Opfer des Nationalsozialismus

Frankfurt: Erinnerung an Emil Lehmann

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Das Amtsgericht Frankfurt gedenkt eines jüdischen Richters und Demokraten, der 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Ab sofort erinnert eine Gedenktafel an er Außenstelle Höchst an ihn.

Der Zug nach Theresienstadt fuhr am 15. September 1942. Fast 1400 Jüdinnen und Juden, unter ihnen viele ältere Menschen, Veteranen aus dem Ersten Weltkrieg und 42 Kinder, wurden von Frankfurt aus in das Ghetto im heutigen Tschechien verschleppt. Unter ihnen war auch der promovierte Jurist Emil Lehmann, der lange Zeit als Richter am damals selbstständigen Amtsgericht Höchst tätig gewesen war. Den unmenschlichen Bedingungen im Ghetto hielt der 70-jährige Lehmann nicht lange stand: Am 14. Dezember 1942 kam er in Theresienstadt ums Leben. Die näheren Umstände seines Todes sind nicht bekannt.

Das Amtsgericht Frankfurt erinnert jetzt öffentlich an Emil Lehmanns Schicksal. An seiner ehemaligen Wirkungsstätte, der heutigen Außenstelle Höchst des Amtsgerichts, wurde vergangene Woche eine Gedenktafel angebracht. Es ist nach Angaben des Gerichts die erste Gedenktafel in Frankfurt, die einem unter den Nationalsozialisten entrechteten und ermordeten jüdischen Richter gewidmet ist.

Die von dem Künstler Günter Manieweski gestaltete Gedenkplakette sollte eigentlich in einer feierlichen Gedenkstunde enthüllt werden, an der auch Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) teilnehmen wollte. Wegen der Corona-Pandemie musste diese Feier ausfallen. Mit der Tafel habe man Emil Lehmann aber „ein würdiges Denkmal gesetzt“, teilte Erich Fischer, Präsident des Amtsgerichts, mit. „Wir verneigen uns vor einem aufrechten Demokraten und engagierten Richter, der durch das Gewaltregime des Nationalsozialismus entrechtet wurde.“

Geboren wurde Emil Lehmann am 22. Januar 1872 als Sohn einer jüdischen Familie in Frankfurt. Nach seinem Studium arbeitete er an mehreren hessischen Amts- und Landgerichten als Referendar und Gerichtsassessor. Am 1. Mai 1908 wurde er Richter am Amtsgericht Höchst und arbeitete als Strafrichter sowie als Vollstreckungsleiter des angegliederten Gefängnisses.

Lehmann, der als Soldat im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte, war ein Anhänger der Weimarer Republik, Mitglied im republikanischen Richterbund und im demokratischen „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er am 1. April 1933 zwangsbeurlaubt und am 7. August wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ aus dem Dienst entlassen. Während sein Sohn Hans in die USA fliehen konnte, folgte für Emil Lehmann der wirtschaftliche Abstieg – bis er im Herbst 1942 deportiert wurde.

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