 wurde er auf das Betreiben von Krebs in die NSDAP aufgenommen. Meissner blieb Generalintendant, bis er 1945 verhaftet wurde und für zwei Jahre in das Internierungslager Moosburg kam. Doch weder die Haft noch seine Verbindung zum NS-Regime brachten ihm große berufliche Nachteile. Er leitete von 1949 an das Theater in Gelsenkirchen, danach war er bis 1958 Generalintendant in Augsburg.

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