Der Frankfurter Weihnachtsbaum steht.

Peter II

Frankfurt: Ersatzbaum für den Weihnachtsmarkt

„Peter II.“ wird auf dem Römerberg aufgestellt. Die ursprünglich vorgesehene Fichte konnte nicht verladen werden.

Fast wäre es noch schiefgegangen. Gestern Nachmittag kam es in Bad Orb zum Unglück beim Verladen des designierten Baumes „Peter von Orb“. Äste und Teile der Spitze waren zu trocken und brachen beim Versuch ab, die Fichte auf einen Transporter zu laden.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion musste ein neuer Baum gefunden, gefällt und verladen werden, um heute rechtzeitig einen Weihnachtsbaum nach Frankfurt liefern zu können. „Das war ein Schreckmoment. Aber ganz Bad Orb hat zusammengearbeitet und gestern einen zweiten Baum gefällt“, verkündet Bürgermeister Roland Weiß stolz.

Auf die Schnelle einen Ersatz zu finden, war nicht einfach. Laut Ines Philipp, der Sprecherin der Frankfurter Tourismus+Congress GmbH, gab es im Stadtwald kein geeignetes Exemplar mehr. Nur in Bad Orb hätten noch drei passende Bäume gestanden. Der Ersatzbaum ist zwar mit 31 Metern rund einen Meter kürzer und mit einem Gewicht von vier Tonnen auch um zwei Tonnen leichter, muss sich aber dennoch nicht vor seinem Vorgänger verstecken. „Ich bin trotz des Zwischenfalls überzeugt, dass wir den schönsten Weihnachtsbaum für Frankfurt gefunden haben“, meint Bürgermeister Weiß.

Nach ihrem altersschwachen Vorgänger wurde die etwa 80-jährige Fichte kurzerhand „Peter II“ getauft. Der Name orientiert sich nicht an Oberbürgermeister Feldmann, sondern geht auf einen Räuber aus Bad Orb aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. Der Vagabund mit Gerechtigkeitssinn trieb sein Unwesen im Spessartwald, demselben Wald, in dem die beiden Fichten ihr Leben verbracht haben.

Mehrere Stunden nach seiner Ankunft in Frankfurt steht der Baum endlich auf dem Römerberg. Bei den zahlreichen Zuschauern stößt er auf positive Resonanz. „Wirklich schön“, sei er, „gerade für einen Ersatzbaum“, sagt eine Zuschauerin. Die schlanke Form der Fichte ruft hingegen ein geteiltes Echo hervor. „Ein bisschen dünn ist er ja schon“, meint eine Frau. Ein älterer Herr berichtet, seit seiner Kindheit sei alljährlich ein Weihnachtsbaum auf dem Römerberg aufgestellt worden. „Und ich versuche, möglichst jedes Jahr dabei zu sein.“ Mit der Auswahl der Exemplare sei er nicht immer glücklich, dieses Jahr sei der Baum aber „ganz gut“.

Stadtrat Mike Josef (SPD), der „Peter II.“ in Empfang nahm, erwartet zwiespältige Meinungen. In den vergangenen Jahren sei der jeweilige Baum stets ein heißes Thema gewesen. Josef wünschte den Frankfurtern neben einer schönen Vorweihnachtszeit augenzwinkernd auch diesmal „spannende Diskussionen über die Schönheit unseres Weihnachtsbaums“.

Roland Weiß ist völlig zufrieden mit dem abgelieferten Exemplar: „Bad Orb lebt von der Forstwirtschaft. Es ist für uns eine Ehre und eine Freude, den Frankfurter Weihnachtsbaum zu stiften.“ Die Stadt bemühe sich, das Holz verantwortungsvoll zu schlagen und um einen nachhaltigen Baumanbau, das sei ihm wichtig. „Wir haben keine Industrie, nur den Forst und den Tourismus.“

Der ursprüngliche „Peter“ wird nun ins Bad Orber Schullandheim Wegscheide gebracht. Dort soll aus ihm ein „grünes Klassenzimmer“ werden; zum Beispiel sollen aus seinem Holz Möbel gefertigt werden. „Somit haben zumindestens die Kinder aus Frankfurt, die regelmäßig ins Landheim fahren, etwas von dem Baum“, sagte der Bürgermeister.

Bis zur offiziellen Eröffnung des Weihnachtsmarktes am 25. November wird „Peter II.“ in den nächsten Wochen noch festlich geschmückt und mit Lichterketten versehen. Dann kann am Römerberg die Adventszeit beginnen.

Janis Berling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare